Analyseblog: 0:2 in Sandhausen – statt Wende gab’s nur Déjà-vu’s

„Wir haben die Schnauze voll…“ Kein sehr origineller Fangesang, erst recht nicht in Kaiserslautern, dazu ist er in diesem Jahrtausend schon zu oft angestimmt worden. Nach dem vierten Spieltag einer Saison allerdings noch nicht. Nun aber war es soweit: Nach dem 0:2 in Sandhausen intonierten die mitgereisten Anhänger den wohl ungeliebtesten Evergreen im Kanon der Stadionlieder. Verdenken kann man es ihnen nicht. Auch wenn die Binsenweisheit, dass Draufhauen in dieser Situation am allerwenigsten bringt, sicher ebenfalls ihre Berechtigung hat.

Eigentlich sollte das Gastspiel in Sandhausen nach dem mauen Saisonstart die Wende bringen. So hatte Trainer Tayfun Korkut es zumindest angekündigt. Statt frischer Inspiration erlebten Mannschaft und Anhang nach nur sechs Minuten jedoch ein Déjà-Vu, und es sollte nicht das einzige bleiben. Der Gegner hat es einfach zu leicht, von der rechten Seite aufs lange Eck zu flanken, und in der Schnittstelle zwischen rechtem Verteidiger und rechtem Innenverteidiger kommt ein anderer ungehindert mit dem Kopf an den Ball… Das gab’s schon öfter zu sehen in dieser Saison.

0:1 NACH SECHS MINUTEN: SCHLECHTER LÄSST SICH NICHT BEGINNEN

Diesmal war’s der SVS-Rechtsverteidiger Philipp Klingmann, der in die Rolle des Flankengebers schlüpfte, Stefan Kulovits durfte sich am langen Eck in die Höhe schaffen, ohne dass Philipp Mwene ihn entscheidend störte, worauf er das Leder mit dem Haupt in die Mitte dirigierte, wo FCK-Innenverteidiger Tim Heubach die schlechtesten Chancen hatte, den nur anderthalb Meter von der Torlinie postierten SVS-Stürmer Lucas Höler am Erfolg zu hindern.

Früher Rückstand gegen einen Gastgeber, dessen anerkannt liebstes Pläsier es ist, hinten massiert zu stehen und auf lange Anspiele nach vorn zu lauern… Schlechter lässt sich es wirklich nicht beginnen. Zumal sich das eben geschilderte Muster noch einige Male wiederholen sollte.

GELBE KARTEN SAMMELN, ALS WÄREN ES ARBEITSNACHWEISE

Wie es weiterging? „Der FCK nahm den Kampf an“ – wäre jetzt eine schöne Floskel, trifft allerdings nur insofern zu, als dass die Lauterer nach etwa 20 Minuten anfingen, Gelbe Karten zu sammeln. Marlon Frey, Mwene, Zoltan Stieber und Marcel Gaus holten sich die Kartons ab, als benötigten sie diese als Arbeitsnachweise. Nochmal 20 Minuten später gab’s dann mal für eine kurze Phase ordentlichen Fußball von Lautern zu sehen.

Daniel Halfar präsentierte seine Rolle als Zehner endlich so, wie Korkut sie im ins Drehbuch geschrieben hat. Nicht nur bei gegnerischem Ballbesitz als zweite Spitze den Pressing-Stier geben, sondern bei eigenem Ballbesitz auch aus der Spitze  zurückfallen  und die Mitspieler in Szene setzen – so hat sich Lars Stindl unter Korkuts Regie in Hannover ins Rampenlicht gespielt. In Sandhausen hätte es für die Lauterer erst einmal eine schöne Torvorlage getan. Die spielte Halfar kurz vor Pause tatsächlich auf Zoltan Stieber, doch der Ungar vertändelte.

Wie es überhaupt Bände sprach: Der Neuzugang aus Hamburg war Lauterns torgefährlichster Spieler, obwohl er am wenigsten von allen engagiert wirkte. Vor dieser Chance hatte er sich schon zwei Mal mit Distanzschüssen dem gegnerischen Gehäuse angenähert, in Hälfte zwei nahm er nochmal recht vielversprechend Maß, nachdem erneut Halfar ihn freigespielt hatte, da aber wurde er abgeblockt.

