Gegnerblog: Das Kellerduell – mit dem Mann, der nicht nach Lautern wollte

Ist schon eigenartig, von wem die Lauterer auf Rang 17  in der Tabelle gegenwärtig eingerahmt werden – und wer diese Teams trainiert. Der 1.FC Nürnberg wird von Alois Schwartz gecoacht, Armina Bielefeld von Rüdiger Rehm. Beide standen im Sommer auch beim FCK als Trainerkandidaten im Fokus, beide sagten dem Vernehmen nach von sich aus ab. Glücklich geworden ist mit seiner Entscheidung bislang noch keiner, auch Lautern nicht mit Tayfun Korkut. Rehm kommt nun sogar als noch siegloser Tabellenletzter auf den Betzenberg.

Weshalb Schwartz für Sportdirektor Uwe Stöver eine interessante Möglichkeit darstellte, ist leicht nachzuvollziehen. Als ehemaliger von Lauterns Zweiter Mannschaft verfügte er über den allseits beliebten Stallgeruch, daher kennen sich Stöver und Schwartz auch, und in den Jahren zuvor hatte Schwartz in Sandhausen einen potenziellen Abstiegskandidaten mit kleinem Budget souverän in der Liga gehalten.

JUNG, DYNAMISCH, BEHARRLICH, SUCHT… EIN PLÄTZCHEN ZUM RUHIGEN ARBEITEN

Rehm dagegen schien die spannendere, aber auch riskantere, weil unerfahrenere Lösung zu sein: Erst 37 Jahre alt und als Spieler und Co-Trainer unter anderem von Alexander Zorniger, Uwe Rapolder und Wolfgang Frank geprägt, hatte er sich als vielversprechendes Trainertalent profiliert, indem er den Dorfverein SG Sonnenhof Großaspach in die Dritte Liga geführt, im ersten Jahr den Klassenverbleib gesichert im zweiten Jahr auf einen respekablen siebten Rang geklettert war.

Einer von den „jungen Dynamischen“ also,  aber auch einer, der mit Beharrlichkeit, Kontinuität und bescheidenen Mitteln etwas entwickeln konnte… Da gegenwärtig viele Vereine auf ein solches Profil setzen wollen, hatte Rehm entsprechend viele Angebote. Auch von Lautern, wo er dem Vernehmen nach absagte, weil er sich ein ruhigeres Umfeld wünschte, um mit Bedacht etwas aufbauen zu können. Dieses glaubte er in Bielefeld gefunden zu haben.

KEINE RUHE IN WESTFALEN – FAST SO WIE IN DER PFALZ

Ruhig sind die Zeiten in Ostwestfalen nun allerdings nicht mehr. Nach der 1:3-Heimniederlage gegen Nürnberg am vergangenen Sonntag hat nicht nur das „Westfalen-Blatt“ die Trainerdiskussion jetzt für „voll entbrannt“ erklärt. Sportredakteur Dirk Schuster – der Blogwart vermutet: mit dem gleichnamigen Augsburg-Coach weder verwandt noch verschwägert – kommentiert:

„Der im Sommer verpflichtete Coach hat sich bislang vergeblich bemüht, seiner Mannschaft eine Struktur zu geben. Von Stabilität ganz zu schweigen. Mal ein paar nette Ansätze hier, dann eine gute Halbzeit dort – das war’s dann aber schon. So wird das nichts, so steigt man ab.“

Klingt für Lautern-Fans ziemlich bekannt, nicht? Die Kritik an Tayfun Korkut, die immer lauter wird, ist nahezu wortgleich. Allerdings ergänzt Kollege Schuster sogleich: Die Verantwortung ausschließlich dem Trainer zuzuschieben, „wäre viel zu einfach“.

