Vorschaublog: Von Statements, Statistiken und Startelf-Varianten – nach der Braunschweig-Pleite wartet Bochum

„Wir haben jetzt am Montag das erste Mal mit einer Fünferkette gespielt. Wir hatten uns im Training beim Aufspielen vorgenommen, wie wir’s machen wollen, sind aber von Anfang an nicht richtig  reingekommen. Wir wollten die Außenverteidiger freispielen und dann über die Bahnen kommen.  Doch wir haben oft den Ball verloren, und vor dem Freistoß, der zum Tor führte, hatten wir uns im kompletten Mittelfeld von den Braunschweigern in den ersten 20 Minuten den Schneid abkaufen lassen, und wenn das jedem Spieler passiert, hast du keine Entlastung, dann kommt so eine erste Halbzeit zustande. Wir haben ordentlich verteidigt, letztendlich nicht viel zugelassen. An anderen Spieltagen haben wir schon ein anderes Gesicht mit dem Ball gezeigt, das war ein bisschen schade, weil mit der Fünferkette hast du eigentlich genug Leute, um den Gegner laufen zu lassen, und obwohl Braunschweig vorne nur mit zwei Leuten so angelaufen ist, haben wir es es nicht geschafft, die auszuspielen, um Ruhe in unser eigenes Spiel zu bekommen. Das war der Knackpunkt. Denn auch wenn so nach vorne weniger läuft, hätten wir es uns für uns selber ein bisschen ruhiger gestalten können.“

Respekt, Christoph Moritz. Dass ein Spieler die Frage, woran es denn nun genau gelegen habe, derart ausführlich beantwortet, ist schon ungewöhnlich, erst recht nach so einer Leistung, wie sie der FCK am vergangenen Montag in Braunschweig abgeliefert hat. Einzuräumen, dass man es mit fünf Spielern auf den hinteren Linie nicht geschafft habe, nur zwei anlaufende Spieler auszuspielen, ist wahrlich brutal ehrlich. Ist „5 gegen 2“ im Kreis nicht mal ein äußerst beliebtes Spielchen im Training gewesen?

EHRLICHKEIT INTERESSIERT NICHT – DIE FANS WOLLEN PUNKTE

Dennoch: Hut ab. Zu erwarten gewesen wäre etwa ein „Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen“ oder ein „Wenn wir das selbst so genau wüssten, wäre es ja einfach gewesen, es abzustellen.“ Freilich: Den enttäuschten Anhang kümmert es kaum, ob sich ein Kicker mehr Mühe mit der Beschreibung eines kollektiven Versagens gibt oder weniger. Am Freitag waren gerade mal 16.000 Karten für die Partie am kommenden Montag gegen den VfL Bochum (20.15 Uhr) abgesetzt. Damit droht dem Tabellen-16. auch in punkto Zuschauerzahlen ein neuer Negativrekord in dieser Saison.

Doch was soll’s. Gegen Braunschweig habe man etwas versucht, was nicht geklappt habe, gegen Bochum werde eine ganz andere Strategie gesucht und gefunden, daher werde es ein „vollkommen anderes Spiel“ und er verspreche, dass sein Team „mutig“ nach vorne spielen werde, erklärt Trainer Tayfun Korkut. Okay, klingt alles wie schon einmal gehört in dieser Saison, andererseits: Für einen Coach, der sich in einem Negativlauf befindet, ist es schwer, sich vorm nächsten Spiel originellere Ankündigungen einfallen zu lassen.

Dass Lautern schon seit 18 Jahren nicht mehr gegen Bochum gewonnen hat, ist eine Zahl, die den Trainer überhaupt nicht interessiert. Auch Braunschweig hatte ja schon eine Ewigkeit nicht mehr gegen Lautern gewonnen, ehe sich der FCK am Montag so präsentierte, wie er sich präsentierte. In der Tat: Man sollte nicht unbedingt davon ausgehen, dass Bochum sich genauso schlecht anstellt, seine Serie fortzuführen.

