Analyseblog: Nächste Länderspielpause, nächste Zäsur – Wie sieht’s denn jetzt aus mit unserer „To do-Liste“?

In der letzten Länderspielpause wagte sich der Blogwart an eine „To-Do-Liste“, die alles aufzählen sollte, was beim seinerzeit auf Tabellenrang 16 dahinsiechenden 1. FC Kaiserslautern besser werden musste. Seither sind vier Spieltage vergangen. Die Ergebnisse: 0:1, 3:0, 1:0, 1:0. Zuletzt also drei Siege in Serie, nur ein Gegentreffer in vier Spielen, und der resultierte aus einem direkt verwandelten Freistoß. Offenbar also ist  einiges besser geworden – und für den Blogwart ein Anlass, seine Liste nochmal Punkt für Punkt durchzugehen. Und alles ein wenig differenzierter betrachten, als es der Blick auf die nackten Endergebnisse erlaubt.

  • Die Kopfballschwäche. Hinten von elf Gegentreffern fünf per Kopf kassiert, vorne von erbärmlichen vier Toren zwei mit der Stirn erzielt – so lautete die Bilanz nach acht Spieltagen. In den vergangenen vier Partien: Ein Gegentreffer, null per Kopf, fünf erzielte Treffer, eins per Kopf. Liest sich doch schon viel besser. Hinten sicher ein Verdienst der neuen Innenverteidigung Robin Koch/Ewerton, die diese vier   Partien komplett durchspielte – das schafft Sicherheit. Auch wenn keiner der beiden der brutale Kopfballabräumer ist. Doch wie sagte schon der dickste alles deutschen Bundeskanzler: Wichtig ist, was hinten rauskommt – und stand zuletzt die Null. Vorne freilich fehlt es nach wie vor an Lufthoheit, Osawes Kopfballtreffer gegen Bochum war wahrlich kein Ruhmesblatt für  VfL-Keeper Manual Riemann. Um nach Eckbällen besser zum Erfolg zu kommen, experimentiert Trainer Tayfun Korkut derzeit mit kurzen Ecken, meist ausgeführt von Christoph Moritz und Zoltan Stieber. Aktueller Bearbeitungsstatus: noch ziemlich ausbaufähig.
  • Die Außenbahnen. Die Verteidiger Philipp Mwene und Naser Aliji haben sich gefestigt, sind allerdings von eher schmächtiger Statur, werden beim Einrücken also auch künftig immer mal Probleme mit physisch stärkeren Kontrahenten haben. Dafür können sie Fußball spielen und flanken. Für die Flankengewitter, die sich die Gegner in den ersten acht Spielen in den FCK-Strafraum erlauben durften, waren sie ohnehin nicht allein verantwortlich, es fehlte ihnen an Unterstützung auf den Seiten. Das hat sich jetzt wesentlich verbessert – siehe folgenden Punkt.
  • Das 4-4-2 mit Raute. Die Grundordnung ermuntert den Gegner im Grunde, über die Flügel zu kommen. Dass die Seiten dennoch nun wesentlicher dichter sind als in den ersten Saisonspielen, liegt am Sturmduo, das sich sehr breit anordnet, so dass es auch die gegnerischen Außenverteidiger attackieren kann. Höchst erfreulich entwickelt hat sich vor allem Lukas Görtler, der diese taktische Aufgabe hervorragend erfüllt und auch zunehmend passsicherer wird. Zudem nutzt Korkut das wachsende Spielverständnis in seiner Mannschaft, sein System während einer Partie mehrmals zu variieren. Gegen Berlin spielte der FCK nacheinander 4-4-2 mit Raute, 4-2-3-1, 4-4-2 flach und schließlich 4-5-1, und immer hat es zur jeweiligen Situation gepasst. Wird hochinteressant zu verfolgen, wie sich diese neue Flexibilität weiterentwickelt.
  • Keine Knipser. Von den fünf Treffern der vergangenen vier Spiele hat Osayamen Osawe vier erzielt. Noch Fragen? Doch, schon, aber erst mal Entschuldigung, dass der Blogwart den Jungen in den vergangenen Wochen verbal so verprügelt hat, obwohl: Vorm Tor seine besser postierten Mitspieler sehen, das könnte er nach wie vor. Und jetzt die Frage: Was passiert, wenn der neue Torjäger mal ins Leistungsloch fällt? Wär bei einem 22-jährigen, der seine erste Zweitligasaison spielt, keine Schande, für den sich gerade stabilisierenden FCK aber fatal. Deswegen: Gut, dass Kacper Przybylko und Jaques Zoua jetzt zurückkommen. Denn bei allem Respekt vor Görtlers Entwicklung: Tempodribbling und Torejagd dürften auch künftig nicht sein Ding werden. Talent Robert Glatzels Problem dagegen ist derzeit Korkuts 4-4-2 mit breit aufgestellten Stürmern: Die 22-jährige 1,93 Meter-Kante, die in der U23 in 13 Spielen schon elf Mal genetzt hat, ist ein reiner Zentrumsspieler, wird seine Chance daher bis auf weiteres wohl als Joker suchen müssen, wenn der FCK zurückliegt. Hat er zuletzt aber nicht.
  • Die Innenverteidigung. Siehe oben, unter „Kopfballschwäche“. Nach Vucur, Ziegler oder Heubach heißt es nun Koch und Ewerton – und alles ist gut. Zurzeit jedenfalls. Vor allem die Fehlerbehaftung bei Pässen aus der Abwehr hat drastisch abgenommen. Doch auch hier sei die Frage gestattet: Was, wenn Robin Koch mal einen für sein Alter verständlichen Durchhänger hat? Sportdirektor Uwe Stöver hat vor der Saison mal erklärt, neben einem richtig guten Innenverteidiger könnten auch Vucur und Heubach gut aussehen. Den haben sie mit Ewerton ja jetzt. Hoffentlich bleibt der Brasilianer gesund.
  • Die Mittelachse. Da sind selbst das Blogwarts kühnste Erwartungen übertroffen worden. In den vergangenen vier Wochen hat sich nicht nur eine Mittelachse  herausgebildet, eine komplette Startelf durfte drei Spiele hintereinander auflaufen! Das schafft Stabilität, und die Ergebnisse sprechen sich für sich. Aber nur zum Schwärmen ist der Blogwart auch nicht da. Patrick Ziegler räumt auf der Sechs klasse ab, aber sein Passspiel nach vorne schwächelt nach wie vor erheblich. Und Stieber muss aus seiner Zehner-Position noch viel, viel mehr machen, vor allem auch mal zum Vollstrecker werden. Und Moritz sorgt mittlerweile immer wieder für spielerische Highlights, ist aber längst noch nicht über die vollen 90 Minuten präsent. Gut, dass Daniel Halfar nun wieder zurückkommt.