PROBLEM HIER WIE DA: DIE NEUZUGÄNGE ZÜNDEN NICHT

Als Hauptproblem gilt auch in Bielefeld, dass die Neuzugänge bislang hinter den Erwartungen zurückblieben. Während man in Lautern immer noch hofft, dass Spieler wie Ewerton und Sebastian Kerk noch Trainingsrückstände aufholen müssen, ehe sie zu Leistungsträgern werden können, scheinen in Bielefeld einige Spieler, die aus benachbarten europäischen Ligen geholt wurden, Anpassungsprobleme zu haben. Manuel Prietl und Tomasz Holota, aus Mattersburg und Breslau geholt, bilden bislang jedenfalls noch nicht ansatzweise die erhoffte neue Kreativzentrale.

Florian Hartherz, der Linksverteidiger mit Erstligaerfahrung, den nach Paderborns Abstieg viele gerne auch in Kaiserslautern gesehen hätten – in Bielefeld drückt er nun die Bank.  Leandro Putaro und Michal Mak, als vielversprechende Talente aus Wolfsburg und Danzig geholt, konnten sich bislang ebenfalls noch nicht durchsetzen. Bei Malcolm Cacutalua aus Bochum wechseln Licht und Schatten.

Verantwortlich für die Personalpolitik ist Sportchef Samir Arabi, dem noch vor zwei Jahren, als er die Arminia von der Dritten in die Zweite Liga führte, exzellente Transferentscheidungen attestiert worden waren. Mittlerweile steht auch er in die Kritik. Allerdings sitzt er an einem längeren Hebel als der Trainer.

INTERESSANT: REHM REDET FAST WIE KORKUT

Der übrigens beschreibt seine Spielidee so:

„Wenn wir den Ball nicht haben, versuchen wir ihn so schnell wie möglich zu gewinnen. Heißt: Wir wollen die Pressingsituationen so herstellen, dass wir den Gegner in eine Falle locken. Wir versuchen aber auch, schnell Fußball zu spielen, schnell umzuschalten, wenn wir den Ball erobert oder verloren haben. Das sind alles Faktoren, die wir trainieren. Im Laufe der Saison schauen wir dann, was besser und was schlechter funktioniert. Ich habe vor allem immer eine Idee fürs nächste Spiel und bereite die Mannschaft weniger nach meiner Grundphilosophie vor. Die Basis ist ein 4-4-2, aber auch dieses System ändert sich sehr schnell, manchmal innerhalb von zwei, drei Sekunden. Wir werden alle Bausteine, die es im Fußball gibt, einstudieren, um den optimalen für unser jeweiliges Spiel wählen zu können.“

Wie? Auch das kommt Lautern-Fans bekannt vor? In der Tat: Vom Bekenntnis zum 4-4-2 mal abgesehen, könnte Tayfun Korkut dies fast genauso gesagt haben. Was einmal mehr zeigt: Geredet wird von nahezu allen Trainern dieser Generation ungefähr das gleiche – die Frage ist, wie sie ihre Ideen auf dem Rasen verwirklicht bekommen. Dazu wiederum ist entscheidend, was genau sie sich im Training einfallen lassen, und wie sie ihre Vorstellungen einer Gruppe von über 20 Männern, die unterschiedliche Sprachen sprechen, von unterschiedlicher Mentalität und Kultur geprägt und auch mit unterschiedlichem Intellekt ausgestattet sind, vermitteln.

WER VERLIERT, FÜR DEN WIRD DIE LUFT NOCH DÜNNER

Ob Rüdiger Rehm dies eher gelingt als Tayfun Korkut, ist gegenwärtig noch nicht abzusehen. Fakt ist, dass für beide die Luft bereits dünner geworden und Bielefeld keinesfalls das ruhigere Umfeld ist.

Von einem „Ultimatum“ für Rehm ist bislang zwar nichts bekannt, Kollege Schuster vom Westfalen-Blatt hat aber schon einmal eines angeregt: „Sonntag gastiert Arminia beim Vorletzten Kaiserslautern, danach ist Länderspielpause. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Profiklub diesen Zeitpunkt nutzt, um etwas Neues auszuprobieren.“ Diesen Satz würden auch im Lauterer Anhang mittlerweile viele unterschreiben, wenn es um Verbleib von Tayfun Korkut im Falle eines Misserfolgs gegen Bielefeld geht.

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