Gegnerblog: „Abwarten liegt uns nicht, wir müssen Dominanz ausüben“ – Interview mit KSC-Fan „RudiMentaer“

Er hat sich in seinem Leben gleich zwei Mal in den Karlsruher SC verliebt. Das erste Mal als 9-Jähriger, als seine Eltern aus dem Breisgau nach Karlsruhe zogen – da erlebte er „live“ im Wildpark mit, wie Winnie Schäfer den „KSC 2000“ formte. Danach verflachte sein Fußballfieber etwas, er kümmerte sich mehr um Beruf und Familie. Bis Markus Kauczinski den KSC in der Saison 2012/13 zurück in die Zweite Liga führte. Seitdem verfolgt er den Verein wieder intensiv – litt am Ende der Spielzeit 2014/15 wie ein Hund, als er in den Relegationsspielen gegen den Hamburger SV knapp den Aufstieg in Liga 1 verpasste. Bei „tranfermarkt.de“ besticht der 36-jährige, der als Dienstleister im Hochtiefbau unterwegs ist, allwöchentlich durch seine differenzierten Betrachtungen der KSC-Kicks, unter dem Nick „RudiMentaer“. Ein idealer Ansprechpartner also für den Blogwart, um den nächsten Gegner des FCK am Sonntag, (13.30) Uhr im Fritz-Walter-Stadion vorab kennenzulernen.

RudiMentaer, keimt in dir schon das Derbyfieber? Oder wüten sogar schon irgendwelche „Hassduell“-Gefühle?

Ich kann mit solchen Begriffen eigentlich nichts anfangen. Obwohl es für mich schon kein Spiel wie jedes andere ist. Bei uns im Betrieb arbeiten einige Pfälzer, die jeden Morgen zu uns zur Arbeit kommen – wegen diverser Staus halt oft zu spät. Da wird natürlich jeden Montag über Fußball diskutiert. Und gefrozzelt, was das Zeug hält, ausgeteilt, aber auch eingesteckt. Obwohl: In letzter Zeit war’s eher ein gegenseitiges Mutmachen als ein Frozzeln. Aber bei Euch läuft’s mittlerweile ja wieder besser.

Gehörst auch zu den KSC’lern, die angesichts des 16. Tabellenplatzes derzeit nun wieder nach Markus Kauczinski rufen, der ja in Ingolstadt mittlerweile entlassen worden ist?

Diese Rückkehr halte ich nicht für realistisch. Zum einen glaube ich, dass es bei der Trennung von ihm im Sommer einige Unstimmigkeiten gab, die noch nachwirken. Zum anderen wäre das die falsche Herangehensweise. Unter Kauczinski haben wir eine kompakte, defensive Spielweise gepflegt, aus der heraus wir dann mit schnellen Leuten nach vorne sind. Das gibt die jetzige Mannschaft nicht mehr her, wir haben zwar ein paar gute junge Leute, die starke Zweikämpfer sind, aber noch nicht über die Abgezocktheit verfügen, wie sie die Innenverteidiger Mauersberger und Gordon früher hatten. Leuten wie Thoelke und Kinsombi fehlt da einfach noch die Erfahrung. Und wir haben auch keinen spielstarken Sechser wie Meffert mehr. Unser jetziges Mittelfeld ist spielerisch zwar okay, aber tief stehen kannst du damit nicht.

War nicht klar, dass es nach dem gewaltigen personellen Umbruch im Sommer schwer würde?

Schon, zumal der Umbruch ja auch unvermeidlich war. Es hätte keinen Sinn gemacht, den älteren Spielern wie Gordon die Zwei- oder Dreijahresverträge zu geben, die sie vermutlich forderten. Außerdem wollte man sich ja fußballerisch neu orientieren, hin zu einer moderneren, offensiveren, mitreißenderen Spielweise. Denn auch das muss man klar sehen: Unter Kauczinski hatten wir zuletzt taktisch stagniert. Leider hatte man mit den Neueinkäufen wenig Glück, hat Spieler geholt, die nicht unbedingt in unser übliches Scouting-Schema passten: Jordi Figueras zum Beispiel war in der Türkei gerade abgestiegen, Franck Kom wurde aus Tunesien geholt, ein solcher Transfer ist immer ein Risiko, zumal er mit 800.000 Euro Ablöse auch teuer war. Er kommt bislang aber gar nicht klar, obwohl man in Ansätzen sieht, dass er schon das Zeug zu einem Aggressive Leader hat.

 Also fehlt das gleiche, was man auch in Kaiserslautern immer wieder eingefordert hat, als das Umfeld immer nervöser wurde – Zeit?

Natürlich. Aber die haben wir nicht. 2020 soll in Karlsruhe das neue Stadion stehen, da wollen wir nicht in der Dritten Liga spielen. Finanziell auf Rosen gebettet sind wir nicht, wir müssen daher viel über Spielertransfers finanzieren. Und dann zu Saisonbeginn zu kommunizieren, man wolle offensiv und mitreißend spielen – da hat man sich keinen Gefallen mit getan. Bislang ist das nur in Phasen zu sehen. Doch wenn die Ergebnisse nicht stimmen, verliert das Umfeld irgendwann den Glauben an Mannschaft und Trainer, das ist dann auch im Stadion zu spüren, und das greift erst recht aufs Team über. Da entsteht dann so eine Abwärtsspirale…

Wie siehst du die Position des neuen Trainer Tomas Oral darin?

