Gegnerblog: Sandhausen – wo „Kontinuität“ mehr ist als nur ein frommer Wunsch

Von „Kontinuität“, die es in der eigenen Arbeit zu schaffen und zu wahren gibt, reden viele. Richtig gut gepflegt wird sie fraglos bei einem nur 800 Mitglieder starken Verein in einer 15.000-Seelengemeinde im Rhein-Neckar-Kreis. Seit der Saison 2012/2013 spielt der SV Sandhausen in der Zweiten Liga. Den ersten Klassenverbleib verdankten die Kurpfälzer noch dem Lizenzentzug des MSV Duisburg, seither hielten sich mit zwei zwölften und einem dreizehnten Rang recht souverän. Und das, obwohl sie fast immer mit dem niedrigsten Lizenzspieleretat im Wettbewerbsfeld antreten und fast ausschließlich  ablösefreie Spieler aus unteren Klassen verpflichten. Die 500.000 Euro, die aus dem Verkauf von Innenverteidiger Florian Hübner nach Hannover 96 geflossen sein sollen, gelten als die fetteste Transfereinnahme der Vereinsgeschichte.

Verantwortlich für diese Kontinuität zeichnet seit sechs Jahren Otmar Schork, ein ehemaliger Versicherungskaufmann, der erst mit 53 Jahren Sportlicher Leiter eines Profiklubs wurde und mittlerweile einräumt: „Als Schadensregulierer habe ich früher weniger Kompromisse gemacht als heute.“ Bis vor kurzem galten Schork und Trainer Alois Schwartz als fest verwachsenes Duo.

SCHWARTZ GING, KOCAK KAM – EINER DER SELTENEN BRÜCHE BEIM SV

Der ehemalige Coach der Zweiten Mannschaft des FCK, der nach dem Rauswurf von Milan Sasic im Mai 2009 auch mal für vier Spiele die Erste betreute, arbeitete seit der Saison 2013/2014 in Sandhausen. Im Frühjahr hatte Schork den Vertrag mit ihm noch verlängert, im Sommer widerstand Schwartz zunächst erfolgreich diversen Abwerbungsversuchen, unter anderem vom FCK, ehe er dann doch beim 1. FC Nürnberg zusagte – einen Tag vor Beginn der Vorbereitung auf die Spielzeit 2016/2017.

Schork eiste daraufhin mit viel Geschick und dem Vernehmen nach 200.00o Euro Ablöse Kenan Kocak vom Nachbarn SV Waldhof Mannheim los. Der erst 35-jährige Coach war mit den Waldhöfern zuvor nur knapp in den Aufstiegsspielen zur Dritten Liga gescheitert. Ebenfalls als neue Sandhausen-Trainer im Gespräch gewesen sein sollen übrigens auch der Ex-Salzburger Peter Zeidler und ein gewisser Ciriaco Sforza.

NUR EIN PUNKT NACH DREI SPIELEN – DAS SAGT JEDOCH NICHT VIEL

Nach diesem für Sandhausen-Verhältnisse unruhigen Akt, der nicht nur zu einvernehmlichen Reaktionen von Seiten der so genannten „Schwarz-Blauen“ führte, gestaltete sich der Start in die neue Saison bislang nicht sehr berauschend. Der SV hat erst einen Punkt auf dem Konto, also halb so viele wie der FCK. Allerdings: Das 2:2 zum Auftakt gegen Düsseldorf war äußerst unglücklich, kam nur durch ein Eigentor kurz vor Schluss zustande. Unterlaufen war es dem – natürlich – ablösefreien Neuzugang Daniel Gordon aus Karlsruhe, den viele auch gern in Kaiserslautern gesehen hätten.

Die jüngste Heimspielniederlage brachte dem SV immerhin der Topfavorit der Liga bei. Doch auch bei seinem 2:1-Auswärtssieg brauchte der VfB Stuttgart einiges Glück, unter anderem köpfte der besagte Gordon gegen die gegnerische Torlatte. Kocak überraschte in diesem Spiel mit einer 4-3-3-Formation, die freilich nicht über 90 Minuten so offensiv ausgelegt wurde, wie sie sich auf dem Papier liest. Gemeinhin wird dem neuen Coach dennoch mehr Mut zur Offensive nachgesagt, als sie Vorgänger Schwartz zu eigen war.

KOCAK: FLEXIBEL MIT SYSTEMEN UND PERSONAL – VIELE EX-LAUTERER

Auffällig ist auch , dass Kocak sehr flexibel mit Spielsystemen operiert und, um diese optimal umzusetzen, auch die Startelf immer mal überraschend auf ein, zwei Positionen ändert. Das bekam unter anderem auch schon Markus Karl zu spürten, der – man ahnt’s schon – ablösefreie Neuzugang aus Kaiserslautern.

Überhaupt verfügt Sandhausen über ein stattliches Aufgebot an Ex-FCK’lern in seinen Reihen – was auch, aber nicht nur ein Relikt aus der Ära Alois Schwartz ist. Marco Knaller, Andrew Wooten, Steven Zellner, Julian Derstroff, Denis Linsmayer und Richard Sukuta-Pasu trugen neben Karl alle schon mal das Lautern-Trikot, mit Kristjan Glibo trainiert ein weiterer Ex-Spieler  die U23 Sandhausens.

Vor allem Linsmayer, der 2013 keine Möglichkeit mehr sah, auf dem Betzenberg weiterzukommen, hat sich in Sandhausen prächtig entwickelt, zählt mittlerweile zu den stärksten defensiven Mittelfeldspielern der Liga. Vergangene Saison trat er aus dieser Position zudem fünf Mal als Torschütze und drei Mal als Vorlagengeber in Erscheinung. Als Linksfuß verfügt er zudem über eine zusätzliche Spezifikation, die auf dem Transfermarkt auch öfter mal besonders nachgefragt wird.

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