Analyseblog: Hinten (fast) dicht, aber vorne nicht vorhanden– ein Montagsspiel zum Abgewöhnen

Es ist ja nicht so, dass FCK-Trainer Tayfun Korkut nichts einfällt und dass er nicht versucht, der Realität – andere sprechen von „den gesunkenen Ansprüchen“ – gerecht zu werden. Vor der 0:1-Niederlage seiner Mannschaft gegen Tabellenführer Eintracht Braunschweig formierte er Lauterns Abwehrverbund erstmals zu einer Fünferkette. Ein Mittel, auf das Bundesliga-Mannschaften in jüngster Zeit immer mal zurückgreifen, wenn es gegen den übermächtigen FC Bayern geht, um diesem das Kombinationsspiel zu erschweren und das in der Regel dazu führt, dass man nicht ganz so hoch gegen die Münchner Passmaschinen verliert.

Bei der Euro 2016 sah Italien damit ganz gut aus, wobei Kritiker wie der humoristisch begabte Ex-Coach Hans Meyer auch schon mal süffisant anmerkten, das spielten die Tifosi nur, damit die drei betagten Herren in der Abwehrmitte enger zusammenstehen können und nicht mehr so viel rennen müssen. Insofern war die Formation ideal, um dem nach langer Verletzungspause endlich debütierenden Ewerton Gelegenheit zu geben, sich wieder ins Arbeitsleben einzufädeln. In der Tat schien der Brasilianer keine großen Probleme zu haben, sich einzufügen. Er strahlte Ruhe aus und ist der einzige Lautrer, für den die Statistik nicht einen einzigen Fehlpass ausweist.

EWERTON: EIN HOFFNUNGSSCHIMMER, ABER MEHR AUCH NICHT

Allerdings war Ewerton auch über zehn Mal weniger am Ball als seine Nebenleute Robin Koch und Tim Heubach, wohl, weil in der Mitte insgesamt weniger zu tun war, und in den wenigen Laufduellen, von denen er nicht verschont blieb, etwa gegen Ende der Partie gegen den eingewechselten Christoffer Nyman, zeigte sich schon, dass es ihm noch an Dynamik fehlt. Nach so langer Pflichtspielpause glückte ihm insgesamt aber ein ordentliches Debüt – so ziemlich der einzige Hoffnungsschimmer, den die Lautrer aus der Partie mitnehmen dürfen.

Dafür war der Rest eine ziemliche Katastrophe.

Bei Ballbesitz sollte ein solches 5-4-1 eigentlich zum 3-4-3 werden – wie das geht, haben die Italiener bei der Euro ebenfalls ein paar Mal recht ansehnlich gezeigt. Doch wer nie länger als ein paar Sekunden am Ball ist, schafft es erst gar nicht, sich offensiv zu formieren.

OKAY, DIE FLÜGEL SIND MAL DICHT, ABER SONST?

Lautern kommt schon vom Anpfiff gegen die direkt pressenden Braunschweiger kaum hinten raus. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass die Flügel so dicht sind wie noch nie in einem Auswärtsspiel des FCK in dieser Saison. Nach jeder Abwehraktion holt sich die Eintracht noch im Angriffsdrittel den Ball wieder zurück. „Und beim Versuch, sich übermotiviert den Ball erneut zu erobern, kommt es dann zu Fouls“, analysiert Tayfun Korkut später treffend ins „sky“-Mikrofon.

Und für ruhende Bälle haben die Braunschweiger einen richtig Guten: Linksfuß Nik Omladic. In der 16. Minute pariert Julian Pollersbeck noch einen Drehschuss ins Torwarteck, zwei Minuten später ist es soweit: Omladic schlenzt den ruhenden Ball so haarscharf über die Mauer, dass Sebastian Jacob nur einen Tick höher springen müsste, um ihn noch entscheidend abzufälschen. Pollersbeck bricht den Versuch, das Leder auf seinem Weg neben den rechten Torpfosten zu erwischen, ab – hätte keinen Sinn gehabt. 1:0 für Braunschweig. Der Treffer des Tages.

