Die Analyse: Le jour de gloire est arrivé! Paris-Heimkehrer rockt Betzenberg bei Fritz-Walter-Wetter

Es ist doch immer dieselbe Scheiße. Erst wird die Riesenchance zum Führungstreffer vergeigt, dann hinten ein kapitaler Bock geschossen, so dass der Gegner in Führung gehen kann, Sicherheit und Selbstvertrauen tankt, während in den eigenen Reihen nichts mehr zusammenläuft…

Moment mal.

Wie? Es ist diesmal gar nicht der 1. FC Kaiserslautern, der sich so präsentiert hat?  Sondern der Gegner, der VfL Bochum? Ach soo… Deswegen hat der FCK tatsächlich mal wieder ein Spiel begonnen, und zwar gleich 3:0, am Montagabend auf dem Betzenberg.

Aber eben nicht nur deswegen.

Auch wenn jetzt nicht gleich wieder alles rosarot gemalt werden sollte. Gute Ansätze sind schließlich auch schon nach dem Heimspielen gegen Düsseldorf (0:0) und Dresden (3:0) zu sehen gewesen. Denen folgten jedoch jeweils beschämende Auftritte in Sandhausen (0:2) und Heidenheim (0:3).

Dennoch: Vielleicht könnte sich in diesem Spiel so etwas wie eine Achse im Lauterer Mannschaftsgerüst gebildet haben, die für die Zukunft mehr Stabilität verspricht, wenn sie von nun an weiter zusammenwachsen kann.

DIE ACHSE IST ENDLICH ERKENNBAR – JETZT MUSS SIE ZUSAMMENWACHSEN

Vor der neuen Nummer 1 Julian Pollersbeck, an der es ohnehin bislang noch nicht viel auszusetzen gibt, agieren mit Robin Koch und Ewerton zwei Innenverteidiger, die technisch stark genug für einen sauberen ersten Pass im Spielaufbau sind. Obwohl, wir wollen ja nicht gleich zu optimistisch werden, der Brasilianer durchaus noch in puncto Dynamik und Aggressivität zulegen darf. Wie Peniel Mlapa ihn gleich in der ersten Minute abschüttelt, er sogar noch einen Grapscher ansetzt… Hätte der Bochumer Stürmer sich daraufhin hingelegt, hätte Schiedsrichter Felix Brych das wohl als Notbremse geahndet. Das war haarscharf.

Davor agiert mit Patrick Ziegler ein abräumender Sechser – nicht mehr, aber auch nicht weniger –, der ordentliche Arbeit gewährleistet. Christoph Moritz und Zoltán Stieber sorgen im Mittelfeld für Kreativität, dürfen sich aber gerne noch weniger Auszeiten nehmen. Und mit Osayamen Osawe lauert vorne ein Stürmer, der endlich auch mal trifft.

MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG DES GEGNERS: OSAWES GALA

Gleich drei Mal netzt der Engländer im sechsten Heimspiel der Runde ein – okay, der Gegner hilft jedes Mal tüchtig mit. Vor Treffer Nummer 1 verdaddelt Pawel Dawidowicz das Leder, wie man es in Lautern etwa von Stipe Vucur kennt, vor Treffer Nummer 2 lässt sich Keeper Manuel Riemann im Fünf-Meter-Raum überspringen, vor Treffer Nummer 3 riskiert Tim Hoogland ein Sprintduell mit Osawe, das er nur verlieren kann. Aber da gibt es doch die berühmte Phrase, Fehler gehören im Fußball einfach dazu, oder nicht?

Osawe zur Seite steht mit Lukas Görtler ein Stürmer, der wohl auch perspektivisch die Liga nicht als Tormaschine erschrecken wird, dafür aber über brauchbare Rackerqualitäten verfügt und in der Lage ist, vorne die Breite herzustellen und für Attacken auf die gegnerischen Abwehrspieler auf Flügeln zu sorgen. Gerade im 4-4-2 mit Raute brauchen die eigenen Außenverteidiger wechselnde Unterstützung von Mitspielern, um die Seiten dicht zu bekommen. Korkut ist zu dieser Formation zurückgekehrt, hat lediglich Naser Aliji und Marcel Gaus die Positionen tauschen lassen.

