Analyseblog: Stark begonnen, am Ende abgeschlachtet – Das 3:4 von Halle

Von der vor der Saison heraufbeschworenen Aufbruchstimmung ist beim FCK bereits nach dem dritten Pflichtspiel nicht mehr viel zu spüren. Nach zwei sieglosen Auftritten in der Zweiten Liga ließen sich die Lauterer im DFB-Pokal vom Drittligisten Halle aus dem Wettbewerb schießen.

Man mag versuchen, sich damit zu trösten, dass man mit diesem erst in der Verlängerung verlorenen 4:3 dem Publikum ein „Spektakel“ bot, Hoffnung daraus schöpfen, dass immerhin mal drei Auswärtstore glückten oder dass der neue Stürmer Osayamen Osawe sogar zwei Mal traf – für das Spiel am bezeichnendsten bleibt die Aussage des sonst sehr zurückhaltend formulierenden FCK-Coaches Tayfun Korkut, Halle hätte die Seinen „einfach abgeschlachtet“.

VÖLLIG VERDIENTE FÜHRUNG? NA JA:..

Vor dem Spiel hatte der Trainer erklärt, der FC werde dann ein unbequemer Gegner, wenn der FCK es zuließe – insofern wäre es treffender gewesen zu sagen: Lautern hat sich abschlachten lassen.

Schon vom Anpfiff weg agierten die Hallenser so, wie die FCK-Fans eigentlich das eigene Team sehen wollten: Sie schoben ihren Defensivverband entschlossen nach vorne, liefen mit bisweilen vier Spielern die Lautrer Hintermannschaft an, zwangen diese mitsamt Torhüter André Weis dazu, Fußball unter Bedrängnis zu spielen, wobei sie nicht unbedingt souverän wirkte, die Phase immerhin aber unbeschadet überstand. Korkuts Einschätzung, die Pfälzer seien dann „völlig verdient“ in Führung gegangen, ist jedoch nicht so ganz nachzuvollziehen. Sie hatten bis dato lediglich zwei, drei Umschaltsituationen für ansehnliche Angriffe über die linke Seite genutzt.

STATT ENDORPHIN-AUSSCHÜTTUNG FOLGT DER NÄCHSTE BOCK

Fakt ist: Die Pfälzer gingen in den folgenden 100 Minuten nicht nur ein, sondern zwei Mal in Führung, ohne dass diese Erfolgserlebnisse sie souveräner machten. Auch der Ausgleichstreffer in der vierten Minute der Nachspielzeit sorgte nicht für die Endorphin-Ausschüttung, die eine Mannschaft meist so in die Verlängerung puscht, dass sie bis zum Ende die entscheidenden Körner mehr aus sich herausholt – die Extra Time war kaum angepfiffen, da fabrizierten Rechtsverteidiger Philipp Mwene und Keeper Weis den nächsten Bock, der zum Elfmeter und dem 4:3-Endstand führte.

Wie schon in den Spielen zuvor fielen die Defensivschwächen beider Außenverteidiger auf. Neben Mwene patzte auch dessen Gegenüber Naser Aliji, der beim 1:1-Ausgleich eine Linksflanke Fabian Baumgärtls über die eigene Torlinie drückte – bedrängt vom physisch starken Marvin Ajani, der dem schmächtigen Schweizer auch sonst enorm zusetzte. Bereits in den Pflichtspielen zuvor hatte Aliji nicht souverän gewirkt, wenn er in den eigenen Strafraum einrücken musste.

UND WIEDER EIN KOPFBALLDUELL VERLOREN

Und die Pfälzer kassierten wieder einen entscheidenden Treffer nach einem verlorenen Kopfballduell. Nach einer Ecke von Sascha Pfeffer auf den kurzen Pfosten rammte FC-Stürmer Hilal El-Helwe den Ball zur 3:2-Führung ins Netz, wobei selbst Mitspieler Klaus Gjusala noch eher dran gekommen wäre als irgendein Lautrer Spieler inklusive Keeper Weis. Der wiederum sah auch beim 2:2-Ausgleich durch El-Helwe nicht gut aus, als der Palästinenser halbrechts von der Strafraumlinie ins lange Eck schlenzen durfte.

Immerhin: Dank Neuzugang Zoltan Stieber sind Lauterns eigene Ecken wieder gefährlicher geworden. Eine führte sogar zum Führungstreffer, als Ziegler am langen Eck per Kopf auf Halle-Rückkehrer Osawe auflegte. Megacool auch Stiebers zweiter Führungstreffer für den FCK, als er, von der linken Seite kommend, erst Florian Brügmann, dann Max Barnofsky stehen ließ und den Ball mit rechts in die lange Ecke zwirbelte.

EINER DER WENIGEN LICHTBLICKE: STIEBER

Der Ungar, der zunächst auf dem rechten Flügel aufgeboten war und später mit Marcel Gaus auch mal die Seite tauschte, war einer der wenigen Lichtblicke der Lauterer, glänzte mit klugen, präzisen Zuspielen und satten Torschüssen. Vielleicht lässt Korkut den vielfältig einsetzbaren Ungarn mal die Position mit Daniel Halfar in der offensiven Mittelfeldfeldzentrale tauschen, das könnte sich sowohl auf die Mannschaft als auch auf ihren Kapitän konsolidierend auswirken.

Denn Halfar wird nach wie vor kaum der anspruchsvollen Rolle des Zehners gerecht, die ihm der Trainer zugedacht hat. Sobald er im vorderen Drittel auftaucht, kommen weder kurze noch lange Zuspiele an, bei Dribblingversuchen auf engem Raum schiebt sich ein gegnerisches Bein dazwischen, ganz zu schweigen von seinen Torschussexperimenten – die sind bekanntlich selbst an guten Tagen verbesserungswürdig.

AM ENDE IM 4-4-2 – DOCH ZOUA GELANG GAR NICHTS

Seine stärkste Phase hatte Halfar, als er nach der Einwechslung der Offensivkräfte Jaques Zoua, Sebastian Jacob und Lukas Görtler in einem 4-4-2 weiter zurückgezogen agierte und dafür sorgte, dass die Lauterer Bemühungen um einen Ausgleich nicht zu früh zu ungestüm wurden. Richtig organisierte Druckphasen brachten sie freilich auch nicht zustande, vor allem Neuzugang Zoua gelang in seinen ersten 60 Minuten im FCK-Dress gar nichts.

Bei der Aufzählung der wenigen Lichtblicke darf auch Marlon Frey nicht vergessen werden. Die Leihgabe aus Leverkusen war kurzfristig in die Startelf gerückt, nachdem sich Christoph Moritz beim Aufwärmen verletzt hatte. Er begann, wie ein 20-jähriger auf der Sechs debütieren sollte, konzentrierte sich auf die einfachen Dinge, blieb unauffälllig, außer dass er kurz vor der Pause mal aus der Distanz verzog – und hatte in der vierten Minute der Nachspielzeit seinen großen Moment.

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