Analyseblog: Debütantenball mit Grapscheinlagen – aber ohne Tore

Schon klar: Nach dieser erneuten Nullnummer und gerade mal sechs Punkten aus nunmehr acht Spielen ist der Mainstream des Lauterer Anhangs vollends gegen Trainer  Tayfun Korkut eingestellt. Eines kann man ihm allerdings nicht vorwerfen: Dass er sich nichts einfallen lässt, und dass er nicht bereit ist, Risiken einzugehen.

Diesmal strich der Coach kurzerhand Stipe Vucur aus dem Kader und nominierte für ihn Robin Koch als Innenverteidiger. Was bedeutete: Debüt in der Zweiten Liga für den 20-jährigen, und das in diesem Nerven strapazierenden Kellerkampf Lautern gegen Bielefeld vor 21.645 Zuschauern am Betzenberg.

NEIN, SIE HABEN WIRKLICH KEIN GLÜCK

Und man kann so viel kritisch analysieren, wie man will: Glück hat der FCK in dieser Saison wahrhaftig nicht. Tayfun Korkut betont immer wieder, wie wichtig es für die Mannschaft wäre, sich einmal durch ein frühes Tor Sicherheit zu holen. Sie ist auch oft genug nah dran, doch so nah wie in der 11. Minute dieses Spiels war sie es nie: Nach einem starken Lupfer von Alexander Ring in den Bielefelder Strafraum behauptet Christoph Moritz den Ball, Zoltan Stieber zieht mit links ab, der Ball prallt gegen den linken Innenpfosten – und verhielte sich das Leder ballistisch korrekt, müsste es nun eigentlich über die Torlinie springen. Tut es aber nicht, sondern prallt genau den gleichen Weg zurück, aus dem es gekommen ist. Was haben die eigentlich für Torpfosten auf dem Betzenberg?

Und auch wenn es angesichts der allgemeinen Negativstimmung niemand hören will: Das Spiel, das sich danach entwickelt, sieht technisch und taktisch nicht aus wie ein zweitklassiger Kick 17ter gegen 18ter, in dem Hektik, Kampf und Krampf zu erwarten sind. Beide Mannschaft mühen sich, Nerven, Ball und Gegner zu kontrollieren, sind im Spiel gegen den Ball auch konzentriert, allerdings hakt es in den Offensivaktionen.

OSAWE HÄTTE SCHON VOR PAUSE ALLES KLAR MACHEN KÖNNEN

Dennoch: Lautern hat zwei Großchancen durch Osayamen Osawe, der allein vorm Tor an Bielefelds Keeper Wolfgang Hesl scheitert. Die Arminen sind immer dann gefährlich, wenn sie hohe Bälle in den gegnerischen Strafraum servieren. Die größte Chance hat Thomas Klos nach einem Eckball, auch in anderen Situationen nach ruhenden Bällen wirkt die Hintermannschaft nicht sattelfest, vor allem Tim Heubach betätigt sich öfter mal als Querschläger.

Debütant Koch dagegen steht gut, zeigt sich auch einigermaßen passsicher, was bislang bekanntlich ebenfalls ein Manko der Lauterer Innenverteidigung darstellte. Neben Keeper Julian Pollersbeck, der sich in der zweiten Hälfte bei einem – na, was wohl? – Kopfball auszeichnen darf, hat nun also bereits der zweite Nachwuchsmann in dieser Saison den Sprung in die Erste Mannschaft geschafft – es gibt also doch noch gute Nachrichten vom Betzenberg.

ZWEI WECHSEL IN DER PAUSE SORGEN FÜR DRUCK – BIS ZUR 70. MINUTE

In der Pause riskiert Korkut gleich zwei Wechsel. Er bringt Naser Aliji für den arg fehlpassbehafteten Ring und Sebastian Kerk für den weitgehend unsichtbaren Görtler, wechselt von der Mittelfeldraute zum flachen 4-4-2. Lautern schiebt sich noch weiter nach vorne, das Spiel verlagert sich nun weitgehend in Bielefelder Hälfte, die Torchancenproduktion allerdings läuft weiterhin auf Sparflamme: Osawe hat noch einmal eine Gelegenheit, scheitert aber wieder an Hesl, und – tatsächlich – Koch bekommt nach einer abgefälschten Flanke noch reflexartig die Hacke an den Ball, jagt ihn aber übers Tor – wär das ein Debüt gewesen.

Dann aber kommt die verhängnisvolle 70. Minute. Zoltan Stieber dringt von halbrechts in Bielefelds Strafraum ein, schiebt sich vor Julian Börner, der ihn mindestens zwei Mal deutlich angrapscht , als der Ungar sich in Schießposition bringt, und schließlich verunglückt abschließt. Doch der Pfiff von Schiedsrichter Frank Willenborg bleibt aus.

DER AUFREGER DES SPIELS: KEIN ELFER – UND DANN GELB-ROT FÜR GAUS

Marcel Gaus echauffiert sich daraufhin so sehr, dass er diesen bei seiner Verbalattacke auf den Pfeifenmann schubst. Der zieht daraufhin die Gelbe-Rote Karte. Der Aufreger des Spiels, zu dem der Blogwart bewusst keinen Screenshot abbildet, da ihn ohnehin jeder FCK-Fan im Bewegtbild verfolgt hat.

„Natürlich muss ein so erfahrener Spieler wissen, dass er den Schiedsrichter niemals anfassen darf“, schimpft auch Sportdirektor Uwe Stöver hinterher. „Aber es war auch ein klarer Elfmeter. Wenn so etwas nicht gepfiffen wird, müssen wir die Spieler künftig anweisen,  dass sie sich bei einem solchen Körperkontakt fallen lassen.“

UND WO BLEIBT DAS FINGERSPITZENGEFÜHL?

So sieht es auch Korkut in der Pressekonferenz, gleichzeitig hätte er sich vom Unparteiischen auch mehr Fingerspitzengefühl gewünscht. In der Tat: Dass beide Seiten in diesem Spiel unter besonderem Druck standen, hätte sich eigentlich auch bis ins Schiedsrichtergespann herumsprechen müssen. Auch wenn der Platzverweis nach den papiernen Regeln vertretbar war.

Im Spiel zehn gegen elf ist dem FCK kein Druckaufbau mehr möglich. Die Mannschaft agiert fortan im 4-4-1, Korkut bringt mit Robert Glatzel für Osawe einen weiteren Debütanten. Der behauptet den Ball ein paar Mal ordentlich, ist aber nicht der Typ Konterspieler, den es bräuchte, um in Unterzahl noch ein Coup zu landen. Statt dessen bringt die Mannschaft das 0:0 nach Hause, ohne dass Bielefeld sich noch einmal entscheidend in Szene setzen kann. Wer mag, kann auch darin etwas Positives sehen.

Allerdings wird dies im Umfeld derzeit kaum einer mögen. Dass der FCK nach St. Paulus jetzt immerhin auf Relegationsrang 16 vorgerückt ist, wird kaum jemanden trösten. Forderungen nach einem Trainerrauswurf dürften an Uwe Stöver allerdings abprallen. „Wir müssen die Länderspielpause jetzt nutzen, um unsere Verletzten weiter in Form zu bringen.“ Ungünstig halt: Ihr nächstes Spiel am Montag, 17. Oktober, bestreiten die Lauterer ausgerechnet beim bislang souveränen Tabellenführer Eintracht Braunschweig.

 

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