Vorschaublog: Trotz 0:4-Schock – Korkut will „keinen Meter abweichen“

„Wenn man auf eine robuste Mannschaft trifft, muss man sich auch wehren. Da muss man dagegen halten, aber man muss auch seine eigenen Waffen einsetzen. Das heißt für uns: Den Ball schnell laufen zu lassen, die richtigen Räume anzulaufen, zu besetzen und zu nutzen. Es gibt unterschiedliche Mannschaften, unterschiedliche Arten von Fußball. Nur dagegen halten, reicht nicht. Wir müssen den Gegner stoppen, aber mit Ball.“

Die 0:4-Packung gegen Hannover 96 vom ersten Spieltag sei schon am Montag analysiert und aufgearbeitet worden, so Trainer Tayfun Korkut in der Pressekonferenz vor dem Gastspiel des FCK bei den Würzburger Kickers. Da erwarte seine Mannschaft ein vollkommen anderes Spiel – ein Gegner, „der robust ist, der vielleicht nicht viele Aktionen nach vorne hat, aber der defensiv gut steht.“ Da müsse sein Team „Geduld haben“.

„MUT, ZIELSTREBIGKEIT UND AGIEREN“

Er rechne mit mehr Ballbesitz als gegen Hannover, warnt aber auch: „Das kann gefährlich werden, wenn man die Kontrolle hat.“ Und es werde auch immer wieder Duelle geben, „daran haben wir diese Woche gearbeitet.“ Er werde mit seinem Team aber „keinen Meter“ von dem Weg abgehen, der sich in der Anfangsphase gegen Hannover abgezeichnet hat: „Mut, Zielstrebigkeit und Agieren.“

In der Tat: Wie gefährlich es ist, den Ball zirkulieren zu lassen, während der Gegner 40 Meter vor dem eigenen Tor nur auf die Chance zum Ballgewinn wartet, um dann mit nur zwei, drei Zügen zum Abschluss zu kommen – das haben FCK-Fans auch und gerade unter Trainer Kosta Runjaic schon erlebt, der eine ähnliche Spielphilosophie verfolgte wie Korkut.

Wer jedoch eine Mannschaft formen will, die in absehbarer Zeit wieder eine dominante Rolle in der Liga spielen soll, muss darauf hinarbeiten, dass sie diese Dominanz auch auf dem Platz ausstrahlt – und erfolgreich umsetzt. „Wir sind erst am Anfang einer Entwicklung“, weiß der neue FCK-Coach. Aber auch: „Wir müssen stabiler werden.“

ES MUSS AUCH MAL ANDERS LAUFEN

Im Hannover-Spiel sei einiges zusammengekommen, was nicht alle Tage geschehe: „Zunächst die Riesenchancen, die wir hatten, dann ein Gegentor, ein, zwei Entscheidungen gegen uns, die auch anders hätten fallen können, dann das nächste Gegentor direkt nach der Pause, als wir eigentlich mit einem Gefühl aus der Kabine kamen… Ich hoffe, das alles passiert so nicht noch einmal. Wir müssen auch mal zuerst treffen, oder es muss auch mal eine Entscheidung für uns fallen.“

Besser ins Spiel kommen will vor allem Christoph Moritz. Dem Neuzugang aus Mainz gelang zu seinem Debüt im FCK-Dress nicht viel. Ein „vollkommen anderes Spiel“, wie’s der Trainer erwartet, kann einem Techniker wie ihm nur zupass kommen. Ballzirkulation, auf den richtigen Moment zum Abspiel in die Spitze warten, den Diagonalpass auf die andere Seite zu suchen: Das liegt dem einstigen Schalker Toptalent, dessen Karriereplan einst eigentlich keinen Aufenthalt in der Zweiten Liga vorsah, das mit 26 Jahren nun aber einen Schritt zurück machte, um wieder nach vorn zu kommen.

MORITZ: EINER BLEIBT, EINER GEHT

Das FCK-Spiel soll er gemeinsam mit Alexander Ring aus der Mittelfeldzentrale steuern, möglichst im ständigen Wechsel: „Einer bleibt vor der Viererkette, der andere belebt das Offensivspiel“. In den Testspielen vor dem verpatzten Saisonstart deutete das Duo durchaus an, das da durchaus einiges zu erwarten ist. Würzburg böte eine gute Gelegenheit, wieder in die Spur zu finden, zumal ihn Hexenkessel, wie die „Flyeralarm-Arena“ sie darstellen, motivieren, so Moritz – und auch starke Unterstützung der eigenen Farben gewährleistet ist: Das Gästekontingent von 1600 Tickets ist restlos vergriffen. Insgesamt rechnet FCK-Pressesprecher Stefan Rosskopf mit 2000 Betze-Fans unter den 13.000 Zuschauern.

Außer den nach Krankheitsfällen noch nicht ganz wiederhergestellten Mateusz Klich und Marcus Piossek sind keine Ausfälle im Kader zu beklagen. Neuzugang Jaques Zoua ist allerdings noch nicht spielberechtigt, dass der andere Neue, Zoltan Stieber, schon zum Einsatz kommt, ist zumindest fraglich. So deutet alles auf die gleiche Startelf wie gegen Hannover hin.

