Gegnerblog: Trotz Pokalerfolg – Steht „the last Hero“ vor seinem letzten Gefecht?

„Alter Bridge“ heißt die Lieblingsband von Stefan Ruthenbeck, Trainer der SpVgg. Fürth, des nächsten Lautern-Gegners am kommenden Samstag (13 Uhr). Die Alternativ-Metaller haben gerade ihr neues Album präsentiert: „The Last Hero“. Der Titel bildet auch den thematischen roten Faden für nahezu alle Songs, die Band bringt darin ihre Sehnsucht nach Helden zum Ausdruck, die es in unserer modernen Gesellschaft ihrer Ansicht nach nicht mehr gibt.

Stefan Ruthenbeck wird da sicher einiges mit anfangen können. Hat gerade er doch schon feststellen müssen: Helden im Trainergeschäft haben nur eine kurze Halbwertszeit, und ihr Heldentum kann nur mit dem sportlichen Erfolg ihres Klubs einhergehen. Den Typ des einsamen Helden, der sich zur Not mutterseelenallein gegen ein korruptes, asoziales oder sonstwie moralisch fragwürdiges Umfeld stellt, um seinen eigenen Überzeugungen treu zu bleiben, den gibt es in der Branche nicht. Er wird eben nicht die Bösen alle töten und dann in den Sonnenuntergang reiten, vielleicht sogar mit einer schönen Blonden im Arm – er ist schon lange vorher zum Scheitern verurteilt.

TRAGIK ODER KOMIK? TRAINER HANDELT MORALISCH RICHTIG, TEAM STEIGT AB

Obwohl: Wenn es eine Antithese zu dieser gibt, dann heißt sie Ruthenbeck. Schon sein erstes Erscheinen in der Fußballmedienlandschaft offenbarte gewisse tragikomische Züge, wie sie einsame Heldengesten im Sport nun einmal erzielen können. 2010 wies er als Trainer der TuS Mayen die Seinen an, dem Gegner, der Alemannia Waldalgesheim, einen Treffer zu gestatten, nachdem die TuS ein Tor regelwidrig erzielt hatte. Das brachte ihm den Fair-ist-mehr-Bundespreis und einen für einen Oberliga-Trainer außergewöhnlichen Auftritt im „aktuellen Sport-Studio“ ein, indes: Die TuS hatte mit dem durch den Gegentreffer bewirkten Punktverlust den Klassenverbleib verspielt.

Zur Beginn der Saison 2013/14 wurde Ruthenbeck Cheftrainer beim VfR Aalen, nachdem er dort zunächst das Nachwuchszentrum geleitet und die U23 betreut hatte. Ruthenbeck  erhielt viel Lob für den gefälligen Fußball, den der wirtschaftlich bescheiden aufgestellte Zweitligaklub spielte, indes: Ende 2014/25 stieg Aalen ab.

IN DER „SCHEISS“-LIGA EIN EMINENT GEFRAGTER TYP

Der Reputation des Trainers tat dies keinen Abbruch, er konnte zwischen mehreren Angeboten aus dem Unterhaus wählen, und das, obwohl er die Zweite Liga zuvor schon einmal als „Scheiß-Liga“ bezeichnet hatte. Dass pragmatisch-destruktive Gegner, die einfach nur auf Fehler der anderen warten, oft mehr Erfolg haben als Mannschaften, die sich redlich um schönes Spiel bemühen, hatte vehement am Nervenkostüm des gebürtigen Kölners gezerrt. FCK-Fans, denen die Runjaic-Ära in Lautern noch in frischer Erinnerung ist, wissen allerdings, was er damit meinte.

Gerüchten zufolge soll es im Sommer 2015 auch zu Gesprächen mit Markus Schupp gekommen sein, einem alten Bekannten Ruthenbecks aus Aalener Tagen, zu dieser Zeit  Sportdirektor in Kaiserslautern. Der Coach entschied sich für die SgVgg. Fürth. Die anschließende Saison beendete er auf Platz 9, das war nicht unbedingt schlecht, im Vorjahr war der Bundesligaabsteiger von 2013 lediglich 14. gewesen. Perspektivisch will das Kleeblatt jedoch wieder mehr. Klar formulierte Aufstiegsträume lässt das Budget zwar nicht zu, doch die Rolle derer zu spielen, die im Kampf um die vorderen Plätze zur Stelle sind, wenn die Favoriten straucheln, haben die Franken immer gut verstanden.

BISLANG LÄUFTS IN FÜRTH NICHT RUND

Gegenwärtig sieht’s allerdings nicht so aus, als ob dies in dieser Saison erneut der Fall sein könnte. Elf Punkte aus zehn Spielen bedeuten bislang Platz 13, obwohl der sportliche Qualitätsverlust im Sommer sich eigentlich in Grenzen hielt. Mit Marco Stiepermann verließ nur ein wirklicher Leistungsträger die Franken, dafür konnte mit Sercan Sararer ein profiliertes Eigengewächs zurückgeholt werden, zudem wurden die Offensivkräfte Robert Zulj und Veton Belisha gehalten. Nicht zuletzt soll auch Ruthenbeck Rufen aus Darmstadt und Augsburg widerstanden haben. Allerdings plagt der langfristige Ausfall von Spielgestalter Jürgen Gjasula.

Spätestens nach dem beschämenden 0:4 gegen Stuttgart am 3. Oktober steht auch der Coach in der Kritik, wird für Fürth-Verhältnisse ziemlich laut auch über seine Ablösung spekuliert. Wie Korkut in Lautern vor zehn Tagen, musste sich der angeschlagene Ruthenbeck vergangenen Sonntag ausgerechnet beim Tabellenführer Braunschweig behaupten. Wie der FCK verlor auch Fürth 0:1, leistete sich im Gegensatz zu den Pfälzern allerdings keinen offensiven Offenbarungseid – und spielte sich auch in Hälfte zwei noch gute Torgelegenheiten heraus, obwohl das Team seit dem Platzverweis von Sararer in der 30. Minute in Unterzahl agierte.

TROTZ POKALERFOLG: DER DRUCK BLEIBT GEWALTIG – INSPIRATION BEI „SLAYER“?

Mit dem 2:1-Sieg im DFB-Pokalspiel gegen Erstligist Mainz am Mittwoch dürfte Ruthenbeck seine Position fürs Erste wieder gestärkt haben. Ein Sieg gegen den FCK wär dennoch dringend nötig. Schon vor der Partie gegen Mainz hat der Trainer verlauten lassen: „Wenn es zu Ende gehen sollte, dann mit Pauken und Trompeten. Ich werde wieder etwas riskieren.“ Das hat auch Gary Cooper so gesehen, als er damals, Schlag zwölf Uhr mittags, allein Richtung Bahnhof marschierte…

Nach dem Spiel mit Aalen am Betzenberg im Jahr 2015 hatte er sich im Mannschaftsbus  das neue „Slayer“-Album angehört, das fand er „herrlich“, hat Ruthenbeck den Kollegen von „spox“ mal gesteckt. Auf der besagten Scheibe mit dem Titel „Repentless“ findet sich auch das Stück „Take Control“, was irgendwie nach Ruthenbeckscher Fußballphilosophie klingt.

Allerdings taucht darin die Zeile auf: „A little violence is the ultimate drug, let’s get high“… Regelkompatibel ins Fußballerische übersetzt, könnte das interpretiert werden als eine Forderung nach dem berühmten „Über den Kampf ins Spiel finden.“ Ist zwar nicht sehr originell, am Samstag aber bei beiden Mannschaften angezeigt.

 

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