UND TÄGLICH GRÜSST DAS MURMELTIER…

Und Sandhausen? In Minute 54 setzte sich Thomas Pledl – wo wohl? Richtig: – auf der rechten Seite durch, flankte in die Mitte, wo Andrew Wooten – Achtung, Überraschung – mal am kurzen Pfosten zum Kopfball kam, der aber übers Tor ging.

Bei Lautern grüßte derweil das Murmeltier. Stimmt schon, die Mannschaft müht sich redlich, die Vorgaben des Trainers umzusetzen, löst einzelne Situationen auch immer mal recht ansehnlich, nur: Wann kommt der Ball eigentlich mal in den gegnerischen Strafraum? Osayamen Osawe beackert mit viel Engagement die gesamte Breite des Spielfelds, doch wer soll eigentlich in der Mitte stehen, wenn er sich außen mal durchsetzt?

Nach 60 Minuten brachte Korkut mit Sebastian Jacob einen zweiten Stürmer, doch wie schon häufiger in der Saison wirkte sich diese Umstellung nur auf dem Papier aus – auf dem Spielfeld war davon nicht wirklich was zu sehen. Lukas Görtler blieb als weiterer Offensivspieler weithend unsichtbar, und Marcel Gaus klebte auf der linken Seite, als wollte er auf den Schatten, den die Tribüne spendet, nicht verzichten.

WEIS SIEHT ROT – UND AUSGERECHNET VUCUR GEHT RAUS

Und Sandhausen? Ach ja, richtig: In Minute 68 kam wieder mal Klingmann über die Seite gewuselt – ja, doch, es war wieder die rechte. Wieder flankte er auf Wooten. Doch FCK-Keeper André Weis reagierte glänzend.

Fünf Minuten später aber war der Held auch schon wieder der Depp. Einen Schuss vom durchgebrochenen Höler wehrte er mit der Hand ab, stand dabei allerdings einen Meter vorm Sechzehner. Die einzige logische Konsequenz: Rot.

Jetzt kam Julian Pollersbeck zu seinem Zweitligadebüt. Und Korkut traf die am schwersten verständliche Entscheidung des Tages. Er nahm Stipe Vucur raus. Seinen besten Kopfballspieler, vorne wie hinten, also den, der im Zweifelsfall noch einen Flugball in den gegnerischen Strafraum über die Linie gerammt hätte… Mal sehen, ob dieser Schritt im nachhinein noch mit einer Verletzung erklärt wird.

Zudem stellte Korkut seine Hintermannschaft auf eine Dreierkette um. Eigentlich eine nachvollziehbare Entscheidung angesichts eines Rückstands in Unterzahl, allerdings: Lauterns Außenverteidiger Mwene und Naser Aliji sind absolut keine Spieler für eine Dreierkette.

DIE RECHTE SEITE BLEIBT DIE ACHILLESFERSE – BIS ZUM BITTEREN ENDE

Es kam, wie es kommen musste: Pledl ging über die – welche war das nochmal? Ach so, ja: – rechte Seite auf und davon, visierte diesmal wieder die weiter gelegene Strafraumhälfte an, wo sich der eingewechselte Korbinian Vollmann aufhielt. Der nutzte seinen ausladenden Bewegungsspielraum – so mancher Rebell ist im Kampf um weniger Freiheit schon gestorben – und machte das 2:0.

Lautern ist jetzt Achtzehnter. Jetzt steht eine Englische Woche an. Gegen Top-Favorit Stuttgart, gegen den seit 21 Pflichtspielen ungeschlagenen Aufsteiger Dresden, der gerade den anderen Aufstiegsfavoriten Hannover geschlagen hat, und gegen Heidenheim, das an diesem Wochenende Stuttgart besiegt hat. Wie sagten Tayfun Korkut und Sportdirektor Uwe Stöver in den vergangenen Tagen immer wieder? „Erst nach zehn Spieltagen werden wir wissen, wohin die Reise diese Saison geht.“ Kann sein, dass sie es schon nach sieben wissen.

Was Hoffnung macht? Klar: Dass die Neuverpflichtungen Ewerton, Sebastian Kerk und Mensur Mujdza bald ins Geschehen eingreifen. Ansonsten bleibt nur Fatalismus à la Daniel Halfar: „Wir brauchen Zeit, aber wir haben keine.“



 

 

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