Kohlis Arschkarte: Rolex-Kalles Geldauskotzphantasie und Tayfun K.’s Kontrollphilosophie – für beide gilt „Anpassen“

Der Große frisst die Kleinen, der Starke den Schwachen. Das ist angeblich Naturgesetz, demzufolge darf sich daran auch nichts ändern, allenfalls so nach und nach, und das nennt man dann Evolution. Die Frage ist nur, warum das Gift eines einzigen Kugelfischs dann 30 fette Sumoringer killen kann und die Saurier ausgestorben sind, während allerlei Krabbel- und Mückenvieh noch genau so auf der Erde herumwuselt, wie es vor Abermillionen von Jahren aus der Ursuppe gekrochen ist. Doch was kümmert das einen wie Rolex-Kalle? Die UEFA nennt es doch glatt „Evolution“, was er und sein Paten-Stammtisch, der sich „European Club Assocation“ (ECA) nennt, ihr da als Champions League-Reform unterbreitet haben – als Angebot, das sie nicht ablehnen kann, wie der Cineast  nun mal unweigerlich formulieren muss.

Der neu ausgetüftelte Geldauskotzmodus, von einfachen Gemütern „Verteilungsschlüssel“ genannt, sieht nichts anderes vor, als dass die Phantastilliarden, die der gemeinsam geschaffene Fußballmoloch Jahr für Jahr ausscheidet, künftig noch reißender von unten nach oben fließen. Im Klartext: Nicht nur der sahnt ab, wer sich in den vergangenen Jahren regelmäßig für die Champions League qualifiziert hat, sondern der ganz besonders, der dabei auch noch regelmäßig weit gekommen ist. Also in erster Linie solche Vereine wie der von Rolex-Kalle, aber wo denkt Kohli da schon wieder hin, will er denn morgen neben einem Pferdekopf aufwachen: Dem Rolex-Kalle geht es doch nur um die „europäische Fußballgemeinschaft“… Dass er das tatsächlich sagen kann, ohne lachen zu müssen, ist das einzig Bewundernswerte an dem vorbestraften Uhrenschmuggler.

VON WEGEN NATURGESETZ

Noch pikanter ist der Umstand, dass das Gros der 214 Vereine, die der ECA angehören, sich mit dieser Reform selbst das Rektum malträtiert. Die Großen und Starken leben eben weniger von ihrer eigenen Klugheit, sondern von der Masse der tumben Toren, die sie stützen, aber nicht mal das hat der Fußball vom Dritten Reich gelernt, und das, obwohl er doch so gerne als Spiegelbild der Gesellschaft bezeichnet wird. Von der Kluft, die in den nationalen Ligen zwischen den Großkotzvereinen und den innerhalb der Landesgrenzen kickenden Fußballbetrieben wächst und wächst, ganz zu schweigen.

Die Reichen sollen künftig also noch schneller noch reicher werden. Und die Schar der beobachtenden Kommentatoren, selbst denen des bräsigen „kicker“, findet das zwar auch alles nicht ganz so gut, aber was will man machen? Ist halt so. Groß frisst klein, stark fickt schwach. Naturgesetz. Aufgestellt von diesem… Nein, nicht Draxler, auch nicht Dassler, sondern, na klar, Darwin.

Genau das ist der Punkt. Das hat er eben nicht. Vielmehr handelt es sich hier um das wohl am meisten fehlinterpetierte, vielleicht auch falsch übersetzte Element der Darwinschen Lehren.

Mit dem „Survival of the fittest“ meinte Darwin nicht, dass am Ende stets der Stärkste gewinnt – siehe oben: Saurier, Sumoringer –, sondern der, der sich am besten an sich ändernde Lebensbedingungen anpassen kann – siehe oben: Krabbel- und anderes Nervgetier, das weder groß noch stark ist.

EUROPÄISCHE SUPERLIGA? WARUM NICHT?

Nichts anderes ist der UEFA zu empfehlen: Statt sich den neuesten Scheiß von Rolex-Kalle und seiner Zuhälter-Gewerkschaft als unabdingbare „Evolution“ schönzureden, sollte sie gleich einen neuen Wettbewerb kreieren, der sich der Realität anpasst. Doch lieber malt sie sich die „europäische Super-Liga“ als Schreckgespenst  aus, das die nationalen Ligen vollends kaputtmachte, so sie denn käme.

Dabei: Was wäre so schlimm daran, wenn in den Ländern wieder drei, vier oder mehr Teams um die Meisterschaft und den Aufstieg in einen neuen europäischen Olymp kicken könnten, in dem München, Madrid, Barcelona, Mailand und Paris sich Wochenende für Wochenende messen und sich mit vergleichbar zahlungskräftiger Konkurrenz aus England und Russland im Werben um die Luxusmeniskusse dieser Welt so lange überbieten, bis die wertvollste Marke der Welt 46 Jahre alt ist und Zlatan Ibrahimovic heißt? Ohne die immer lästiger und langweiliger werdenden Kicks im eigenen Land würde sich auch die Belastung der Topspieler reduzieren, und es könnte am Ende einer Saison wieder EM- und WM-Turniere geben, die das Hinschauen lohnen. Abgesehen davon, ließe sich das auch politisch wunderbar promoten, von wegen Europa-Gedanke und so.