DIE AUSSENVERTEIDIGER: RACKERN BIS ZUM SZENENAPPLAUS

Gaus ergänzt als linker Eckpunkt der Raute die Feinmotoriker Moritz und Stieber  mit Dampfmachereigenschaften und nutzt die offensiveren Möglichkeiten, die diese Position ihm bietet, zu einer Musterflanke zum 2:0. Aliji kämpft sich gegen Tom Weilandt nach einer Weile ordentlich ins Spiel, und sein Gegenüber Philipp Mwene holt sich für sein Geacker sogar Szenenapplaus ab.

Natürlich: Alles gelingt auch dem dunklen Blonden mit dem Ösi-Akzent noch nicht. Nicht nur vor der Großchance von Johannes Wurtz in der 21. Minute, mit der Bochum eigentlich in Führung gehen muss, lässt er einen langen Ball auf Thomas Eisfeld zu leichtfertig passieren, und dass der VfL in der 60. Minute Elfmeter fordert, als Mwene im Strafraum Eisfeld rempelt, ist auch nicht so ganz unberechtigt.

UMSTELLUNG AUF FÜNFERKETTE SICHERT ZU NULL

Nach 76 Minuten, beim Stand von 3:0, stellt Korkut mit der Einwechslung Tim Heubachs wieder auf die Fünferkette um, die zuletzt beim 0:1 in Braunschweig hinten zwar weitgehend für Stabilität sorgte, beim Umschalten nach vorne aber gar nicht funktionierte. Ein Fingerzeit fürs nächste Auswärtsspiel in Fürth? Immerhin macht der Wechsel klar, dass Korkut die Formation weiterhin im Repertoire behalten will.

Die Offensivbemühungen der Lauterer werden damit allerdings auch diesmal eingestellt. Andererseits sichert das System das vierte „zu null“ im zehnten Spiel, was dem Defensivverband wohl weiter das Selbstvertrauen stärken soll.

KORKUT: OSAWE HAT NUR ZURÜCKGEZAHLT, MEHR NICHT

Apropos Psychologie: Mit der ironischen Fußnote konfrontiert, dass ausgerechnet der Spieler, der zuvor für einen Amüsiertrip nach Paris trotz Krankenschein eine Woche suspendiert war, reagiert Korkut nach dem Spiel nicht einmal mit dem Anflug eines Lächelns. „Wir haben Regeln hier, und an die müssen wir uns alle halten“,  erklärt der Coach schmallippig. „Er musste zurückzahlen, was er nicht mir, nicht dem Sportdirektor, sondern der Mannschaft schuldig war.“

Dass er als Pädagoge aber auch an die Kraft der positiven Verstärkung glaubt, hat der Trainer zuvor schon unter Beweis gestellt. Er wechselt Osawe in der 90. Minute aus, um ihn „Standing Ovations“ genießen zu lassen.

ALLE NACH PARIS? WENN’S DEN KOPF FREIMACHT…

Die Fans stimmt die ironische Fußnote übrigens ausgesprochen heiter. „Alle nach Paris, alle nach Paris, alle, alle, alle nach Paris“, skandieren sie in den Schlussminuten immer wieder. Warum nicht? Wenn so eine kleine Lustreise derart den Kopf freimacht…

Aber, Scherz beiseite: Der Held des Tages gibt sich auch in der Stunde des Triumphs reuig, und versichert treuäugig, dass er die größte Nacht seines bisherigen „professional Life“ nunmehr an der Lauter und nicht etwa an der Seine erlebt hat. Der alte Fritz im Himmel hat sich sicher gefreut, als er das gehört hat. Er hatte der Pfalz an diesem Abend ja auch mal wieder sein Wetter geschickt.

Hoffentlich erlebt der FCK-Anhang jetzt am Samstag in Fürth nicht gleich wieder einen schwarzen Tag.

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