Die Analyse: Die To-Do-Liste für die Länderspielpause

Okay, die Überschrift haut nicht so ganz hin. Eigentlich sollte sie heißen: „Warum es auch nach der Länderspielpause nur sehr allmählich besser werden kann“. Peppt aber nicht. Allerdings spricht auch nichts dagegen, die Zeit bis zum nächsten Pflichtspiel am Montag, 17. Oktober gegen Tabellenführer Eintracht Braunschweig zu nutzen, um weiter an den Schwachstellen zu arbeiten, die sich in den ersten acht Saisonspielen aufgetan haben. Davon gibt es einige, und einige werden sich auch ohne personelle Nachbesserungen nicht beheben lassen. Der Blogwart fasst noch einmal zusammen.

  • Die Kopfballschwäche. Fünf der elf Gegentreffer, die der FCK bislang kassierte, erzielten die Gegner mit dem Kopf – von den mageren vier Treffern, die das Team selbst erzielte, wurde immerhin die Hälfte mit der Stirn erzielt, das aber sollte angesichts des erbärmlichen Gesamtergebnisses nicht darüber hinwegtäuschen: Im Luftraum ist das Team gegenüber der Vorsaison deutlich schwächer geworden. Für Karl kam kein vergleichbar starker Kopfballabräumer, zudem fehlen hochgewachsene Offensivkräfte wie Colak, Bödvarsson oder Przybylko, die bei ruhenden Bällen auch Aufgaben im eigenen Strafraum übernahmen. Der beste Kopfballspieler, Stipe Vucur, ist aufgrund seiner Schwächen am Boden ein Wackelkandidat. Wenn sich Ewerton, der in der Länderspielpause weiter integriert werden soll, nicht gerade als Kopfballmonster entpuppt, wird sich daran bis zur nächsten Transferperiode nichts ändern. Die vielen Kopfballchancen des Gegners kommen allerdings auch dadurch zustande, weil die Gegner viel zu oft zu frei zum Flanken kommen, was nahtlos zum nächsten Schwachpunkt führt:
  • Die Außenbahnen. Da wird generell zu schnell auf den Verteidigern Philipp Mwene und Naser Aliji rumgehackt. Sie haben durchaus Talent, werden sich mit zunehmender Spielpraxis und bei intensiver Schulung des Defensivverhaltens noch verbessern. Sie brauchen allerdings auch Unterstützung durch ihre Vorderleute, doch da hapert’s gewaltig. Robert Pich, dieses Urteil darf wohl mittlerweile gefällt werden, kommt mit Tempo und Zweikampfhärte der Liga nicht klar, Marcel Gaus braucht Platz vor sich, um sich links in Szene zu setzen, auch Görtlers Mittel sind beschränkt, Talent Max Dittgen braucht anscheinend noch Zeit. Hier kann was besser werden, wenn Sebastian Kerk fit ist. Dass die Außenbahnen bisweilen unterbesetzt sind, ist zum Teil aber auch systembedingt, nämlich durch
  • das 4-4-2 mit Raute. Es gestattet dem Gegner außen nun mal Räume, ist nicht zuletzt deswegen im modernen Fußball recht unpopulär geworden. Tayfun Korkut hat sich vermutlich dafür entschieden, weil er keine starken Außenbahnspieler hat, ihm das System aber ermöglicht, seinem spielstärksten Personal gleich vier Positionen anbieten zu können: Alexander Ring, Christoph Moritz, Daniel Halfar, Zoltan Stieber, dazu Talent Marlon Frey und Patrick Ziegler auf der Sechs. Leider konnte sich verletzungsbedingt nie eine Formation einspielen, was gerade im Rautensystem wichtig wäre, um die Schwächen auf den Außenbahnen auszumerzen. Das Rausrücken der Spieler auf den Halbpositionen muss gut organisiert sein, auch die beiden Stürmer können, wenn sie vorne breit aufgestellt sind, die gegnerischen Außenverteidiger attackieren. Osawe machte das gegen das Stuttgart ganz gut, auch Lukas Görtler kann die rechte Seite ordentlich mitbeackern, allerdings haben die beiden andere Probleme. Sie sind nämlich
