Vorschaublog: Lautern will ins gesicherte Mittelfeld – und Ewerton seinen Rhythmus finden

Am vergangenen Dienstag ist einer der größten Fußballer seines Landes gestorben. Carlos Alberto war Kapitän der brasilianischen Nationalmannschaft, die 1970 Weltmeister wurde und vielen bis heute als die beste Auswahl gilt, die die Südamerikaner jemals gestellt haben. Sein Treffer zum 4:1 im Finale gegen Italien ist seit der Todesnachricht „Youtube“-Hit, ein fulminanter Außenspann-Schuss nach einer Ballstafette über acht Stationen – brasilianische Perfektion in Reinkultur.

Mitspielende Verteidiger wie Carlos Alberto waren damals noch selten im Fußball, heute ist es, angesichts des Tempos und der Enge, die Profiteams auf dem Rasen herzustellen vermögen, unerlässlich, dass auch die Kicker in der hinteren Reihe in Bedrängung technisch saubere Bälle spielen können. Selbst in Deutschlands Zweiter Liga.

Insofern war es verständlich, dass das Debüt Ewertons in Kaiserslautern mit geradezu  fieberhafter Ungeduld herbeigesehnt wurde. Zumal seine Verpflichtung kurz vor Transferschluss als echter Coup des neuen Sportdirektors Uwe Stöver gefeiert worden war. Ein international erfahrener Brasilianer, der vom Champions League-Teilnehmer Sporting Lissabon zu einem finanziell klammen Zweitligist wechselte – solche Verpflichtungen hatte man in der Pfalz eigentlich nicht mehr für möglich gehalten.

„NOCH NIE MIT SO VIEL HERZLICHKEIT UND WÄRME EMPFANGEN WORDEN“

Sie war allerdings nur realisierbar, weil der Brasilianer in Lissabon nach diversen Verletzungen im Wettbewerb um die Stammplätze ins Hintertreffen geraten war und auch keine optimale Saisonvorbereitung bestritten hatte. Lauterns Trainerteam ließ sich daher Zeit, den Innenverteidiger aufs gewünschte Fitnessniveau zu bekommen. Das schürte im Umfeld eine Ungeduld, aus der bald Unmut wurde, da es sportlich schlecht lief und gerade in der Innenverteidigung dringend technische Qualität benötigt wurde.

Interessant: Ewerton scheint von alledem nicht viel mitbekommen haben. Er sei sehr glücklich in Kaiserslautern und ist noch nie irgendwo mit so viel Herzlichkeit und Wärme empfangen worden, diktierte der 27-jährige am Freitag den Medienvertretern in die Blöcke. Pressesprecher Stefan Rosskopf hatte ihn zu seiner ersten Teilnahme an der turnusgemäßen Spiele-PK überredet.

Und: Ewerton dankte Vorstand und Trainerteam ausdrücklich, „dass sie mir in der Anfangsphase Zeit gegeben haben, mich zurecht zu finden und mich zu akklimatisieren.“ Am Vorabend war er noch bei Landsmann Ratinho eingekehrt, der brasilianischen FCK-Ikone, die in Lautern nun das „Sabor Brasil Steakhouse“ betreibt.

„DAS SPIEL HIER IST VIEL SCHNELLER, MIT VIELEN KÖRPERKONTAKTEN“

Zwei Pflichtspiele hat er nun bestritten, das dritte steht jetzt am Samstag bevor, bei der SpVgg. Fürth (13 Uhr). Dass das Passspiel aus der hinteren Reihe sich mit seinem Mitwirken enorm verbessert hat, war bereits deutlich zu erkennen – auch, weil Ewertons  junger  Nebenmann Robin Koch sich im gleichen Zeitraum gut integriert hat. Allerdings räumt auch Ewerton, dass er für einen Brasilianer, der zuletzt in Portugal gekickt hat, nicht einfach ist, sich an deutschen Fußball zu gewöhnen. „Das Spiel hier ist viel schneller, mit viel mehr Körperkontakten. Da muss ich meinen Rhythmus noch finden.“

„Ich bin mir sicher, dass da noch einiges kommt“, erklärt auch Lautern-Trainer Tayfun Korkut. Zu Ewertons Debüt in Braunschweig habe man Fünferkette gespielt, das sei ihm entgegen gekommen, „denn da sind die Wege für die Innenverteidiger kürzer“. Beim anschließenden 3:0-Sieg gegen Bochum präsentierte sich der FCK wieder mit vier Mann auf der hinteren Linie, da hatte der Neue schon ein wenig mehr zu laufen.

Und in Fürth? In der Schlussphase gegen Bochum hat Korkut wieder auf Fünferkette umgestellt, was ein Fingerzeig aufs kommende Auswärtsspiel gewesen sein könnte.

Könnte.

IN FÜRTH WIEDER FÜNFERKETTE? OHNE HEUBACH WOHL EHER NICHT

In der Tat ist diese Anordnung mittlerweile eher unwahrscheinlich geworden. Tim Heubach, erste Wahl als dritter Innenverteidiger, fällt wegen muskulärer Probleme aus. Auch Alex Ring wird mit einiger Sicherheit noch nicht soweit sein. Ohnehin fehlen Daniel Halfar, der nächste Woche aber ins Mannschaftstraining einsteigen soll, Jaques Zoua („Bei ihm brauchen wir noch ein wenig Geduld.“) sowie die langzeitverletzten Sebastian Kerk, Kacper Przybylko und Mensur Mujdza.

Satt Heubach den kopfballstarken Stipe Vucur in eine mögliche Fünferkette einzubauen, könnte insofern Sinn machen, als dass bei Fürth vermutlich der wuchtige Serdar Dursun den gelbrotgesperren Serdan Sararer ersetzen wird. Gegen Sararer, der seinen Vorteil eher am Boden sucht, wäre Vucur wohl mehr Risikofaktor als stabilisierendes Element.

WAHRSCHEINLICH GILT: NEVER CHANGE A WINNING TEAM

Für die Viererkette spricht auch das gute, alte „Never change a winning team“, heißt: Korkut lässt wieder die Besetzung vom Bochum-Spiel ran. Die Mittelfeldraute ließe sich in Phasen, in denen der FCK zurückgezogener agieren will, auch in eine flache Formation verschieben. Dafür sich anbieten, nicht den defensivschwachen Zehner Stieber, sondern Stürmer Lukas Görtler auf die rechte Seite zu ziehen, der als Ackerer und Rackerer Rechtsverteidiger Philipp Mwene die größere Hilfe wäre. Das ergäbe dann ein 4-4-1-1:

Pollersbeck – Mwene, Koch, Ewerton, Aliji – Görtler, Ziegler, Moritz, Gaus – Stieber – Osawe.

Stand Freitag hatten sich 1113 FCK-Fans Tickets für das Spiel in Fürth gesichert, insgesamt rechnet der FCK mit rund 1500 Anhängern. Anlass zu überschäumender Euphorie sieht Tayfun Korkut nach dem zweiten Saisonsieg nicht: „Wir haben ein Spiel gewonnen. Und?“ Mit einem Sieg in Fürth könnte man einen weiteren Wettbewerber hinter sich lassen, um ins „gesicherte Mittelfeld“ zu kommen, denn „da wollen wir hin“. Andererseits: „Verlieren wir, geht’s gleich wieder in die andere Richtung.“ O ja.

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