Gegnerblog: Es ist November und Coach Kosta sitzt noch auf der Löwenbank – ein Vorweihnachtsmärchen?

Ach, der Coach Kosta. Was haben FCK-Fans über ihn und sein Spiel diskutiert, als er von September 2013 und bis September 2015 Cheftrainer am Betzenberg war. Über den von ihm propagierten „Ballbesitzfußball“ – oder „Tiki-Taka“, wie er in der bescheuerten Version heißt –, der so oft zu nichts führte. Und seine Kritiker hatten es ja auch einfach, die nackten Fakten zu nennen. Zwei Mal hat er den Aufstieg nicht gepackt, und das mit Spielerkadern, die es durchaus hätten packen können – doch, dergleichen durfte man damals noch behaupten. Am Montagabend (20.15 Uhr) sitzt Kosta Runjaic bei Lauterns Gegner auf der Bank, dem TSV 1860 München, einem Klub, dem der Pfälzer Anhang seit jeher freundschaftlich zugeneigt ist.

Der Blogwart gibt zu: Er gehörte zu dem kleineren Lager, das Coach Kosta zugeneigt war. Weil er sich getraut hat, den aktuellen „State of the Art“ moderner Spielkultur ausgerechnet in Kaiserslautern etablieren zu wollen, wo viele immer noch glauben, das Postulat vom „Über-den-Kampf-zum-Spiel-Finden“ sei ein sich selbst tragendes Fußballverständnis. Okay, die Runjaicschen Passorgien versandeten einige Male in gepflegter Langeweile, bis der Gegner mit einer einzigen gelungenen Aktion zum entscheidenden Schlag holte, die Faktenfreunde sollten aber auch sehen: Unter Runjaic war der FCK mal saisonübergreifend 21 Heimspiele lang ungeschlagen.

BEI ISMAIK MÜSSEN LÖWEN AUCH SCHON MAL UM IHR LEBEN LAUFEN

Im Sommer hieß es nun also für Coach Kosta: Auf nach München, zum TSV 1860. Der Klub, der seit 2011 an der Moneten-Pipeline des jordanischen Öl- und Immobilienmilliardärs Hasan Ismaik hängt. Der omnipotente Sponsor redet in Interviews gerne davon, dass er die Sechziger in die Champions League führen möchte. Ein funkelnagelneues Stadion für 52.000 Fans will er ihnen auch bauen, dafür allerdings fordert er die Spieler via Facebook  schon mal auf, „um ihr Leben zu laufen.“ Von einem, der aus einem Land kommt, in dem der Umgang mit Menschenrechten von Human Rights Watch und Co. eher problematisch gesehen wird, klingt das… na, ja…

Vor über einem Jahr noch war Ismaik kurz davor, Startrainer Sven-Göran Eriksson zu den Löwen zu lotsen. Gegen solche Kaliber wirkt Coach Kosta reichlich unglamourös, entsprechend skeptisch wurde er in der Weltstadt München aufgenommen – und es war klar, dass es schnell schwer würde für ihn, wenn er nicht direkt Erfolg hatte. Was sich auch statistisch belegen ließ: Die letzten vier – vier! – Trainer, mit denen die Sechziger in die Saison starteten, durften sich schon Anfang November von ihrer Abfindung einen langen Winterurlaub im sonnigen Süden buchen.

WEN KÜMMERT’S, WEN DER EWALD MOTZT?

Doch die Kohle war ja da – und mit der musste der schnelle Erfolg doch möglich sein. Für drei Millionen Euro holten die Löwen Stefan Aigner aus Frankfurt zurück, 2,5 Millionen überwiesen sie für das brasilianische Sturmtalent Ribamar. Beträge, mit denen in der Zweiten Liga bislang nur ein bestimmter Brauseverein jonglierte, was Pauli-Trainer Ewald Lienen, einen der letzten überzeugten Sozialisten im bezahlten Fußball, schon mal maulen ließ:„Was bei 1860 passiert, ist für mich viel schlimmer als bei RB Leipzig. Da wird irgendeine Schatulle geöffnet und schnell mal drei Millionen Euro für Aigner auf den Tisch gelegt. Das ist der falsche Weg. Da hängt man an einem Tropf eines Investors – das hat mit kontinuierlicher Entwicklung nichts mehr zu tun.”

