Extrablog: Harrys Locken sind fürs FCK-Museum verloren, aber: „Mit Laufbereitschaft und Kampfgeist geht immer noch was“

Nur wenige nutzen das Angebot bislang, viele wissen es vielleicht gar nicht: Zwei Stunden vor jedem Heimspiel öffnet im Block 18 der Osttribüne das FCK-Museum. Da gibt’s unter anderem den original Schreibtisch des großen Fritz zu sehen, eine Armbanduhr, die Kalli Feldkamp gestiftet hat, die Tore vom 7:4 gegen Ihr-wisst-schon-Wen laufen in Endlosschleife – und aktuell ist auch eine Replik der Meisterschale von 1991 aufgebaut worden, in Erinnerung an den 25. Jahrestag des Triumphes aus einer Zeit, in dem es im deutschen Fußball noch Sensationen gab. Wer Glück hat, der trifft in den im Vintage-Stil gehaltenen Räumlichkeiten auch mal eine lebende Legende. Harry Koch zum Beispiel. Okay, die heute 46-jährige Ikone der FCK-Defensive war zum Heimspiel gegen Bielefeld auch gekommen, um RPR ein Interview zu geben und an den DFB-Pokalsieg von 1996 zu erinnern, der heuer sein 20-jähriges feiert – „nahbar“, wie er schon war, als PR-Fuzzis  diesen Ausdruck noch gar nicht erfunden hatten, plauderte er aber ebenso mit anderen Museumsgästen. Sogar mit dem Blogwart.

Harry, wann ist bei dir eigentlich die Lockenpracht gefallen?

Irgendwann nach meinem Karriereende 2006. Das kam so mit der Zeit und dem Alter.

Hast du wenigstens eine aufgehoben? Dem FCK-Museum fehlt es noch ein wenig an Exponaten aus der Zeit der Deutschen Meisterschaft von 1998. So eine original Harry-Locke hinter Glas, das wär doch was.

Leider nein. Ich ziehe aber gerade um, da ist es einiges aus der Zeit zum Vorschein gekommen. Vielleicht auch was, was ich hier im Museum abgebe.

1995 bist du zum FCK gekommen, 1996 bist du Pokalsieger geworden. Was sind die ersten Erinnerungen an diese Zeit?

Wie sich die Fans damals uns gegenüber verhalten haben. Wir sind ja eine Woche, bevor es nach Berlin zum Pokalfinale nach Berlin ging, aus der Ersten Liga abgestiegen. Dann gewinnen wir da 1:0, kommen zurück nach Hause, und was die Fans da abgezogen haben, gerade mal eine Woche nach dem Abstiegsfrust – wahnsinnig.

Wie wichtig war der Pokalsieg für das, was danach kam?

Das Umfeld stand wieder voll hinter uns, und auch der Mannschaft ist bewusst geworden, dass sie zusammenhalten muss. Es hat dann, trotz des Abstiegs, kaum einer den Klub verlassen. Wir sind weiter zusammengewachsen, nach einem Jahr in die Bundesliga zurückgekehrt – und direkt zur Deutschen Meisterschaft durchmarschiert. Das hatte es noch nie gegeben.

Und was sind die ersten Momente, die du aus der Meistersaison erinnerst?

Die beiden Siege gegen den FC Bayern natürlich. Die haben wir in dieser Saison zwei Mal geschlagen. Davon kann die Konkurrenz heute nur noch träumen.

Triffst du noch regelmäßig Mitspieler von damals?

Die, die hier in der Region geblieben sind, auf jeden Fall: Thomas Riedl, Ratinho, Olaf Marschall. Vor ein paar Tagen haben wir uns mal wieder alle gemeinsam getroffen, da kam Miro Kadlec sogar extra aus Tschechien angereist.

Redet Ihr da auch über den FCK von heute?

Ja, auch. Aber mehr noch schwelgen wir in Erinnerungen.

Würde die Truppe von heute denn von Euch mal ein paar klare Worte annehmen?

Warum nicht? Wir sind damals auch in die Stadt gegangen und haben den Fans Rede und Antwort gestanden – selbst in schwierigen Zeiten. Vielleicht ist ja genau das, was heute ein bisschen fehlt.

Wen aus deiner Truppe damals könnte der FCK heute am besten gebrauchen?

Na, ja, da ein Torjäger fehlt, würde ich sagen: den Olaf.

Dessen Sohn spielt leider kein Fußball.

Ist halt nicht jedem gegeben.

Deiner dagegen hat es jetzt ins Profiteam geschafft. Wie stolz ist man denn da als Papa?

Man freut sich natürlich, wenn der Sohn in die eigenen Fußstapfen tritt. Ich will aber nicht, dass Robin immer nur an mir gemessen wird. Er soll seinen eigenen Weg gehen.

Im Interview mit dem Blogwart hat Robin unlängst auch gesagt, dass der Papa gar nicht so ist wie andere, die meinen, am besten zu wissen, wie der Junge in seinem Sport vorwärts kommen soll.

Ich hab Robin nie gedrängt, Profifußballer zu werden. Sein Ehrgeiz kam immer aus ihm  selbst, und so muss das auch sein. Zu versuchen, ihn in eine Schiene zu drängen, wär ein Riesenfehler gewesen. Wenn ich es für richtig halte, sag ich ihm auch mal was, aber große Ratschläge braucht der nicht von mir, der ist auch so clever genug.

Der Fußball hat sich in den letzten Jahren unheimlich verändert. Wie würde ein Typ wie du heute da zurechtkommen?

Klar haben wir andere Systeme gespielt. Dreierkette mit Libero, dann ging Miro auch mal vor die Abwehr, da waren wir hinten nur noch zweit. Und der Fußball ist auch schneller geworden, das stimmt schon. Aber über Laufbereitschaft und Kampfgeist geht immer noch viel, da könnte der Harry Koch von vor 20 Jahren sich schon noch behaupten.

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