Die Analyse: Wieder kein Torglück, aber ein Schritt nach vorne – Erkenntnisse aus einer Nullnummer

Nein, natürlich kam da nichts, was auch nur im Entferntesten negativ für einen seinen Schützlinge ausgelegt werden könnte, als Tayfun Korkut nach dem Spiel gefragt wurde, weshalb er mit Patrick Ziegler und Alexander Ring zwei seiner erfahrensten Kräfte auf der Bank gelassen hatte. Der Coach begründete diesen Schritt zunächst mit einer „taktischen Entscheidung“, dann mit einer „aus einem Gefühl heraus“, auf keinen Fall aber habe sie mit guten oder schlechten Leistungen aus den vergangenen Spielen zu tun… Okay.

Ist ja auch nicht weiter überraschend, dass der Trainer im Rahmen einer Pressekonferenz nicht tiefer ins Detail geht. Dass einer wie er allerdings mal eben so „aus einem Gefühl“ heraus entscheidet, davon ist weniger auszugehen. Er wird sich schon seine Gedanken gemacht haben, im Zweifelsfall sogar ein paar mehr, und zwar basierend auf Erkenntnissen aus den ersten Pflichtspielen.

DIE ÜBERRASCHUNG: FREY UND VUCUR FÜR ZIEGLER UND RING

Ein paar davon könnten gewesen sein: Mit Frey einen defensiven Mittelfeldspieler einbauen, der im hinteren Mittelfeld für mehr Robustheit und Beruhigung sorgt. Der sich mehr auf die einfachen Dinge konzentriert und so weniger Ballverluste produziert als zuletzt Ring auf dieser Position, dafür vielleicht weniger starke Umschaltsituationen einleitet. Weil er weniger ein gleichberechtiger Partner für den filigranen Christoph Moritz ist, wie es die Korkutsche Idee vom Duo im zentralen Mittelfeld eigentlich vorsieht, sondern sich darauf beschränkt, diesem Rückhalt zu geben.

Und Vucur, das Fehlpassmonster von Würzburg, für Ziegler? Mit ihm hat sich Korkut die Lufthoheit in beiden Strafräumen zurückgeholt. Von den sieben Ecken, die Schiri Daniel Siebert dem FCK zusprach, waren drei endlich mal wieder so richtig gefährlich, weil sie am Kopf von Stipe Vucur landeten. Was wiederum auch an Flankengeber Zoltan Stieber lag. Der Neuzugang tut der Mannschaft fußballerisch enorm gut, allerdings leistet er sich während des Spieles noch zu viele Pausen, die nach hinten länger werden. Mit zunehmender Spielpraxis geht da sicher noch was, vor allem auch, was die Defensivarbeit angeht.

EIN 0:0, DAS NIE WIE EINES AUSSAH

Ein paar richtig gute Düsseldorfer Chancen nach hohen Flankenbällen vermochte allerdings auch Vucur nicht zu verhindern.Überhaupt war es ein 0:0, das eigentlich zu keiner Zeit so aussah, als ob es eines werden könnte. Dazu gab es einfach zu viele Torchancen auf beiden Seiten. Doch keiner traf.

Weder der zurückgekehrte Zweitligatorjäger im Fortuna-Trikot, Rouwen Hennings, noch der Newcomer im Lautern-Dress, Osayamen Osawe. Vor allem mit der Stirn hätten beide zu Matchwinnern werden können. Hennings schon nach einer Viertelstunde, als er in der Schnittstelle zwischen Rechts- und Innenverteidiger frei zum Kopfball kam, und dann noch einmal nach rund 60 Minuten, als es für Axel Bellinghausen einfach zu einfach war, dem Sturmtank den Ball aus dem linken Halbfeld vors Haupt zu zirkeln.

OSAWE: MIT DEM KOPF DARF ER NOCH BESSER WERDEN

Kurz darauf hatte Osawe die vielleicht größte Chance des Spiels, als er nach einer Flanke des diesmal verbesserten Halfar den Ball aus vier Metern nur mit der Stirn drücken musste. Doch da verriet der Engländer, wo er noch Verbesserungspotenzial hat, so beweglich und brachial er sich als Anspielstation auf der gesamten Breite der vorderen Linie ansonsten präsentiert.

Die Beschreibung sämtlicher Torchancen in diesem Kick würde diesen Post schon ins Uferlose füllen. Erwähnt sei daher nur noch die in der dritten Minute, als Naser Aliji aus halblinker Position abzog, Fortuna-Keeper Michael Rensing zur Seite abwehrte und Stieber den Nachschuss vorbeisetzte. Da hätte dem FCK mal die Gnade eines frühen Tores zuteil werden können, das sicher Selbstvertrauen und Souveränität geschaffen hätte.

SCHON KLAR: DIE NACKTEN ZAHLEN DEPRIMIEREN…

So aber bleiben die nackten Zahlen: Der FCK ist auch nach drei Spieltagen in dieser Zweitligasaison noch sieglos, dazu im DFB-Pokal gegen einen Drittligisten rausgeflogen. Am Betzenberg hat er in zwei Heimspielen keinen Treffer erzielt, die abflauende Begeisterung im Anhang ist deutlich zu spüren. Gerade mal 20.000 Zuschauer kamen gegen Düsseldorf, halb so viele wie zur 0:4-Auftaktpleite gegen Hannover. Und das zu einem Flutlichtspiel an einem höchst angenehmen Sommerabend. Das ist die vielleicht alarmierendste Zahl des Tages. Und nicht allein dadurch zu erklären, dass es sich das eine Mal um einen Freitag, das andere Mal um einen Montag handelte.

