Gegnerblog: Fortuna kommt – und mit ihr zwei alte FCK-Helden

Fortuna Düsseldorf kommt – und mit ihr auch zwei alte Bekannte. Sie stehen für drei, beziehungsweise vier Jahre FCK, allerdings in zwei höchst unterschiedlichen Zeitaltern, die jedoch beide für ihre Fans emotionale Wechselbäder der extremen Art bereithielten. Deswegen hat der Blogwart, um sich für den kommenden Gegner aufzuwärmen, diesmal kein Gespräch mit einem intensiven Beobachter des Gastes geführt, sondern rückt lieber diese beiden Personalien in den Fokus.

Der eine ist auch jüngeren FCK-Fans noch ein Begriff. Er stand am 18. Mai 2008 im FCK-Trikot auf dem Platz, und mehr müsste der Blogwart eigentlich nicht sagen, gäbe es nicht immer auch ein paar Nicht-FCK’ler, die sich auf diese Seite verirren: An diesem Tag schlug der FCK den 1.FC Köln 3:0 und rettete sich so, am finalen Spieltag der Saison, vorm Abstieg in die Dritte Liga und somit auch vorm Sturz in die völlige Bedeutungslosigkeit. Das wichtigste Spiel der jüngeren Vereinsgeschichte.

Der Moment, als Josh Simpson den Führungstreffer schoss, worauf der Himmel seine Schleusen öffnete, um den Betzenberg mit Fritz-Walter-Wetter zu segnen, und das Bild von Marcel Ziemer, wie er nach einem weiteren Treffer vor der Westtribüne salutierte, sind auf alle Zeit fest ins Gedächtnis jedes Anhängers der Roten Teufel gebrannt.

NICHT GUT GENUG FÜR DIE BUNDESLIGA? NA JA…

Unser Mann ackerte da im Mittelfeld. Milan Sasic, der die Mannschaft im Februar übernommen hatte, hatte ihn, der normalerweise auf der linken Außenbahn zuhause ist, bereits zu seinem Amtsantritt zentral eingesetzt. Schon bei Sasics Debüt in Fürth erzielte er den Siegtreffer zum 1:0 und sicherte so die ersten drei von zeitweise acht Punkten, die FCK damals auf einen Nicht-Abstiegsplatz gutmachen musste.

Insgesamt 96 Mal lief der heute 33-jährige für den FCK auf, erzielte sieben Tore. Im Juli 2009 wurde sein Vertrag nicht verlängert. Er sei ein toller Typ, aber spielerisch reiche es nicht für die Erste Liga, in die der Verein zurückwolle, hieß es. Der FCK spielte in den Jahren danach noch 68 Mal Bundesliga, er trat für Augsburg und Düsseldorf 58 Mal im Oberhaus an. Soweit auseinander liegt das nicht.

IM HERZEN IMMER FORTUNE

Fairerweise muss auch gesagt werden: Sein Herz hat immer der Fortuna gehört, bei der er auch groß wurde Und wenn es im Leben eines Fußballprofis nicht immer auch Momente gäbe, in denen auch mal gegen die eigene Gemütslage entschieden werden muss, hätte er den Niederrhein wohl niemals verlassen. So wie „Lumpi“, sein bester Kumpel, der der Fortuna zwölf Jahre treu blieb und die er durch insgesamt vier Spielklassen begleitete.

Überhaupt: Ihn rufen sie „Bello“, den anderen „Lumpi“, das ist doch irgendwie bezeichnend: Während die Spitznamen der Großen dieses Sports stets an Potentaten gemahnen, tragen sie welche, die eher vierbeinigen besten Freunden zuteil werden. Fußballfreunde wissen: Das hat nichts mit Herabwürdigung zu tun, sondern mit Liebe.

IMMER BOCK AUF FUSSBALL

Die hat er auch in Düsseldorf nicht immer erfahren. Über seine spielerischen Defizite wurde auch da immer mal gemeckert, allerdings eher auf den Sitztribünen. Dort wähnt er seine Fans ohnehin nicht: „Ich glaube, die Menschen in der Kurve merken, dass ich an jedem Wochenende richtig Bock habe, Fußball zu spielen. Dass ich, wenn es mal schlecht läuft, mir zumindest den Hintern aufreiße. Das habe ich so gelernt.“ Sätze, für die ihn auch „die West“ in Kaiserslautern immer geliebt hat.

Ein vorwitziger Kollege hat das gesamte deutsche Unterhaus mal nach ihm benannt: „Die Bellinghausen-Liga“. Weil dort zwar gekämpft, aber nur mäßig gekickt werde. „11Freunde“ nennt ihn „den letzten Grasfresser der Bundesliga.“ Der Blogwart nennt Axel Bellinghausen den letzten Helden der Stehtribünen – Kurven gibt’s ja nicht mehr. Und würde sich vom FCK in dieser Saison einfach nur „mehr Bellinghausen“ wünschen.