DIE TÜCKE MIT DEN GELAUFENEN KILOMETERN

Überhaupt: Statistiken. Sportdirektor Uwe Stöver verwies nach dem Spiel am Montag auf die Laufleistungen beider Mannschaften. 120 Kilometer sei der FCK insgesamt gelaufen, sieben mehr als Braunschweig. Das ist insofern interessant, weil es zeigt, wie wenig so eine nackte Zahl aussagt, wenn dabei nicht gleichzeitig das Spiel auch visuell ins Gedächtnis gerufen wird. Die hohe Laufleistung einer Mannschaft kann ein Qualitätsindiz sein, wenn das Team sich beispielsweise permanent kollektiv gegen den Ball verschiebt, um ihn möglichst weit vorne zu gewinnen. Dass dies beim FCK am Montag eher nicht der Fall war, kann jeder bestätigen, der diesen grausamen Kick nur mit einem Auge verfolgt hat.

Wenn die Braunschweiger Elf mit deutlich weniger Kilometerleistung das Spiel über 90 Minuten so souverän kontrollieren konnte, hat sie, im wahrsten Sinne des Wortes, erfolgreich Ball und Gegner laufen lassen. Übrigens: Der FCK gehörte bislang an allen Spieltagen zu den Mannschaften, die am Ende die meisten Kilometer gefressen hatten. Ein Grund zum Strunzen ist das, wie somit gezeigt, nicht unbedingt.

DIE FORMATIONSFRAGE: 3-4-3 oder 4-4-2?

Immerhin: Mit dem 5-4-1, das bei Ballbesitz – in Braunschweig nur rein theorisch – ein 3-4-3 werden sollte, hat Korkut sein Repertoire an denkbaren Formationen erweitert. Die Frage ist, ob er diese gegen Bochum beibehält. Dafür spricht, dass sich die Dreierkette Robin Koch – Ewerton – Tim Heubach in Niedersachsen tatsächlich gar nicht so schlecht anstellte, und der FCK irgendwann einmal beginnen sollte, einen Defensivverband einzuspielen, wenn er zu Stabilität finden will.

Personelle Veränderungen lassen sich ohnehin nicht vermeiden: Jacques Zoua fällt definitiv weiter aus, außerdem Sebastian Kerk, der sich am Freitag im Training verletzte. Dafür stehen Marcel Gaus nach seiner Gelb-Rot-Sperre sowie Osayamen Osawe nach seiner Suspendierung wieder zur Disposition. Daher böte sich im 3-4-3 folgende Formation an: Pollersbeck – Koch, Ewerton, Heubach – Mwene, Ziegler, Moritz, Aliji – Stieber, Osawe, Gaus.

GLATZEL SOLLTE EINE ÜBERLEGUNG WERT SEIN

Denkbar ist jedoch auch, dass Korkut zum 4-4-2 mit Raute zurückkehrt. In der Formation hat der FCK beim 3:0 gegen Dresden seinen bisher einzigen Saisonsieg eingefahren und in anderen Partien zumindest Torchancen generiert. In einem Zwei-Mann-Sturm wäre zudem ein Startelf-Einsatz von Robert Glatzel eine Überlegung wert. Als klassischer Zentrumsspieler könnte er Osawe die Freiheiten ermöglichen, immer wieder auf die Flügel auszuweichen, was diesem besser zu liegen scheint als eine Rolle als einsame Spitze. Zudem hat Glatzel in der U23 bereits acht Treffer erzielt – das gibt Selbstvertrauen, auch wenn’s nur Regionalliga war.

Das 4-4-2 könnte dann so aussehen: Pollersbeck – Mwene, Koch, Ewerton, Gaus – Ziegler – Moritz, Aliji – Stieber –Glatzel (Jacob), Osawe. Der am besten aufwandsentschädigte Ehrenamtsinhaber der Welt würde wahrscheinlich sagen: Schaun mehr mal.

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