Gegnerblog: „Der Bernd macht hier alles“

In Kaiserslautern nannten sie ihn „Metzger“. Passte gut zu seiner Spielweise als Linker Verteidiger und, weil’s sein erlernter Beruf war. Laut „fupa.net“ kassierte Bernd Hollerbach in 222 Profispielen 89 Gelbe Karten, „11Freunde“ zufolge sollen es sogar 136 gewesen sein. In der Hinrunde 1995/1996 gab der gebürtige Würzburger ein kurzes Gastspiel beim 1.FC Kaiserslautern, bereits im Winter zog er weiter zum Hamburger SV: „Ich bin in Kaiserslautern nie richtig warm geworden“, erzählt er im „11Freunde“-Interview, und in der Tat: Nur zwei Gelbe und eine Gelb-Rote Karte in der Statistik künden noch heute von einem etwas unterkühlten Auftreten der „Holleraxt“ in der Pfalz. „Zugleich habe ich Hamburg vermisst, die Stadt, die Leute. Und dann kam der Anruf von Uwe Seeler und Felix Magath.“

Magath machte ihn später auch zu seinem Co-Trainer, Hollerbach begleitete seinen Mentor auf dessen Stationen in Wolfsburg und Schalke. Der Zahnarzt Michael Schlagbauer, Vorstandsvorsitzender der Würzburger Kickers und einst Mitspieler des Metzgers, holte ihn 2014 als Cheftrainer zum Verein seiner Jugend zurück. In Franken ereignete sich daraufhin ein Fußballwunder: Zwei Aufstiege in zwei Jahren, das schaffen heute eigentlich nur noch Projektvereine mit Konzernmillionen im Säckl.

Am Sonntag (15.30 Uhr) trifft Hollerbach mit den Kickers auf den FCK. Der Blogwart informierte sich bei Kai Dunkel, „Content Manager Sport“ bei der Mainpost, wie heiß die Würzbürger sind. Dass sie topfit sind, ist angesichts dieser Trainerschule keine Frage: Mit „Sir Felix“ spielt Hollerbach übrigens noch regelmäßig Schafkopf.

Herr Dunkel, wie ist die Stimmung in Würzburg vor der ersten Zweitliga-Heimpremiere seit 38 Jahren?

Absolut euphorisch, die Kickers sind Talk of the Town. Das Stadion, dessen Fassungsvermögen vor der Saison von 10.000 auf 13.000 Zuschauer erhöht wurde, ist so gut wie ausverkauft, die Hütte wird also voll. Und es gibt sogar noch Zeitzeugen, die sich an die Zweitliga-Saison 1978/79 erinnern können. Das sind wir zwar abgestiegen, aber Nürnberg haben wir im Frankenderby 3:0 geputzt.

Sind die Kickers denn personell gut gerüstet? Zweitligaerfahrung scheint für Hollerbach bei den Neuverpflichtungen ja kein Auswahlkriterium gewesen sein, und bei der Auftaktniederlage saßen die teuersten Transfers – Torhüter Jörg Siebenhandl und Mittelfeldspieler Anastasios Lagos – erstmal auf der Bank…

Hollerbach reizt es mehr, junge Spieler zu entwickeln, und Kicker, die anderswo nicht mehr zum Zug gekommen sind, wieder aufzubauen. Neuzugang Sebastian Neumann, ein ehemaliger Hertha-Jugendspieler, der zuletzt in Aalen und Osnabrück unterwegs war, hat er direkt zum Kapitän gemacht. Vor allem macht er die Spieler physisch fit. So lange wie Würzburg war kein anderer Zweitligist im Trainingslager -– zwölf Tage in Tirol. Da mussten sich vor allem die Neuen erstmal umgewöhnen. Die wussten zwar, dass das Training unter Hollerbach hart wird, aber so hart…

Wie sieht denn der Fußball aus, den Hollerbach spielen lässt? Betrachtet man sich die diversen Taktiktafeln in den Medien, scheint er ein so genanntes „Tannenbäumchen“ zu bevorzugen…

Das kommt auch ungefähr hin. In Braunschweig agierte er quasi mit drei Sechsern im Mittelfeld, davor die Außen Karsanidis und Daghfous, die versuchten, die einzige Spitze Soriano ins Spiel zu bringen. Hollerbachs Standardsatz ist allerdings: „Wir wollen agieren und nicht reagieren.“ Heißt: Bei aller Konzentration auf die Defensive will er schon über Ballbesitz ins Spiel kommen, vorne attackieren, früh den Ball gewinnen. In Braunschweig hat man auch viel mit Diagonalbällen operiert, das hat noch nicht so geklappt, dennoch ist ein spielerisches Element zunehmend erkennbar.

Der FCK sollte sich also nicht unbedingt auf einen Neuling einstellen, der erst einmal abwarten will?

Ich denke schon, dass die Kickers versuchen werden, Lautern bereits in deren Hälfte mit zwei, drei Leuten anzulaufen.

Und die personellen Umstellungen, die sich aus dem Platzverweis für Emanuel Taffertshofer in Braunschweig ergeben?

Die machen Hollerbach keine Bauchschmerzen. Die Kickers sind gerade auf der Sechserposition gut besetzt. Ich vermute, dass Lagos jetzt in die Mannschaft kommt, Hollerbach hat ihn in der PK vor dem Spiel auch als Option genannt. Einen weiteren Wechsel könnte ich mir allenfalls noch auf der Innenverteidiger-Position vorstellen. Clemens Schoppenhauer sah vor beiden Gegentoren nicht gut aus, hätte auch mit einem taktischen Foul die Situation verhindern können, die zur Roten Karte führte. Ersetzen könnte ihn Royal-Dominique Fennell, der in die Zweite Mannschaft verbannt worden war und nicht einmal mit aufs Mannschaftsfoto durfte. In Braunschweig saß er aber wieder auf der Bank, und vergangene Saison war Fennell ein Leistungsträger.

Wie stark ist Hollerbachs Position in Würzburg denn nun wirklich?

Er macht hier alles. Wirtschaftlich entscheidet natürlich auch Thorsten Fischer vom Hauptsponsor „Flyeralarm“ mit, aber im sportlichen Bereich ist alleine er zuständig, einen Manager braucht er nicht. Er weiß selbst, welche Spieler er haben will, und führt auch die Verhandlungen, wobei er keine finanziell verrückten Dinge macht, dazu ist er zu bodenständig.

Klingt nach einer Kopie des Magathschen Führungsstils, von dem er ja auch die harten Trainingsmethoden übernommen hat…

Nicht nur das. Der ehemalige Fitnesstrainer der beiden, Werner Leuthard, der heute in Basel arbeitet, schaut auch gelegentlich mal in Würzburg vorbei und zieht ein, zwei Trainingseinheiten mit den Jungs durch. Fit für die Zweite Liga sind die Kickers also auf jeden Fall. Daher glaube ich, dass sie am Ende Rang 12 schaffen können, also souverän drin bleiben.

Voraussichtliche Mannschaftsaufstellung Kickers Würzburg:

Wulnikowsi – Weil, Schoppenhauer (Fennell), Neumann, Kurzweg – Lagos, Schröck, Benatelli – Daghfous, Karsanidis – Soriano

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