Kohlis Arschkarte: So sexy wie Strutz – Die Rauball-Jugend schwenkt die Fahnen

Kennt eigentlich noch einer die Crunchip-Girls? Das waren ein paar süße Hupfdohlen, die uns FCK-Fans vor der Jahrtausendwende in Cheerleader-Manier aufs anstehende Heimspiel einstimmten, zu Titeln wie „Ma Baker“ – die Gruppe mit den acht schwarzen Beinen und den zwei Eiern, Ihr wisst schon. Mittlerweile quälen sich die Tanzmäuse von einst vermutlich durchs Klimakterium, doch Kohli wettet: Sie wären auch heute noch ein vergnüglicherer Anblick als das, was die DFL den Unglücklichen, die das Auftaktspiel der Zweiten Bundesliga heimsuchen müssen, alljährlich als Eröffnungszeremonie aufnötigt. Am Freitag war der Betzenberg damit dran.

Eine Heerschar weiß gekleideter Menschen, die anscheinend sonst keine sinnvolle Arbeit zu tun wissen, schwenken Fahnen und präsentieren zu Tatata-Mucke eine Choreo, die in ihrer Dynamik vergleichbar ist mit Angela Merkels Skilanglauf. Sieht aus, als wolle es eine Leni-Riefenstahl-Inszenierung sein, pendelt faktisch aber nur zwischen SED-Parteitag und Bundesjugendspielen. Muss vielleicht auch so aussehen, wenn die DFL in ihrem Unterhaus ein bisschen Party machen will.

Es sei daran erinnert: In deren Präsidium fungiert als Zweitligasprecher derzeit noch ein Harald Strutz. Der Präsident von Mainz 05, das schon seit zehn Jahren in der Ersten Liga kickt. Zweitligathemen interessieren den Mann ungefähr so sehr wie Selbstkritik. Kohli hat ihn am Dienstag gerade beim „Foreigner“-Konzert auf der Mainzer Zitadelle erblickt, hätte ihn gerne gefragt, ob er auch für dieses Ticket nix gelatzt hat, ist sich dann aber lieber das fünfte Bier holen gegangen.

In seinem Verein fungiert Strutz offiziell als ehrenamtlicher Präsident, streicht aber 23.000 Euronen im Monat mittels Aufwandsentschädigung und „Beratervertrag“ ein. Kein Vereinsmitglied im Gutelauneklub von der Mainzspitze hätte dagegen gestimmt, hätte er sich irgendwann einmal zum hauptamtlichen Präses wählen lassen und niemand hätte sich über diesen Betrag gewundert. Aber nein, Strutz meinte, das ginge niemanden was an. Bis neulich die FAZ seine Vergütungsmodalitäten öffentlich machte. Ein Verband, der solche Vize-Präsidenten hat, braucht einfach solche Eröffnungszeremonien.

Nicht, dass der Mann keine Ehre hätte. Der „Mittelstandsvereinigung“ deutscher Erstligisten etwa, die sich im Februar formierte, ist er mit seinem Klub nicht beigetreten. Diese Liga außergewöhnlicher Gentlemen will unter anderem erreichen, dass die TV-Gelder für Zweitligavereine gedeckelt werden, wenn die nächsten Verträge mit den irren Anstalten der Glotzindustrie geschlossen werden. Auf diese Weise wollen sie verhindern, dass auch künftig noch Darmstädte an ihren fußballernden Bordellbetrieben vorbeiziehen, am Ende noch, weil sie mit weniger Geld besser wirtschaften und mit mehr Leidenschaft kicken, kurz: echten Sport praktizieren. Interessant übrigens, dass mit dem VfB Stuttgart nun ein Mitglied dieser Mittelstandsvereinigung selbst abgestiegen ist: Wär mal interessant zu wissen, wie der Klub nun zur Kasteiung des Unterhauses steht…

Aber zurück zu Strutz: Also nein, an dieser Sauerei hat der Zweitligasprecher des DFL-Präsidiums sich dann doch nicht beteiligt. Und nur ein böses Maul wie Kohlis könnte mutmaßen: Das lag vielleicht nur daran, dass die „Mittelstandvereinigung“ ihren Funktionsträgern noch keine angemessenen Aufwandsentschädigungen zahlt, vielleicht noch nicht einmal einen Dienstwagen herausrückt. Zum Vergleich: Als DFL-Vizepräsident kassiert Strutz bislang 6.000 Euronen im Monat und darf in einem Mercedes der M-Klasse Zigaretten holen fahren.

Wer jetzt die 6.000 nun zu den vorhin erwähnten 23. 000 dazurechnet und meint, 29.000 Tacken im Monat würde er auch gerne mal verdienen, dem sei noch gesagt: Bis zum 31. März 2016 hat der umtriebige Advokat auch noch eine halbe Justiziarsstelle beim Landessportbund Rheinland-Pfalz besetzt, wofür ihm weitere 2.500 Euronen im Monat überwiesen wurden. Bei so viel Geschäftsaktivität wird so mancher Rechtsbeistandssuchende, der ihn in seiner Kanzlei am Mainzer Fischtorplatz aufsuchen wollte, ziemlich lange auf einen Termin gewartet haben.

Immerhin: Wenn zur Generalversammlung der DFL am 24. August ein neuer Zweitligasprecher ins Präsidium gewählt werden soll,will Strutz im Prinzip zwar wieder kandidieren, aber zurückziehen, wenn sich ein Kandidat aufstellen lässt, der tatsächlich einem Zweitligisten angehört – auf die Idee könnte ja mal einer kommen. Eine große Geste, fürwahr.

Die Frage ist nur: Was wird dann aus Strutz?

Kohli hat schon eine Idee. Macht ihn zum Zeremonienmeister der DFL! Und lasst ihn mit seiner Band „The Stags“ Zweitligaspielzeiten einläuten. Da ist der volle Charme der Unterklassigkeit garantiert, und in punkto Sexiness kann die Combo locker mit der Fahnen schwenkenden Rauball-Jugend mithalten.

Wenn Strutz dann auch noch sein unvergleiches „I can’t get no satisfaction“ anstimmt, singt er den Fans beider antretender Mannschaften aus dem übervollen, bereits würgenden Herzen. Wenn sie nicht wieder, so wie am Freitag die Lauterer und Hannoveraner Anhänger, im Chor intonieren: „Und Ihr macht unseren Sport kaputt…“

Ist unterm Strich aber auch egal, passt doch beides. Und Kohli träumt derweil weiter von den Crunchip-Girls.

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