Vorschaublog: Auf Ewerton vertrauen zu können, ist wichtiger als irgendeine Statistik

Erstaunlich, wie wenig Spiele ein guter Kicker braucht, um sich in einem Team unentbehrlich zu machen. Gerade mal vier Einsätze hat Lauterns Brasilianer Ewerton in der Saisonstatistik stehen – doch dem FCK-Anhang grausts bereits vor der Vorstellung, der umsichtige Abwehrchef könnte am Montagabend (20.15 Uhr) in München beim Gastspiel gegen den TSV 1860 München fehlen.

Am Mittwoch hat Ewerton im Training einen Schlag auf den Fuss bekommen, musste auf dem Spann genäht werden – für einen Fußballer eine denkbar ungünstige Stelle für eine Fleischwunde, zumal „auch die Gefahr einer Entzündung besteht“, wie FCK-Trainer Tayfun Korkut in der Pressekonferenz zum Spiel erklärte. Ewerton wurde aus dem Mannschaftstraining genommen und im Kraftraum fitgehalten. Nach ersten Meldungen, dass er die Reise nach München wohl nicht mitmache, macht sich mittlerweile verhaltener Optimismus breit, dass es doch für einen Startelf-Einsatz reichen könnte.

DIE ZAHLEN SPRECHEN FÜR IHN – SEIN SPIEL NOCH MEHR

Dass Lautern ungern auf ihn verzichtet, lässt sich schon anhand nackter Zahlen verdeutlichen. In den vier Spielen, in denen der Brasilianer gemeinsam mit Robin Koch die Innenverteidigung bildete, hat der FCK lediglich ein Freistoßtor kassiert, die letzten drei Spiele in Serie gewonnen. Erster Nachrücker als Innenverteidiger war zuletzt Stipe Vucur, der bekanntlich Probleme am Boden hat, dafür aber als stärkster Kopfballspieler der Pfälzer gilt. Doch auch da hat ihm Ewerton laut Statistik bereits den Rang abgelaufen. 75 Prozent seiner Kopfballduelle hat er gewonnen, das sind vier Prozentpunkte mehr als bei Vucur.

Diese Woche hat auch Tim Heubach nach zwei Wochen Pause wieder mit der Mannschaft trainiert, so dass auch er als Ewerton-Ersatz zur Disposition steht. Vor seiner Verletzung stand er im internen Innenverteidiger-Ranking vor Vucur, weist mit 87 Prozent auch eine um vier Prozent bessere Passquote aus, an die Ewertons aber reicht sie nicht heran: 91 Prozent seiner Abspiele finden den eigenen Mann.

Die eigentlichen Qualitäten der Leihgabe aus Lissabon lassen sich statistisch jedoch nicht erfassen. Er lebt vom Stellungsspiel, vom Vorausahnen der Situationen, weswegen er sich gar nicht so vielen Zweikämpfe stellen muss. Die Art zu spielen ist für die Zweite Liga in Deutschland untypisch, und gerade für einen, der zuletzt in Portugal kickte, ist die Umgewöhnung groß, wie er selbst unlängst erklärte: „Portugal liegt zwar in Europa, aber dort wird eher südamerikanisch gespielt, also mit viel weniger Tempo und Zweikampfhärte.“ Dass er bislang dennoch gut zurecht kam, macht seine eigentliche Qualität aus.

HALFAR IST WIEDER FIT – ABER SOLL GAUS WIRKLICH RAUS?

Kann Ewerton spielen, spricht alles für die Formation, die bereits vor der Länderspielpause drei Mal hintereinander unverändert auflief und drei Mal gewann – obwohl Korkut, wie immer, betont, sich das letzte Wort bis nach dem Abschlusstraining vorzubehalten. Wobei auch Kapitän Daniel Halfar wieder fit wäre. Er hat ebenfalls die komplette Woche mit der Mannschaft trainiert, ist dem Coach zufolge jedoch noch nicht ganz bei 100 Prozent.

Grundsätzlich ist Halfar als linker Eckpunkt in der Mittelfeldraute die organischere Lösung als der gelernte Außenbahnspieler Marcel Gaus, doch das Korkut es übers Herz bringt, dieses Mentalitätsmonster aus der Startelf zu nehmen, darf bezweifelt werden. Gerade zuletzt gegen Union Berlin war Gaus 71 Minuten lang spielerisch nicht viel gelungen – aber dann war’s doch der unermüdliche Rackerer, der das Tor des Tages machte.

Sturm-Alternative Kacper Przybylko, der sich in der Schlussphase gegen Union nach langer Pause gerade erst zurückmeldete, hat sich dagegen erneut verletzt und leistet mittlerweile wieder Mensur Mujdza und Sebastian Kerk in der Reha Gesellschaft. Jaques Zoua sieht der Trainer weiterhin auf einem guten Weg, ein Startelf-Einsatz allerdings scheint noch nicht angezeigt.

GÖRTLER: „WIR WOLLEN DREI PUNKTE, EGAL WO UND GEGEN WEN“

So dass auch Lukas Görtler seinen Platz als zweiter Stürmer neben Osayamen Osawe wohl behalten wird. Es sei denn, Korkut bringt Halfar doch und stellt wieder auf 4-2-3-1 um. Für den gebüriger Bamberger läuft seine zweite Profisaison beim FCK bislang prächtig, nach zwölf Spieltagen stand der 22-jährige schon neun Mal in der Startelf, einmal mehr als in der gesamten vorigen Saison.

Dass Görtler bislang noch keinen Treffer erzielt hat, liegt auf jeden Fall nicht am fehlenden Selbstvertrauen, wie sein Statement zum Spiel zeigt. Nein, es interessiere ihn nicht, dass es an seiner alte Wirkungsstätte nach München zurückgehe: „Wir wollen drei Punkte, egal wo und gegen wen.“

Von ihren letzten sechs Gastspielen bei den Löwen haben die Roten Teufel übrigens keines verloren. Allerdings hat der Verlauf dieser Spielzeit bislang gezeigt, dass solche Zahlenreihen keine Aussagekraft haben. „Mindestens 764 FCK-Fans“ werden laut Pressesprecher Stefan Rosskopf in München dabeisein – die Zahl sollte für die Mannschaft mehr Bedeutung haben.

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