Analyseblog: Einfache Gründe für einen erlösenden Auswärtssieg – mit noch viel Luft nach oben

Ein durch einen Sieg gestärktes Selbstvertrauen und der Vorteil, zum ersten Mal in dieser Saison zum zweiten Mal hintereinander mit der gleichen Besetzung beginnen zu können – das mögen keine tiefschürfenden Erkenntnisse sein, die ein gewonnenes Spiel erklären, lassen sich aber nicht wegdiskutieren beim Blick auf den 1:0-Sieg des FCK bei der SpVgg. Greuther Fürth. Dem, wen wundert’s angesichts der vergangenen Wochen, ersten Auswärtssieg dieser Spielzeit.

Ebenso wenig originell, aber zutreffend: Wenn es dann endlich mal wieder einigermaßen läuft, kehrt auch das Dusel in den entscheidenden Momenten zurück – und ein abgeblockter Ball landet wieder unmittelbar vor den Füßen des Angreifers. Dieses Quäntchen Glück bescherte vor fünf Spieltagen noch dem Heidenheimer Bard Finne die Möglichkeit, den frühen Führungstreffer gegen Lautern erzielen, an diesem Samstag kam mit Osayamen Osawe auch mal ein Lautrer in diesen Genuss.

OSAWE: IM ENTSCHEIDENDEN MOMENT DUSEL, ABER AUCH KLASSE

Der anschließende Wackler des Stürmers und der Schlenzer ins Netz haben allerdings mit Dusel nichts tun, da deutet sich schon Klasse an, die der Engländer hoffentlich bald auch kontinuierlich anbietet. In punkto Spielübersicht muss er sowieso noch zulegen, das hat er auch in Fürth gezeigt: Wie er bei einem Entlastungsangriff in der  Schlussphase wieder einmal eine „Hunderprozentige“ für die Seinen vereitelte, weil er sich lieber mittig vor dem Tor festlief statt nach rechts auf den vollkommen freistehenden Lukas Görtler zu passen – das war schon hart, und hätte der FCK noch den Ausgleich kassiert, gäbe es dringenden Gesprächsbedarf.

Auch sonst läuft im Lautrer Spiel längst noch nicht alles rund, doch gewinnt der Patient, der vor zwei Wochen noch fußballerisch und tabellarisch auf der Intensivstation siechte, zunehmend an Stabilität an Sicherheit. Freilich: Rund 70 Prozent Ballbesitz im fremden Stadion in der erste Hälfte, und dann so wenig Ertrag, nämlich null in erzählten Treffern und nur einer richtigen Torchance durch Görtler nach einem Freistoß von Zoltan Stieber – das ist noch ausbaufähig. Mehr als einmal ging im Gepasse der Zug zum Tor verloren – fast wie zu Runjaic-Zeiten.

DIE ABWEHR: DA WÄCHST ZUSAMMEN, WAS ZUSAMMENGEHÖRT

Dafür entwickelt sich der Defensivverband prächtig. In den vergangenen vier Partien hat der FCK aus dem Spiel heraus keinen Treffer mehr kassiert, lediglich das Freistoßtor in Braunschweig durch Nik Omladic. Mit Robin Koch und Ewerton wächst endlich eine spielstarke Innenverteidigung zusammen, auch wenn es immer noch zu Aussetzern kommt, wie etwa bei Kochs versäumtem Eingreifen gegen Veton Berisha in der 10. Minute, die dem Stürmer unnötig einen Ballgewinn im Strafraum ermöglicht – das hätte ums Haar den Fürthern den frühen Führungstreffer beschert, vollkommen überraschend nach zehn Anfangsminuten, in denen sie im Grunde gar nicht am Spiel teilgenommen hatten.

Und die ein oder andere Flanke weniger, vornehmlich von der linken Abwehrseite, darf es ebenfalls noch sein. Auch wenn sich Naser Alijis Aufwärtstrend erkennbar fortsetzt, er auch im Zweikampf zusehends souveräner wirkt.

VORNE WIRD GUT GEARBEITET, ABER MEHR TORGEFAHR DARF NOCH SEIN

Lobenswert auch die konzentrierte und taktisch gute Defensivarbeit der breit aufgestellten Stürmer. Diese ist, wie schon öfter ausgeführt, unerlässlich, um im 4-4-2 mit Raute die Flügel dicht zu bekommen. Doch trotz aller Fleißkärtchen, die sich Görtler dabei verdient, muss leider auch konstatiert werden: Torgefährlich ist der Junge nicht, und mit Blick auf die nächste Zukunft muss schon die Frage gestellt werden, wer außer Osawe denn überhaupt mal ein Tor für den FCK schießen soll.

Der Engländer hat nun fünf der bislang acht Saisontreffer erzielt, und die letzten vier allein. Da bleibt im Moment nur, auf die baldige Rückkehr von Jaques Zoua und/oder Kacper Przybylko zu hoffen. Beide könnten als Partners Osawe in dieser Spielart des 4-4-2 gut geeignet sein, da sie die Flügel ausweichen und attackieren können, und gegebenenfalls für mehr Gefahr im gegnerischen Luftraum zu sorgen, denn der fehlt es ebenfalls noch viel zu oft.

TROTZ TORVORLAGE: ZEHNER STIEBER MUSS NOCH ÖFTER IN DIE SPITZE

Auch Stieber hat auf seiner Position noch jede Menge Luft nach oben. Die Rautenanordnung im Mittelfeld ist ja quasi für den Zehner gemacht, und die breit operierenden Stürmer bieten ihm jeden Menge Raum, selbst in die Spitze zu gehen – den nutzt er noch viel zu selten bis gar nicht. Dass Stieber den Siegtreffer vorbereitete, soll allerdings nicht vergessen werden.

Und für alle, die jetzt meinen, der Blogwart hätte an diesem schönen Sieg, an diesem schönen Sonntag zudem, schon wieder zu viel herumgemeckert – hier der Clip von Christoph Moritz‘ Samba-Nummer aus der 14. Minute. Auch das ehemalige Schalker Toptalent kommt übrigens immer besser ins Spiel, hat aber längst noch nicht seine  Endausbaustufe erreicht.

 

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