ENDLICH WIEDER SPANNENDE MEISTERSCHAFTEN

Dass die Bundesliga dadurch an Attraktivität verlöre, Zuschauereinbußen und weniger TV-Einnahmen zu befürchten hätte, müsste erst einmal bewiesen werden. Zwar würden Bayern, Dortmund und Schalke bei ihren internationalen Superleague-Auftritten die Aufmerksamkeit des deutschen Fußballbetrachters vehement auf sich ziehen, doch ob St. Petersburg gegen Salzburg hierzulande mehr Interesse beim Pay TV-Konsumenten weckte als Augsburg gegen Köln? Und, wie schon gesagt: Die Meisterschaften wären endlich wieder spannend…

Warum also warten, bis die Paten der ECA diese Super-Liga von sich aus durchprügeln, als nächstes Angebot an die UEFA, das diese nicht ablehnen kann? Anpassen, bevor der Stärkere auf sein vermeintliches Recht pocht, das wär doch mal was.

UND LAUTERN? DA WAR DOCH MAL WAS…

Anpassen – das ist auch ein gutes Stichwort für einen einstmals großen Fußballklub, der irgendwo hinter den sieben Bergen zuhause ist und nun zu den Zwergen zählt, die längst mehr als sieben sind. Achtzehnter in Liga zwei ist er jetzt, und auch wenn erst vier Partien gespielt sind, der Umbruch zu Saisonbeginn gewaltig war, die Bäume nunmal nicht in den Himmel wachsen, Draufhauen eh nichts bringt, gut Ding halt Weile haben will, bestimmt nicht alles schlecht ist und Trainerdiskussionen zu diesem Zeitpunkt was für Idioten sind – Sorgen wird man sich als Fan ja wohl noch machen dürfen. Und auf ein paar Parallelen aufmerksam, die nun einmal auffallen.

Es gab am Betzenberg schon einmal einen Trainer, der das „Hoch stehen“ predigte und dem Gegner das eigene Spiel aufdrücken wollte, damit dieser seines nicht spielt, und auch er war ein Typ mit einer sympathisch positiven Ausstrahlung, so dass man lange glaubte, es könne doch noch alles gut werden mit ihm. Kjetil Rekdal hieß er, und gar nichts wurde gut mit ihm, und für den Verein wäre um ein Haar sogar alles noch schlimmer gekommen,  wenn am 18. Mai 2008 nicht Josh Simpson, Marcel Ziemer und der Geist Fritz Walters gewesen wären.

ANPASSEN, BITTE

Redkal mochte von seiner hochstehenden Spielkontrollphilosophie auch nicht abrücken, als er mit seiner Mannschaft längst hinten reingerutscht war. In dieser Beziehung hat Tayfun Korkut es nun besser. Tiefer hinten reinrutschen kann der FCK bereits jetzt nicht mehr. So dass noch genug Zeit bleibt, die Strategie der Realität anzupassen.

Tabellenletzte müssen kein Spiel dominieren. Fakt ist, dass die Gegner in den ersten fünf Pflichtspelen viel zu viele hochkarätige Torchancen über die Flanken vorbereiten konnten, und wenn das nicht an der individuellen Qualität der Außenverteidiger liegt, wie nicht zuletzt der Trainer selbst betont, dann muss es an Ordnung und Staffelung seiner Mannschaft im Spiel gegen den Ball liegen – und die sind Sache des Trainers. Mit „hoch stehen“ geht da nichts mehr, dafür mit gesundem Pragmatismus, der nicht anspruchsvoll ist und schön schon gar nicht, aber mit dem sich punkten lässt.

Anpassen, bitte.

 

2 Gedanken zu “Kohlis Arschkarte: Rolex-Kalles Geldauskotzphantasie und Tayfun K.’s Kontrollphilosophie – für beide gilt „Anpassen“

  1. Starker Kommentar zur Lage! Hat mich bezüglich der Europa-Liga zum Umdenken gebracht und spiegelt genau meine Gefühlslage zu unserem FCK wieder.

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  2. Schöne Kolumne. Der Europa-Gedanke in Verbindung mit einem Konstrukt, das wieder mehr Gleichheit und Brüderlichkeit in den Liga-Alltag bringt. Das wär doch was.

    Bezüglich Korkut schwebt bei mir immer noch ein dickes Fragezeichen über dem Kopf. Es gibt negative und positive Paralellen zu vergangenen Zeiten.

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