Das wär’s dann. Das heißt: Eins noch, was nicht auf der letzten To-Do-Liste stand.

Seit das Thema auf den PK’s mehrmals angeschnitten wurde, wird viel über Julian Pollersbecks Abschläge geredet und geschrieben. Von wegen, dass sie so ungezielt wären und immer mal verunglückten.

Dazu das: Pollersbeck handelt auf Traineranweisung, wenn er lange Abschläge auf die Flügel haut – und das Risiko, dass diese ins Aus gehen, ist nun mal höher, als wenn er die Bälle mittig nach vorne prügelt. Dennoch ist die Masche nicht blöd, wenn man keine Kante im Sturmzentrum hat, die gegen die Kanten in der gegnerischen Innenverteidigung Flugbälle festmachen kann. Außen dagegen haben die Stürmer vielleicht nur einen kleiner gewachsenen Außenverteidiger gegen sich, oder aber ein Innenverteidiger folgt ihnen auf die Seite, und es kommt zu Unordnung im gegnerischen Abwehrverbund, falls der Abschlag in die Mitte weitergeleitet werden kann. Selbst, wenn er Ball im Aus landet und es Einwurf für den Gegner gibt, ist das nicht unbedingt ein Nachteil: Wenn die Mannschaft kollektiv in Ballnähe aufrückt und in der Wurfzone eng markiert, lässt sich vielleicht doch noch ein Ballgewinn in Gegners Hälfte realisieren. Die Masche hat Tayfun Korkut übrigens nicht erfunden, die hat beispielsweise auch schon Marco Kurz am Betzenberg praktiziert.

Und zweitens: Grundsätzlich ist bei einem erst 22-jährigen Torhüter nichts so gut, als dass es nicht noch besser werden könnte. Was, bei genauerer Überlegung, auch ganz generell für einen Zweitligisten gilt.

 

Ein Gedanke zu “Analyseblog: Nächste Länderspielpause, nächste Zäsur – Wie sieht’s denn jetzt aus mit unserer „To do-Liste“?

  1. Gelungene Analyse, werter Kohlmeyer. Hoffen wir, dass die Mannschaft nach der LSP-Pause nicht nur nicht ihren Drive verliert sondern im Gegenteil, noch gefestigter und weiter verbessert auftritt. Ich persönlich bin da guter Dinge. Die Arbeit Tayfun Korkuts knospt und wird Früchte entwickeln.

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