Vorschaublog: Pollersbeck will dritten Sieg in Serie – und „I muss zuschaun, doss I koan Tor kriag“

Da kann sich die Fußballwelt so globalisiert aufstellen, wie sie will – der Charme eines kernigen Dialekts wird ewiglich ungebrochen bleiben. So wäre der großen Verteidigungsrede des Freiburger Trainers Christian Streich für seinen Kollegen Roger Schmidt unlängst nur halb so viel Zauber beschieden gewesen, hätte er sie nicht in  Badenserisch gestaltet.

Die Medienvertreter am Betzenberg durften sich zur turnusgemäßen Spielankündigungs-PK unlängst am Ösi-Idiom des dunkelhäutigen Wieners Philipp Mwene erfreuen. Vor der Partie gegen Union Berlin am kommenden Samstag (13 Uhr) gab’s jetzt ein paar Brocken oberbayrisch zu lernen – von niemand geringeren vorgetragen als dem gebürtigen Altöttinger Julian Pollersbeck, Lauterns Senkrechtstarter auf der Torhüterposition in dieser Saison.

IM 21. JAHRHUNDERT SIND BEIM KEEPER AUCH FELDSPIELERQUALITÄTEN GEFRAGT

Auch die Anforderungen ans Spiel der Keeper sind in den vergangenen Jahren höher geworden. Klar sind gute Reflexe auf der Linie weiter unentbehrlich, Strafraumbeherrschung ist nach wie vor ein Qualitätssiegel, aber: Der Keeper soll und muss jetzt auch mitspielen können, und zwar richtig, das heißt, nicht nur im Gerry Ehrmann-Stil rauspreschen und ausputzen, wenn der Gegner durch ist, sondern nach Möglichkeit eine echte, permanente Anspielstation für die Hintermannschaft darstellen.

Pep Guardiola, der Wegweiser in die fußballerische Neuzeit, sieht vor allem auch einen psychologischen Vorteil darin, wenn die Jungs in der letzten Linie unter Druck geraten, aber wissen, hinter ihnen steht einer, der kann auch der Ball annehmen und weiterspielen, wenn’s eng wird.

Julian Pollersbecks Fähigkeiten in dieser Beziehung sind sicher noch nicht komplett ausgereift, aber offenkundig besser ausgeprägt als bei verschiedenen seiner Vorgänger im FCK-Tor. Woran das liegt?

IN DER JUGEND VERTEIDIGER, SECHSER, STÜRMER – TROTZDEM GEHTS UMS BÄLLE HALTEN

Bis zum 16. Lebensjahr hat er immer auch mal im Feld gespielt, „Außenverteidiger, Sechser, Stürmer, was halt so anfiel. War nicht hochklassig, aber ich habe meine Erfahrungen gesammelt.“ Dass heutzutage auch „feldspielerische Qualität“ verlangt werde, habe sich eben so entwickelt, aber „grundsätzlich geht es für den Torhüter immer darum, Bälle zu halten.“

Und das macht der 22-jährige seither recht gut. Seit dem Platzverweis der vorgesehenen  Nummer 1 André Weis am vierten Spieltag gegen Sandhausen (0:2) steht Pollersbeck im Kasten. Trainer Tayfun Korkut ließ den 22-jährigen auch nach Ablauf der Zwei-Spiele-Sperre für Weis in der Startelf. Weshalb?

Ganz einfach: „Er hat seine Sache ordentlich gemacht. Das passiert nun einmal im Fußball, dass ein junger Keeper auf diese Weise seine Chance bekommt, da steht man dann als Trainer vor der Entscheidung, wie man weiterverfährt. Ich habe mich entschieden, und er hat dieses Vertrauen zurückgezahlt. Außerdem strahlt er für seine Jugend schon eine gewisse Ruhe aus“, und vor allem deswegen sieht der Trainer auch kein Problem darin, hinter seiner recht jungen Abwehrreihe noch einen 22-jährigen zu bringen.

Pollersbecks Qualitäten hat auch ein gewisser Stefan Kuntz erkannt, der den Keeper zwischenzeitlich auch für die U21-Nationalmannschaft nominierte.

DIE STARTELF BLEIBT – ABER AUCH DIE RAUTE?

Zuletzt gewann der FCK zwei Spiele hintereinander. „Das war wichtig fürs Selbstvertrauen, aber wir dürfen uns jetzt nicht ausruhen“, gibt der Keeper die Richtung fürs Heimspiel gegen Union Berlin vor, für das am Donnerstag erst knapp 18.000 Tickets abgesetzt waren. Mit Alex Ring und Kacper Przybylko hat der Trainer nun wieder zwei Alternativen, die zuletzt fehlten. Was besonders für Przybylko erfreulich: Er hat nach Monaten, in denen er ausgefallen war, nun wieder eine Woche voll mit der Mannschaft trainiert. Die angeschlagenen Jaques Zoua, Tim Heubach und Daniel Halfar dagegen regenerierten ebenfalls gut, für sie aber kommt das Samstagsspiel noch zu früh.

Mehr als ein Platz auf der Bank dürfte allerdings auch für die beiden Rückkehrer nicht drin sein, denn: „Ich hätte nichts dagegen, die gleiche Mannschaft auch im dritten Spiel hintereinander auf Platz zu schicken und zu gewinnen“, kündigt der Trainer ungewohnt offen an. Und „wenn in den nächsten Stunden nichts mehr passiert“, werde dies auch der Fall sein.

Lediglich hinter die 4-4-2-Formation mit Raute setzt Korkut ein Fragezeichen. Die Stamm-Startelf, die sich zuletzt gefunden habe, biete nämlich „aufgrund der Eigenschaften dieser Spieler“  den Vorteil, dass sie „mehrere Grundordnungen“ erlaube, die sich auch während des Spiels noch variieren ließen. „Wir werden den Gegner nochmal analysieren und dann entscheiden, welche Grundordnung am Samstag die richtige ist.“ Die Berliner, aktuell Tabellenvierter, aber zuletzt durchaus auch höher orientiert, sieht der Coach „uns in der Entwicklung einen Tick voraus.“

„WIR SIND NOCH NICHT IN DER KOMFORTABLEN ZONE“

Was für den FCK in dieser Saison drin sei, werde sich „in den nächsten Spielen entscheiden. Ich kann die Tabelle sehr gut lesen, wir sind immer noch nicht in der komfortablen Zone“, auch der Abstand nach hinten sei für den gegenwärtigen Tabellen-12. noch immer sehr gering.

Auf jeden Fall muss Korkut nicht befürchten, dass sein Torhüter das Nervenflattern kriegt. Wie groß der Unterschied zwischen der Regionalliga, wo die U23 des FCK kickt, und der Zweiten Liga denn sei, wird Julian Pollersbeck am Ende der PK gefragt. Die Antwort gibt der Blogwart, so gut er kann, im Originalton Süd wieder:

„Es soan halt drei Kameras und a poar Leit mehr im Stadion, aber der Boll is immer noch rund –  und I muss zuschaun, dass I koan Tor kriag.“

Dass ist vielleicht der Dialekt, aber der Geist, den es am Betzenberg braucht.

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