Kohlis Arschkarte: Warum man Mario immer noch mögen darf, wenigstens ein bisschen

Nein, Kohli weiß nicht genau, was Mario geritten hat, in diese Promi-Big-Brother-Absteige zu ziehen. Seine offizielle Begründung dürfte wohl für die Füße sein: „Vierzehn Tage zusammen mit völlig verschiedenen Menschen in einem Haus leben – das ist für mich einfach ein hochinteressantes Projekt.“ Echt? Eigentlich sollte er doch bereits genug Trainingslager durchlitten haben, die einem solchen Projekt mindestens ebenbürtig waren. Und dort er ist bestimmt nicht solchen Kackbratzen begegnet.

Er hat sich mit der „Schauspielerin“ Isa Jank – wer zum Teufel ist das eigentlich? – und dem Mörtelweib Cathy Lugner gefetzt, Gaga-Wortgefechte mit Typen wie Ben Tewaag und Marcus von Anhalt geliefert, CC Baxter imitiert – und warum das alles? Die Gage kann es doch nicht gewesen sein. Die Phantastilliarden, die er als „die teuerste Parkuhr Deutschlands“ (Max Merkel) im Bayern-Trikot abgezockt hat, kann er doch noch nicht ernsthaft komplett am Roulettetisch wegrotiert haben.

Existenzen wie Werner Lorant oder Hans Sarpei mögen sich des Mammons wegen auf der „Alm“ oder bei „Let’s Dance“ zum Horst gemacht haben, und Thorsten Legat hat sich tendenziell tatsächlich ins Dschungelcamp berufen gefühlt, denn er ist ja schon zu so etwas wie einem Eternal Survivaltrainer geboren, sein Credo – „Manchmal brauchst du eine helfende Hand, die dir in den Hintern tritt“ – ist einfach zu gut gewählt.

Aber Mario?

Es steht zu befürchten, dass Babbelbasler, der ja durchaus eine differenzierte Sicht auf sich selbst hat („Eigentlich bin ich ein Supertyp, aber ich kann auch ein richtiger Arsch sein“), zu der unglücksseligen Spezies gehört, die es nach der aktiven Sportlerkarriere nicht genießen kann, einfach in der Versenkung zu verschwinden, sondern sich immer wieder medial neu inszenieren muss, egal, wie blöd – Bobbele lässt grüßen.

Wie sonst ist es zu erklären, dass Mario zuletzt seine Sportdirektorenposten bei Lok Leipzig mit der offiziellen Begründung hinschmiss, er möchte bei der anstehenden EM lieber TV-Experte sein?

Und dennoch: So ein bisschen Restsympathie wird Kohli auch künftig noch für Mario hegen, auch wenn er schon lange nicht mehr super ist. Und das hat gar nicht mal etwas mit der landsmannschaftlichen Solidarität des Pfälzers zu tun. Kohli hat Basler vor Jahren bei einer Autogrammstunde mit den Bayern-Bratzen mitten im Werk eines großen Autobauers mal live erlebt, und da entflammte er regelrecht für den Intimus der einfachen Zusammenhänge, der die Sonnenfinsternis einst damit erklärt hat, dass jemand einen Fußball in den Feuerball geschossen hat.

Denn Basler war der einzige, der den Fließbandsklaven mit einer Ungezwungenheit begegnete, die sein fortwährendes Dummgebabbel als herzlich und in bestem Sinne „nahbar“ erscheinen ließ, um nicht zu sagen authentisch, während es den Rest der Jungmillionäre offenbar irritierte, dass hier keine Glasscheibe die nicht so richtig freiwillig anwesenden Gäste von diesen vielleicht gefährlichen Anstaltsinsassen trennte.

„Jede Seite hat eben zwei Medaillen“, wie auch Mario schon einmal feststellte.

Entscheidend ist aber: Der Scheiß, den Mario verzapft, ist wenigstens noch sein eigener. Und diese Zeiten sind so traurig geworden, dass man jemanden sogar dafür schon mögen darf, wenigstens ein bisschen.