Voraussichtliche Startelf FCK:

Weis – Mwene, Vucur, Ziegler, Aliji – Moritz, Ring – Pich, Halfar, Gaus – Osawe

ZOUA: KEIN SON-ERSATZ, ABER AUCH KEIN FLOP

Die gestern verkündeten Neuverpflichteten drängten die Statements von Trainer und Spieler zum Aufritt in Würzburg etwas in den Hintergrund. Offiziell war zum Beginn der PK allerdings nur die Verpflichtung von Jaques Zoua. Der Nationalspieler von Kamerun, der zuletzt im Juni 2016 für sein Land gegen Mauretanien antrat, ist deutschen Fußballbeobachtern noch von seinem Engagement beim Hamburger SV bekannt.

Der damalige Trainer Thorsten Fink zog den 1,86 großen Stürmer 2013 von seinem Ex-Klub Basel an die Elbe nach. 32 Einsätze mit drei Toren und vier Assists in der Folgezeit weisen den damals 21-jährigen zwar nicht unbedingt als Flop aus, doch die Hanseaten hatten einen eigentlich Nachfolger für den geschmeidigen Flügelspieler Heung-Ming Son gesucht, der nach Leverkusen gewechselt war. Das vermochte der bullige Zentrumsspieler nicht zu sein. Die Hamburger verliehen ihn daraufhin in die Türkei, wo er für Kayseri Erciyesspor in 23 Einsätzen acht Mal netzte. Anschließend wechselte Zoua zum französischen Erstligisten GFC Ajaccio. Fünf Treffer und zwei Assists weist die Statistik dort für ihn aus. Immerhin: Das Fachblatt „France Football“ kürte ihn im Dezember 2015 zum „viertbesten Neuzugang der Liga“.

STURMTANK MIT PRESSINGQUALITÄT

Nach dem Abstieg der Korsen stand Zoua zum Verkauf. Ein erneuter Wechsel in die Türkei zerschlug sich kurzfristig. Zuletzt beschäftigte er einen Privattrainer, schon von daher bezeichnet es sein neuer Trainer Tayfun Korkut auch als einen Vorteil, dass er sich vor seinem ersten Einsatz erst einmal ins Mannschaftstraining integrieren kann.

Was realistischer Weise von Zoua zu erwarten ist: Kein Filigranfußballer, sondern ein schnelles, arbeitswütiges Kraftpaket, der sicher zum Pressingmonster taugt und so Korkuts Vision vom Attackieren des Gegners noch im ersten Drittel umsetzen kann. Neben Osayamen Osawe in der Spitze kann er für diesen die Bälle festmachen und durchlegen, gleichzeitig kann er als Backup für den jungen Liganeuling dienen, der sicherlich noch nicht die komplette Saison so herzerfrischend aufzuspielen vermag wie gegen Hannover. Und ab und zu wird er auch mal ein Tor schießen.

Unterm Strich ist das recht viel für das verhältnismäßig kleine Geld, das er gekostet hat. 26-jährige Offensivjuwelen, die billig zu haben sind, weil sie von finanzstarken Klubs bislang schmählich übersehen wurden, gibt’s auf dem internationalen Markt nämlich nicht mehr.

STIEBER: TECHNIKER IM BESTEN FUSSBALLALTER

Der ungarische Nationalspieler Zoltan Stieber dagegen ist mit 110 Zweitliga- und 50 Erstligaeinsätzen ganz der gewünschte erfahrene Spieler, der gemäß dem Anforderungsprofil von Sportdirektor Uwe Stöver den FCK sofort verstärken soll. Besonders seine Unterhaus-Bilanz mit 25 Treffern und 33 Vorlagen liest sich eindrucksvoll. Noch in bester Erinnerung dürfte sein Auftritt bei der EM gegen Österreich sein, wo er mit einem tollen Heber den 2:0-Endstand für Ungarn besorgte.

Mit 27 Jahren ist er zudem noch im besten Fußballalter. Der FCK wollte ihn schon mehrmals verpflichten, hatte jedoch immer das Nachsehen gegen finanzkräftigere Mitbewerber, einmal gegen Mainz, weswegen das Interesse an Stieber, als es vor einigen Tagen publik wurde, im Fanlager gemischte Reaktionen hervorrief. Seine bislang beste Saison spielte Stieber 2013/14 in Fürth. Die Greuther scheiterten damals erst in den Relegationsspielen am Aufstieg in die Bundesliga – gegen den Hamburger SV, der Stieber anschließend verpflichtete. Dort aber vermochte er sich nicht dauerhaft durchzusetzen.

Stieber gilt als feiner Techniker, der auch das Zuspiel in die Spitze beherrscht und feine ruhende Bälle schlägt. Dagegen gilt er nicht gerade als großer Zweikämpfer. Wenn er an seine letzte Saison in Fürth wieder anknüpft, kann er aber allemal die erhoffte Verstärkung sein.

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