Und Omladics ruhende Bälle bleiben bis zum Ende das einzige Eye Candy der Partie. Den Slowenen hat Braunschweig übrigens 2015 aus Ljubljana geholt – für gerade mal 100.000 Euro. Solche Transfers sollten Lauterns Sportdirektor Uwe Stöver auch mal glücken, und zwar am besten schon in der Winterpause.

NACHRÜCKEN? DAZU MÜSSEN ERST MAL BÄLLE FESTGEMACHT WERDEN

Denn was die Lautrer Offensive über 90 Minuten abliefert, ist ein einziger Hohn. Jacob ist als einzige Spitze, höflich ausgedrückt, überfordert. „sky“-Experte Benno Möhlmann sinniert später mit Uwe Stöver darüber, dass Lautern ja auch nie richtig nachgerückt ist, um ihn zu unterstützen, doch wie soll es eigentlich zu einem Nachrücken kommen, wenn vorne erst gar keine Bälle festgemacht werden? Erschütternd zu sehen, wie die Braunschweiger nach der Pause zwar kaum noch zu Torchancen kommen, sich aber in der Lautrer Hälfte aufhalten dürfen, um den Ball soweit wie möglich vom eigenen Tor wegzuhalten.

Zoltan Stieber und Sebastian Kerk, die in diesem System eigentlich die Zuträger nach vorne sein sollten – da schweigt des Sängers Höflichkeit. Sind die beiden nicht als Leistungsträger eingeplant? Stieber spielt immerhin zwei Fehlpässe weniger als Kerk, allerdings holt Korkut ihn schon nach 71 Minuten vom Platz – in diesem Fall wirkt der frühe Feierabend wie eine ungerechte Belohnung.

UMSCHALTEN? DIE ZENTRALE IST DOCH ABGESCHALTET

Umschaltsituationen müssten eigentlich in der Mittelfeldzentrale eingeleitet werden. Doch auch da erstickt jeder Versuch im Keim. Patrick Ziegler und Christoph Moritz gelingt gar nichts. Okay, Ziegler kann es nicht besser, er ist eher zum Aufräumen da, Moritz indes  schon. Auch er mag derzeit noch damit entschuldigt werden, dass er nach langer Zeit auf dem Abstellgleis in Mainz und nach seiner Verletzung zu Beginn der Saison noch in Tritt kommen muss, aber wenn ihm das nicht bald gelingt, wird das Abstiegsgespenst bis Saisonende auf dem Betzenberg spuken.

Zu Beginn von Hälfte zwei wirkt Moritz mal eine Viertelstunde lang, als hätte er sich in der Pause mit Adrenalin aufgepumpt. Und nach dem Rückstand ist Lautern mal für zehn Minuten hintenraus gekommen, Naser Aliji durfte zwei Mal flanken und einmal mit Kerk zusammen – partauz, partauz – im Angriffsdrittel über zwei Stationen kombinieren, aber wer daraus Hoffnungsnektar saugt, sollte dringend mal zum Drogentest.

DIE LOSUNG: BIS WINTER DURCHWURSCHTELN – UND DANN HANDELN

Im nächsten Heimspiel gegen Bochum sind der diesmal gelbrotgesperrte Marcel Gaus und der suspendierte Paris-Tourist Osayamen Osawe wieder dabei, erklärt Stöver nach dem Spiel. Auch das schürt nicht gerade Optimismus, denn so richtig was gerissen haben diese beiden diese Saison auch noch nichts. Jaques Zoua, der nächstes Mal eventuell auch wieder dabei kann, hat immerhin schon zwei Mal getroffen, ist mit seinen 24 Jahren bislang aber auch noch nirgends als offensive Offenbarung aufgefallen.

Vielmehr kann die Losung für Lautern jetzt nur lauten: Irgendwie bis Winter durchwurschteln, den Anschluss an Rang 15 nicht verlieren – und dann den Umbau des Kaders fortsetzen.

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