  • keine Knipser. Ja, ja, man kann es nicht mehr hören… Besserung ist aber kaum abzusehen. So sehr Osawe zu Beginn der Saison durch seine Dynamik und Beweglichkeit entzückte, so klar muss nach acht Spieltagen konstatiert werden: Es hapert noch gewaltig an der berühmten „Ruhe vor dem Tor.“ Gegen Bielefeld wieder zwei Mal allein vor dem Torhüter gescheitert, davor schon in Würzburg, dazu übersieht er, wie gegen Stuttgart, Mitspieler in besten Einschusspositionen. Ob Zoua es besser machen kann, muss abgewartet werden. Möglicherweise wäre eine Überlegung, Kerk nicht auf dem Flügel, sondern als zweiten Stürmer aufzubieten. Trotz seiner erst 22 Jahren stehen bei ihm immerhin schon sechs Treffer und acht Torvorlagen in der Zweiten Liga auf dem Konto, das liest im gegenwärtigen Lauterer Kader schon als Erfolgsbilanz…
  • Die Innenverteidigung. Abgesehen vom Kopfballspiel offenbart sie auch immer wieder technische Schwächen, insbesondere im Aufbauspiel, dazu kommen Stellungsfehler oder verspätetes Rausrücken. Die Hoffnung auf Verbesserung personifiziert sich in Ewerton, und nun auch in Robin Koch, der gegen Bielefeld ein vielversprechendes Debüt feierte. Aber mal ehrlich: Ob sich der 20-jährige wirklich schon dauerhaft etablieren kann? Und: Will ihn nicht vielleicht jeder gut sehen, weil er der Sohn des legendären Harry ist? Auch Arminia-Stürmer Fabian Klos hatte am Sonntag seine Kopfballchancen…
  • Die Mittelachse. Auch darauf muss mal hingewiesen werden, und untermauert werden soll der Punkt mit einem Blick auf den toll gestarteten Tabellenführer und nächsten Gegner Eintracht Braunschweig. Torhüter Jasmin Fejzic, Innenverteidiger Gustav Valsvik, Mittelfeldspieler Qurin Moll und der wiedererstarkte Stürmer Domi Kumbela standen bislang in jedem Spiel in der Startelf, neben Moll agierte bis auf zwei Ausnahmen der erfahrene Patrick Schönfeld, neben Valsvik verteidigte in den ersten drei Spielen Joseph Baffo, seither steht Saulo Decarli durchgehend an seiner Seite. Stabile Mittelachsen schaffen die Art von Kontinuität, die Sicherheit und Selbstvertrauen fördert. Der FCK konnte bislang nicht ansatzweise so klare Konturen bilden, aufgrund von Verletzungen und Platzverweisen, aber auch Qualitätsmängeln, die sich vielleicht nur zum Teil durch Praxis und Trainingsarbeit beheben lassen – Vucur und Tim Heubach sind schließlich nicht mehr so ganz jung und daher nur noch bedingt entwicklungsfähig.

Und jetzt mal an alle, die aufgrund ihrer sicher verständlichen Nervosität schon wieder nach einem neuen Trainer rufen: Welchen dieser Schwachpunkte könnte ein neuer Coach von jetzt auf gleich beseitigen? Dem FCK helfen jetzt nur kleine Schritte, da muss eine Saison in der Grauzone in Kauf genommen werden. Immerhin: Nach Julian Pollersbeck ist mit Robin Koch bereits ein zweiter Nachwuchsspieler erfolgreich ins Zweitligateam eingebaut worden, außerdem machen die A-Junioren gegenwärtig viel Freude, da könnten Weichen in eine bessere Zukunft gestellt sein.

Zur zwischenzeitlichen Erbauung sei hier ein aktueller Artikel von Ronald Reng verlinkt, der in wenigen Worten umreißt, wie sich der 1.FC Köln in den vergangenen Jahren wieder nach oben geschafft hat. Einen solchen Artikel in drei bis fünf Jahren über sich lesen zu können, sollte gegenwärtig der Anspruch des FCK sein.

 

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