Seine Chancen standen eigentlich von vorneherein nicht gut. Schon, nachdem es hieß, die Mannschaft hätte eigentlich lieber Kauczinskis alten Co-Trainer Argirios Giannikis als neuen Chef gewollt, der sich ja auch beworben hatte. Oral hat auch nicht einnehmende Persönlichkeit Kauczinskis, strahlt nicht diese Ruhe aus, ist eher ein impulsiver Typ. So wird er auch beurteilt und, leider, weniger danach, wie gut er mit der Mannschaft arbeitet. An und für sich glaube ich, dass er ein guter Trainer ist. Er hat in Leipzig viel von der modernen Rangnick-Schule mitbekommen, und man sieht ja auch, er lässt sich in jedem Spiel was Neues einfallen. Nur das Zusammenspiel funktioniert halt nicht. Und immer wieder unterlaufen uns individuelle Böcke.

Damit Zusammenspiel entstehen kann, muss sich ein Kollektiv allerdings auch erst mal einspielen können.

In den ersten Spielen standen wir defensiv eigentlich nicht schlecht, nur nach vorne ging nichts. Das hätte sich vielleicht so nach und nach noch entwickeln können. Doch dann kam das Spiel gegen Union Berlin, in dem wir 0:4 abgeklatscht wurden. Anschließend wurde viel rotiert, wurden in jedem Spiel zwei, drei Positionen neu besetzt. Es lief auch mal wieder besser, nur gegen Stuttgart hatten wir keine Chance,  weil die einfach besser besetzt sind. Aber in Heidenheim haben wir anschließend das Spiel weitgehend kontrolliert, leider wieder verloren, und auch gegen Sandhausen haben wir richtig stark begonnen. Aber, wie schon gesagt: Aufgrund individueller Fehler kommt es in unserem Spiel immer wieder zu Brüchen. Man muss auch sagen: Wir haben viele kleine Spieler in der Mannschaft, da bekommen wir bei Standards ständig Probleme – das muss man  Sportdirektor Jens Todt ankreiden, der die Mannschaft zusammengestellt hat. In Sandhausen zuletzt bekamen wir ausgerechnet unseren Ex-Spieler Gordon nicht in den Griff, dieses Kopfballtier. Da hätte man auch mal von Zonen- auf Manndeckung umstellen können.

Wie würdest du gegen Lautern spielen lassen?

Im Prinzip so, wie wir gegen Sandhausen begonnen haben. Ich würde aber Kamberi von Anfang an als zweiten Stürmer bringen, der ist körperlich robuster als Hoffer, kann die Bälle behaupten und auf die Flügelspieler ablegen. Ich würde auch versuchen, Dominanz im Mittelfeld auszuüben. Eine abwartende, defensive Spielweise liegt uns nicht, auch nicht gegen vermeintlich spielstarke Gegner. Das geht schief, wie man diese Saison schon gesehen hat.

Was glaubst du: Wie geht’s mit dem KSC diese Saison weiter? Nach dem jüngsten Spiel des FCK in München hat der Gegner seinen Trainer entlassen…

Unser Präsident Ingo Wellenreuther hat Oral ja gerade das Vertrauen ausgeprochen, ob nur zur Beruhigung des Umfelds oder aus echter Überzeugung, weiß ich nicht. Ich denke, wir werden noch bis zur Winterpause abwarten. Auch der Vertag von Sportdirektor Jens Todt läuft zum Saisonende ja aus, und sein Standing ist nicht mehr das Allerbeste. Daher macht man ja vielleicht schon im Winter einen Schnitt, um noch einmal Aufbruchstimmung zu schaffen. Erst ein neuer Sportdirektor, dann ein neuer Trainer.

Und wen kannst du dir auf diesen Posten vorstellen?

Als Sportdirektor auf jeden Fall Oliver Kreuzer, der mit dem KSC immer erfolgreich war. Und als Trainer? An entlassene Erstligatrainer wie Breitenreiter glaube ich nicht, für die sind wir zurzeit nicht attraktiv genug. Ich persönlich halte Rüdiger Rehm für einen guten Trainer, der in Großaspach gute Arbeit geleistet hat. Aber ob der in Karlsruhe nun noch zu vermitteln ist, nachdem er in Bielefeld bis zu seiner Entlassung noch weniger Punkte geholt hat als wir? Es wird wohl auf ein unbeschriebenes Blatt hinauslaufen, das sich seine Meriten noch verdienen muss.

RudiMentaer, vielen Dank für das Gespräch. War 1000-Mal interessanter, als sich mit einem KSC-Offiziellen zu unterhalten, der dann Sachen gesagt hätte wie „Kaiserslautern hat ein enorme Qualität“ oder „Wir müssen den Bock endlich umstoßen“…

Danke. Hoffentlich machen sie mich jetzt in meinem Forum nicht fertig, weil ich unsere Schwächen verraten habe…

Da braucht sich niemand Sorgen zu machen. Tayfun Korkut liest nichts im Internet, also auch diesen Blog nicht.

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