Wenn nämlich ein Kevin Großbrunz der heutigen Spielergeneration in den Ficus eines großen Hotelfoyers strullt oder Döner als Wurfgeschosse zweckentfremdet, darf man sich mittlerweile gar nicht mehr sicher sein, ob da tatsächlich einer einen zwar hinverbrannten, aber halt auch aufrichtig amüsanten Akt der Anarchie praktiziert – oder ob er nicht vielleicht auf Anraten eines „PR-Consultants“ an seinem „Markenwert“ arbeitet, der ihn, wenn er dereinst die Luft aus dem Leder lässt, wenigstens noch ins Dschungelcamp oder in irgendein anderes Assitheater führen kann. Mario schaffts da eben noch von ganz alleine hin.

Wie, das glaubt Ihr nicht?

Dann lest mal das Interview, das ein gewisser Christoph Metzelder unlängst dem „Spiegel“ gegeben hat. Der einstige Innenverteidiger ist nun Managing Director bei der Agentur Jung von Matt Sports und da ist es nicht nur seine Aufgabe, auch mal in Maßschuhen ohne Socken vor die Kamera zu treten, sondern mit einem Team ausgesuchter Spezialisten Spielern zu erklären, dass sie auch mit jedem Furz, den sie abseits vom Rasen lassen, an ihrem „Markenwert“ arbeiten müssen, da man ja in einer Welt der totalen Medialisierung lebe, in der selbst der unbeholfenste Kackekicker nichts mehr nicht-öffentlich tue. Denn: „Ein gu­ter Mar­ken­wert ist das bes­te Sprung­brett für die Kar­rie­re nach dem Fuß­ball. Die Plät­ze als TV-Ex­per­te oder Sport­di­rek­tor sind be­grenzt. Es hilft Fuß­ball­spie­lern, sich wäh­rend der Pro­fi­lauf­bahn zu fra­gen: Was in­ter­es­siert mich sonst noch? Und was könn­te an­de­re an mei­ner Per­son in­ter­es­sie­ren?“

Und was ist, wenn da nichts ist? Keine Angst: Christoph und Co. finden da schon was.

Ein Beispiel: Sein Klient Be­ne­dikt Höwedes habe es zuletzt irgendwie gar gut nicht gefunden, wie sich dieser AfD-Gauleiter über Jerome Boateng äußerte, von wegen unerwünschter Nachbar und so. Darauf nahm sich Christophs Creative Team dieses doch menschlich krass korrekten Grundempfindens an und stylte für den Benni folgenden Spruch auf dessen Fratzenbuch-Seite: „Wenn du für Deutsch­land Ti­tel ge­win­nen willst, brauchst du Nach­barn wie ihn.“ Dazu noch ein paar freundschaftsinnige Bilder von Benni und Jerome. Wem dabei das Herz nicht aufgeht, der hat entweder keines oder er war schon immer Nazi.

Damit keine Missverständnisse entstehen: Grundsätzlich hat Kohli nichts gegen die Aussage, er erkennt sogar die Ironie in der Geschichte, dass ausgerechnet diese Gauland-Gülle Boateng zum besten Markenwert aller aktuellen deutschen Fußballer verholfen hat. Aber dieser  Fratzenbuch-Satz liest sich eben genau so, wie er entstanden ist: Im Rahmen eines großen Brainstormings zwischen einem oder gar mehreren Senior Writern, einem Chief Editor, dem zuständigen Creative Designer, und vielleicht einer noch größeren Heerschar von Deskchefs, Consultants, Supportern und Trend Analysts.

Followt der armselige, meist jugendliche Fußballfan seinem Idol nicht deswegen auf Fratzenbuch und in anderen Netzwerken und Achsen des Blöden, weil er denkt, er erheische da von seinem Star wenigstens so ein bisschen was Persönliches, Echtes, Authentisches? Und nicht etwas, was zuvor hundert Designerbrillenträger glattgebürstet, glattgegelt, glattgestylt haben? Ein einfaches „Gauland find ich Scheiße“ hätte es doch auch getan.

Also etwas, was Mario jederzeit locker hinbekommt, frei von der Leber weg, vollkommen unverdaut.

Und deswegen mag Kohli ihn immer noch, wenigstens ein bisschen. Und darf sich sicher sein, dass Mario niemals Klient von Christoph wird. Und wenn der tatsächlich mal bei ihm vorbeischaut, um ihn für sein Business zu akquirieren, wird Mario ihm hoffentlich den besten Vorschlag machen, der ihm je eingefallen ist:

„Vielleicht sollten wir mal einen saufen gehen und uns gegenseitig auf die Fresse hauen.“

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