Analyseblog: Das 1:1 in Würzburg – Eine gefühlte Niederlage

Ein Riesenbock, der zum Gegentreffer führte, und zwei „Hundertprozentige“ versiebt – im Schnelldurchlauf sieht die Partie des FCK bei den Würzburger Kickers wieder mal so aus, als hätten es die Lautrer einmal mehr versäumt, „sich selbst zu belohnen“ – die beliebte Phrase tauchte hinterher denn auch prompt in verschiedenen Statements von Spielern und Trainer auf. Coach Tayfun Korkut sprach aber insofern Klartext, als dass er dieses 1:1 als „gefühlte Niederlage“ bezeichnete.

Es liegt jedoch keinesfalls nur an den so gerne angeführten „versäumten Momenten“, dass es nicht zwei Punkte mehr wurden am fränkischen Dallenberg. Auch im zweiten Pflichtspiel der Saison offenbarte der FCK über 90 Minuten Schwächen, mit denen der Anspruch, wieder ans obere Drittel der Zweiten Liga anzudocken, sich kaum stellen lässt. Immer wieder Ballverluste in den hinteren Reihen, davon zwei bereits in den ersten zehn Minuten, nach denen der kampfstarke, aber eher bieder inspirierte Aufsteiger den finalen Pass nicht spielen kann (weswegen die Szenen auch in keiner Spielzusammenfassung auftauchen): Das ist einfach zu viel.

WEITER SCHWACHPUNKTE RECHTS UND IM KOPFBALLSPIEL

Der Gedanke, dass Kickers-Trainer Bernd Hollerbach seinen stärksten Dribbler Nejmeddin Dhagfous nach der 1:2-Auftaktniederlage in Braunschweig von der rechten auf die linke Seite zog, weil er sich dort leichter gegen Philipp Mwene durchsetzen sollte, der sich bei Lauterns Saisonpremiere gegen Hannover (0:4) als Schwachpunkt dargestellt hatte, scheint nicht so ganz abwegig. Und auf die Idee könnten auch noch andere Trainer kommen.

Nach verlorenen Kopfballduellen kassierte der FCK im Gegensatz zum 96-Spiel diesmal zwar keinen Treffer, war aber mehrmals nah dran. Noch zwei Minuten vor Schluss durfte Kickers-Stürmer Elia Soriano einen Flugball völlig unbedrängt aufs Tor köpfen, und auch Patrick Weihrauchs Großchance in der 70. Minute resultierte aus einem verlorenen Luftduell zwischen Soriano und FCK-Linksverteidiger Naser Aliji.

ZEHN ECKBÄLLE, KEINE GEFAHR – UND KORKUT IST NICHT VUCURS PAPA

Im Offensivkopfball rissen die Lautrer ebenso wenig: Zehn Eckbälle durften Daniel Halfar & Co. in 90 Minuten ausführen, nicht einer beschwor annähernd Torgefahr herauf. Dies sah in der vergangenen Saison unter Coach Konrad Fünfstück noch anders aus. Allein der aufgerückte Innenverteidiger Stipe Vucur köpfte nach ruhenden Bällen vier Mal ins Tor.

Der aber stand diesmal in der zweiten Hälfte gar nicht mehr auf dem Platz. Trainer Tayfun Korkut hatte den 24-jährigen herausgenommen, nachdem er mit einem dilettantischen Rückpassversuch auf Torhüter André Weis Weihrauch bedient hatte und der von Christoph Moritz nur durch ein Foul gestoppt werden konnte. Richard Weil verwandelte sicher.

„Ich bin nicht sein Papa“, antwortete Korkut hinterher auf die Frage, ob Vucurs Auswechslung eine „erzieherische Maßnahme“ gewesen sei. Sie sei vielmehr geboten gewesen, nachdem der Innenverteidiger nicht nur in dieser Situation gepatzt hatte, sondern auch zuvor schon zwei, drei Mal „nicht klar“ gewesen sei in seinen Aktionen. Nachfolger Tim Heubach habe dann seinen Job „sehr ordentlich“ gemacht.

GEHT WAS MIT HOVLAND?

Das ändert nichts daran, dass die Verpflichtung eines neuen Innenverteidigers bis zum Transferschluss am 31. August für Sportdirektor Uwe Stöver klare Priorität haben muss. In Nürnberg dachte Even Hovland in den vergangenen Tagen für seine Verhältnisse erstaunlich laut über einen Vereinswechsel nach. Der 27-jährige fürchtet um seinen Stammplatz in der norwegischen Nationalmannschaft, nachdem er beim Club nur noch Innenverteidiger Nummer drei ist.

In der Saison 14/15 war er da noch gesetzt, vergangene Spielzeit kam er immerhin noch auf 23 Einsätze. User des Fanforums „Der Betze brennt“ wollen den 1.90 Meter-Hünen am Sonntag am Dallenberg gesehen haben… Da könnte was im Busch sein.

HALFAR: DAS IST ZU WENIG

„Auch wenn die Ergebnisse nicht dafür sprechen – man muss immer auch das Positive sehen“, forderte Kapitän Halfar hinterher. Das mag richtig sein, bei ihm aber muss der Blick auf die guten Aspekte nicht unbedingt beginnen. Auch vom „Zehner“, Korkuts erklärtem Schlüsselspieler, kam zu wenig: nur 59 Ballbesitzphasen, dazu zehn Fehlpässe, und das aus einer zentralen Position – da ist, vorsichtig ausgedrückt, noch jede Menge Luft nach oben.

Wesentlich besser im Spiel war dagegen Christoph Moritz. Erste Sahne seine Vorarbeit zum Führungstreffer von Marcel Gaus. Nach der Pause ging allerdings auch er unter. Vor allem, als die Kickers in der ersten Viertelstunde nach dem Seitenwechsel das „hohe Pressing“ praktizierten, das auch Korkut von seiner Mannschaft gerne sehen würde.

IM KOMMEN: MORITZ, ALIJI, GAUS – UND GÖRTLER KÖNNTE GEHEN

Ebenfalls nach oben zeigt die Formkurve von Linksverteidiger Naser Aliji. Er war ein stabiles Element auf seiner Seite, hatte die meisten Ballkontakte, steckte meistens auch präzise auf den nächsten Mitspieler durch – ein paar Fehlpässe weniger dürfen es allerdings auch bei ihm sein.

In der ersten Hälfte stark, in der zweiten wenigstens noch ordentlich präsent war Torschütze Marcel Gaus. Der Linksaußen scheint für den technisch anspruchsvollen Korkut-Fußball zwar nicht unbedingt geschaffen, behauptet sich gegen die Flügelspieler-Konkurrenz im Kader aber locker – dank seiner Durchsetzungskraft und seiner guten Mentalität. Zoltan Stieber zeigte nach seiner Einwechslung, dass der FCK mit ihm jetzt wenigstens über einen Winger von überdurchschnittlicher Zweitligaqualität verfügt.

Nach seiner Verpflichtung herrscht auf dieser Position allerdings ein quantitatives Überangebot im FCK-Kader. Bei Stiebers Vorgänger Lukas Görtler soll sich laut „sky“ Erik Ten Hag gemeldet haben, einst Görtlers Trainer bei der Zweiten Mannschaft der Münchner Bayern und jetzt Coach beim holländischen FC Utrecht. Nach seinem Auftritt am Sonntag würde ein Wechsel die Lauterer nicht schwächer machen.

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