Was soll’s. Denen, die die Knatter haben, ist dieses Gemotze doch egal. Allerdings: Erfolg hatten die Löwen bislang dennoch nicht. Am dritten Spieltag gab’s mal einen Auswärtssieg in Nürnberg, als dort aber auch noch nichts zusammenlief. An Spieltag 11 ließ 60 mal mit einem 6:2 über Aue aufhorchen, ansonsten hagelte es Pleiten. Zwischen Spieltag 7 und 10 gleich vier in Folge. Doch das Vorweihnachtswunder ist geschehen: Mittlerweile ist Mitte November – und Coach Kosta sitzt immer noch auf der Löwen-Bank.

TEURE SPIELER NUTZEN NICHTS, WENN SIE VERLETZT SIND

Wer jetzt allerdings mit dem 1000-Mal widerlegten Rehhagel-Bonmot „Geld schießt keine Tore“ kommen möchte, sollte sich zurückhalten. Es spielt keine Rolle, wie teuer Spieler sind – wenn sie zu Saisonbeginn nicht zu einem funktionsfähig einander zuarbeitenden Kollektiv zusammengeführt werden können, finden sie sich ratzfatz hinten in der Tabelle wieder. Das zeigt ein Blick auf die Erste wie auf die Zweite Liga, das hat man beim FCK gesehen, das gilt für die Sechziger nicht minder.

Ribamar hat verletzungsbedingt noch gar nicht gespielt, Aigner kaum, die Leihgabe Andrade aus Lissabon hat sich auch schon wieder verletzt, Kai Bülow, jahrelang in der Innenverteidigung gesetzt, hat nicht zu seiner Form gefunden und wurde mittlerweile in die Zweite Mannschaft abgeschoben. Und das sind nur die augenfälligsten Beispiele dafür, dass es Coach Kosta bislang noch nicht möglich war, eine stabile Formation zu finden.

Hingegen hat sich der Ex-Lauterer Rodnei, dessen Weg über die Rotbullenvereine nach München geführt hat, wieder ins Licht gespielt. Der andere ehemalige FCK’ler, Stefan Mugosa, betätigt sich bislang nur als Kurzarbeiter. Milos Degenek, der australische Innenverteidiger, an dem Lautern im Sommer angeblich interessiert war, hatte sich nach mehreren Startelfeinsätzen hintereinander ebenfalls verletzt und muss nun erst wieder Anschluss suchen.

HAT RUNJAIC IN DER LÄNDERSPIELPAUSE ENDLICH SEIN GERÜST GEFUNDEN?

In der Länderspielpause hoffen die Münchner nun endlich ein Grundgerüst gefunden zu haben, mit dem sich der weitere Saisonverlauf erfolgreicher angehen lässt. Die Zuversicht gründet auf einem überzeugenden 3:0 im Testspiel gegen den Erstligisten Ingolstadt, der da übrigens von einem gewissen Michael Henke interimsgecoacht wurde. Dem ist mittlerweile ein ziemlich mühsames 3:2 gegen Bayernligist Heimstetten gefolgt – auch wenn sich in dem Test Stefan Aigner zurückmeldete.

Im Ingolgstadt-Kick spielten sich einige in den Fokus, bei denen es zuletzt nicht oder noch nicht lief: Nico Karger etwa, dem zwei Tore glückten, Marnon Busch und Levent Aycicek. Auch Karim Matmour, ein weiterer Ex-Lauterer, hat sich für einen Einsatz gegen seinen alten Arbeitgeber empfohlen. Und Abwehrtalent Felix Weber (21) könnte nun Rodnei verdrängen und zusammen mit Felix Uduokhai (19) die Löwen-Innenverteidigung der Zukunft bilden.

Was aus Coach Kostas Faible für „Ballbesitzfußball“ geworden ist? „Der ist was für Mannschaften, die eine hohe Qualität mitbringen“, hat er mittlerweile verlauten lassen. Heißt wohl: Der ist nicht mehr in jedem Fall und nicht mehr allzu exzessiv zu erwarten. Von seinem in den ersten Spielen bevorzugten 4-1-4-1 mit weit aufrückenden Außenverteidigern ist er zuletzt auch abgerückt. Gegen Aue und bei der 2:3-Niederlage in Sandhausen setzte Coach Kosta auf ein 4-4-2, vorne mit den bekannten Routiniers Ivica Olic und Sascha Mölders. Ja, auch die kann sich Herr Ismaik locker leisten.

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