Dennoch: Nicht nur Tayfun Korkut hat gegen Fortuna „einen Schritt nach vorne“ gesehen. Immerhin mal zu null gespielt, mehr Kopfballqualität nach eigenen Ecken, Halfar verbessert, Moritz mit ein paar brillanten Szenen –  sogar der in den ersten Spielen viel gescholtene Philipp Mwene hat ein Lob verdient. Klar hätte Bellinghausen ein paar Mal weniger zum Flanken kommen dürfen, doch das liegt auch daran, dass Vordermann Stieber für den 22-jährigen in der Defensivarbeit längst die Hilfe ist, die auf der anderen Seite Marcel Gaus für Aliji darstellt.

SONDERLOB FÜR MWENE

Nach vorne gelangen Mwene ein paar ganz gute Szenen, fast hätte er sogar einen Assist zu verzeichnen gehabt, als er nach einem Flankenlauf in der Schlussphase den eingewechselten Jaques Zoua bediente, dieser aber nur die Latte traf.“Er war auch in den ersten Spielen nicht so katastrophal, wie er dargestellt wurde, hat lediglich den ein oder anderen Aussetzer gehabt, aber das ist bei einem so jungen Spieler normal“, stützte auch der Trainer seinen Schützling.

Da es über 90 Minuten torlos blieb, bot das Spiel auch die bislang beste Gelegenheit, sich einmal näher mit der Korkutschen Spielidee vertraut zu machen. Gegentreffer, zumal frühe, führen meist zu schnell vom eigentlich Matchplan weg. Richtig ist sicherlich, dass der neue Coach von seiner Auffassung her seinem Vor-Vorgänger Kosta Runjaic näher steht als seinem unmittelbaren Erblasser Konrad Fünfstück. Auch Korkut will enge Situationen spielerisch lösen, was auch schon mal zu Herzaussetzern auf den Rängen führt, so wie nach einer runden Stunde, als Keeper André Weis, Innenverteidiger Tim Heubach und Aliji sich am und im eigenen Strafraum gegen sie konzertiert anlaufende Düsseldorfer freizupassen versuchten und dabei nicht unbedingt feinmotorisch wirkten.

Allgemein sucht die Mannschaft unter Korkut aus diesen Ballpassagen heraus aber viel früher den Weg in die Tiefe als unter Runjaic. Leider glückten ihr diesmal nicht so viele schnelle, vielversprechende Umschaltmomente wie in den ersten Spielen, was vielleicht auch am Fehlen Rings gelegen haben mag.

ZWEI HAMMERTRANSFERS KURZ VOR TRANSFERSCHLUSS

Auf jeden Fall ist es interessant, weiter zuzuschauen, wie sich das Team weiterentwickelt. Wenn jetzt noch zwei konstante Abwehrspieler eingebaut werden, ist durchaus noch eine gute Saison drin. Nach Rechtsverteidiger Mensur Mujdza hat  Sportdirektor Uwe Stöver einen Tag vor Transferschluss den gesuchten Innenverteidiger präsentiert, und was für einen: den Brasilianer Ewerthon.

Der 27-jährige hat sich 2011 im portugiesischen Braga ins europäische Rampenlicht gespielt, wechselte dann für 5,5 Millionen Euro nach Russland  zu Anzhi Makhachkala und 2015 für 3,75 Millionen zu Sporting Lissabon, wo er aber wegen diverser Verletzungen den Anschluss verlor. Beim FCK soll und will er sich jetzt wieder konsolidieren. Ein Hammertransfer also, verbunden mit einer gewissen Risikobehaftung, doch ohne diese wäre der Transfer für Lautern kaum zu stemmen gewesen.

Am Deadline-Day der Tranfersperiode  hat Stöver dann völlig überraschend nochmal zugeschlagen. Aus Freiburg kommt Sebastian Kerk für ein Jahr auf den Betze, ein variabler Offensivspieler, der trotz seiner erst 22 Jahre bereits auf 59 Einsätze in Erster und Zweiter Liga zurückblickt, für Nürnberg und Freiburg sieben Tore schoss und acht vorbereitete. In der Vorbereitung zu dieser Saison plagten ihn Achillessehnenbeschwerden, diese aber hat er laut „kicker“ überwunden.

LAUTERN IST AUF EINEM GUTEN WEG – SAGT AUCH FUNKEL

Einziger Schönheitsfehler an beiden Transfers: Beide Spieler sind nur geliehen. Mit etwas Glück können sie aber direkt zu enormen Verstärkungen werden – und die Saison kann nach Länderspielpause für den FCK quasi neu starten.

Was Korkut vor allem braucht, ist Zeit. Dafür plädierte auch Gästetrainer Friedhelm Funkel: „Ich weiß, es ist nicht leicht, den Ansprüchen in Kaiserslautern gerecht zu werden, aber ich bin überzeugt, die Verantwortlichen sind auf einem guten Weg.“ Und den Worten eines seiner größten FCK-Helden aus der Generation „Kalli“ hat der Blogwart niemals etwas hinzuzufügen.

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