FUNKELSCHE COOL- UND CLEVERNESS: WO SIND SIE HIN, FCK?

Über seinen aktuellen Trainer sagt Bellinghausen übrigens: „Er hat die Fähigkeit, die richtigen Knöpfe zu drücken. Erst bei der Mannschaft als Ganzes, dann bei der Mobilisierung des Umfelds, dann bei einzelnen Spielern.“ Und damit Schnitt auf den anderen einstigen FCK-Helden, der am Montagabend wieder einmal auf dem Betzenberg vorbeischaut.

An den im FCK-Trikot können sich nur ältere FCK-Fans erinnern, insbesondere die der „Generation Kalli“. 1982, die erste Feldkamp-Ära in Kaiserslautern. Der FCK spielt im UEFA-Cup. Trifft auf Real Madrid. Verliert das Hinspiel 1:3. Führt im Rückspiel bereits zur Halbzeit 2:0, gewinnt am Ende 5:0. Die ersten beiden Treffer hat Friedhelm Funkel erzielt.

Dem Blogwart ist noch ein anderes Spiel Funkels unvergesslich. 1981. Der FCK zuhause gegen Bayern München. Lautern liegt zur Pause 1:2 hinten, gewinnt am Ende 4:2. Den 2:2-Ausgleich hat Funkel gemacht. Sein Lob aus 16 Metern, über Keeper Walter Junghans, gefühlt aber auch über die halbe Bayern-Mannschaft hinweg, gehört zu den geilsten Toren, die der Blogwart in über 40 Jahren als Heimspielbesucher auf dem Betze gesehen hat. Es charakterisiert auch den Spieler Funkel. Das Schlitzohr. Der, der schlenzt, wenn andere mit dem Vollspann draufhalten. Oder eben lobbt.

So, wie dem FCK heute Bellinghausenscher Spirit fehlt, fehlt ihm auch Funkelsche Cool- und Cleverness.

WENN WEISE DOCH NUR NICHT GEKOMMEN WÄRE

66 Spiele hat er für den FCK gemacht, dabei 24 Tore geschossen. Dass sein Engagement nach nur drei Jahren endete, lag an einem ehemaligen DFB-Oberlehrer namens Dietrich Weise, den der FCK allen Ernstes als Trainer angeheuert hatte. Dass er einen wie Funkel, der bedenkenlos auf jeder Position eingesetzt werden konnte, gehen ließ, hat den Blogwart damals direkt gegen den Sachsen eingenommen. Dass Weise dann nach nur 13 Spielen beim FCK hinschmiss und vier Tage später bei Eintracht Frankfurt anheuerte, passte da nur noch ins Bild. Mit 56 Jahren ging Weise dann als Nationaltrainer Liechtensteins quasi in Vorruhestand. Auch das passte irgendwie zu ihm.

Da ist Friedhelm Funkel als Trainer ein anderes Kaliber: Er geht dahin, wo’s wehtut. Düsseldorf ist sein zehnter Verein im deutschen Profifußball. Fünf Mal ist er aufgestiegen, was als Rekord gilt. Allerdings ist er auch vier Mal abgestiegen, und in Aachen ist er entlassen worden, bevor der Abstieg besiegelt war. Also ist seine Erfolgsbilanz im Grunde ausgeglichen. Mit 62 Jahren ist er gemeinsam mit Ewald Lienen von St. Pauli heute der älteste Trainer der Liga.

LEIDER NIE TRAINER IN LAUTERN

Beim FCK war Funkel als Trainer immer mal im Gespräch, zuletzt 2009, damals aber war gerade sein Engagement bei der Frankfurter Eintracht gerade beendet worden und er wollte nicht direkt bei einem anderen Klub anheuern.

Nach einem erfolgreichen Saisonstart sieht es so aus, als führe sein Weg bei der Fortuna eher nach oben als nach unten. Einem eher glücklichen 2:2 zum Auftakt in Sandhausen folgte ein überraschender 1:0-Sieg gegen Aufstiegs-Topfavorit Stuttgart. Mit einem 3:0 in Rostock gelang Funkel im DFB-Pokal dann das, was beim FCK in Halle daneben ging: Sich souverän gegen einen Drittligisten durchzusetzen.

Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass er die Fortuna erst gegen Ende der vergangenen Saison als Beinahe-Absteiger übernommen hat und er seinen wichtigsten Mann, den Ex-Lauterer Kerim Demirbay, im Sommer abgeben musste. Immerhin wurde sein Kader jetzt nochmal mit Erfahrung aufgefüllt: Fortuna hat den 28-jährigen Stürmer Rouwen Hennings aus Barnsley zurückgeholt.

VfB-Trainer Jos Luhukay hat die Fortuna sogar schon zum Aufstiegsanwärter erklärt. Funkel zuckt dazu nur mit Schultern: „Hannover und Stuttgart werden auf Strecke nicht zu schlagen sein.“ Es gibt allerdings auch noch den Relegationsrang drei…

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