Analyseblog: Lautern verpasst grösste Siegchance schon nach fünf Minuten – und diskutiert jetzt über „passives“ Abseits

Wieder nur Remis. 0:0. Diesmal allerdings weniger ein Grund, wegen zweier verlorener Punkte zu hadern als am vergangenen Montag in München. Denn dazu hatte der 1. FC Kaiserslautern das Spiel gegen Karlsruher SC über weite Phasen zu wenig unter Kontrolle. „Fünf Heimspiele hintereinander zu null – Vereinsrekord in Liga 2“, melden einige Statistiker heute. Ist ja schön, allerdings gilt nun auch: In fünf von acht Heimspielen dieser Saison hat der FCK keinen Treffer erzielt. Sportdirektor Uwe Stöver darf sicher sein: Ganz oben auf der Weihnachtswunschliste der Fans steht heuer einmal mehr der berühmte „Knipser“. Alle Jahre wieder…

Doch auch dessen Tore wollen vorbereitet werden. Und da stellt sich die Frage, wie. Diese  muss unter Umständen in jedem Spiel neu beantwortet werden. Im Kick gegen den KSC war recht schnell zu sehen: Es hätte über die Flügel gehen müssen. Und das nicht nur, weil der Gegner dort seine unerfahrensten Kräfte aufbot.

KSC MACHT DIE MITTE DICHT – UND DIE YOUNGSTER BESTEHEN DIE FEUERTAUFE

Auf der rechten Verteidigerseite startet zum vieren Mal in Folge der erst 19-jährige Matthias Bader, auf der anderen Flanke läuft der erst 18-jährige Marin Sverko auf. Die Youngster müssen die  angeschlagenen Stammkräfte Enrico Valentini und Dennis Kempe ersetzen. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten machen sie ihre Sache aber sehr ordentlich.

Zudem bekommen die Karlsruher nach spätestens 20 Minuten die Mitte dicht. Coach Tomas Oral hat seine Hausaufgaben gemacht und die Truppe gut auf die Pfälzer Mittelfeldraute eingestellt. Hirosho Yamada und Grischo Primel riegeln im defensiven Mittelfeld ab. Zudem spielt der KSC so, wie des Blogwarts Interviewpartner „RudiMentaer“ es sich in der Spiele-Vorschau aus Gästesicht wünschte: Sie versuchen kein „Hit and Hope“ aus zurückgezogener Position, sondern schieben sich mutig nach vorne, praktizieren zeitweise wirksames Gegenpressing, so dass sich Lautern nach Ballgewinnen  nicht freispielen kann. Darunter leidet vor allem Christoph Moritz, der längst nicht die Wirkung aus den vergangenen Spielen erreicht.

MANCHMAL KOMMEN SIE EBEN DOCH NICHT WIEDER, DIE „HUNDERTPROZENTIGEN“

Dennoch: Die Pfälzer haben ihren Momente, und die könnten – und müssten – zur Führung reichen in einem Spiel, in dem von vorneherein klar ist, dass es nicht gerade Torchancen hageln wird: Hier stehen sich schließlich die zweitschwächsten Offensivreihen der Liga gegenüber. Und das, was geht, geht ausnahmslos über die Flügel.

Schon nach fünf Minuten legt der bis zur Grundlinie durchgestartete Rechtsverteidiger Philipp Mwene Marcel Gaus auf – und der verpasst es, aus fünf Meter ins leere Tor zu schieben. Es wird die größte Torchance des gesamten Spiels bleiben.

„Er wollte den Ball wohl an sich vorbeilaufen lassen und mit dem linken Fuß einschieben“, sinniert sein Trainer Tayfun Korkut in der PK nach dem Spiel, verrät aber auch, wie er’s hätte richtig machen sollen: „Er muss den Körper vor den Ball bekommen, dann ist es egal, ob er ihn mit links oder rechts reinmacht.“

Nach 15 Minuten bricht Osayamen Osawe über links durch, legt in die Mitte – Debütant Sverko hat einige Mühe, vor dem heranstürzenden Lukas Görtler zu klären. In Minute 25 zieht Görtler von rechts in die Mitte, spielt einen starken Doppelpass mit Zoltan Stieber, bekommt dann aber keinen richtigen Torschuss hin. In Minute 33 legt der auf rechts ausgewichene Osawe Mwene auf, doch dessen Geschoss vom Strafraumeck streift am kurzen Pfosten vorbei.

Wie schon angedeutet: Ist nicht gerade ein Feuerwerk, was der FCK in den ersten 45 Minuten abbrennt, macht aber deutlich, wo in Halbzeit 2 angesetzt werden muss.

DIE FLÜGELZANGE BLEIBT ZUNÄCHST STUMPF – BIS STIEBER UND HALFAR KOMMEN

Tayfun Korkut reagiert auch, stellt, wie schon in den Spielen zuvor, in der Pause auf ein flaches 4-4-2 um. Das FCK-Spiel ist dadurch breiter, die Flügel sind doppelt besetzt, allerdings bleibt die Zange Gaus und Görtler ohne Wirkung. Lautern braucht in solchen Phasen Flügelspieler, die sich auf engem Raum gegen zwei, drei Gegenspieler behaupten können, die aber haben sich noch nicht gefunden.

Statt dessen hat der KSC nun durch Florian Kamberi die beiden Torgelegenheiten, die das Spiel für ihn entscheiden könnten. Zwei Mal pariert jedoch Julian Pollersbeck, das erste Mal sogar absolut herausragend.

Erst, als Daniel Halfar für Naser Aliji und Jacques Zoua für Görtler eingewechselt worden sind, bekommt der FCK das Spiel endgültig unter Kontrolle. Vor allem, weil mit Halfar und Stieber nun zwei Kicker auf den Außenposition agieren, die dem benötigten Anforderungsprofil entsprechen.

Diverse Flanken finden jedoch keine Abnehmer, Halfars gute Schusschance vom Sechzehner wird abgeblockt, Stieber legt Moritz auf, doch der verzieht, Stieber traut sich keine Direktabnahme zu, nachdem er den Ball zunächst Osawe rechts durchgesteckt und sich dann am langen Eck freigelaufen hat. In der Nachspielzeit hat Ewerton noch die Gelegenheit, aus einem nach einem Stieber-Eckball entstandenen Strafraumgewühl einzuköpfen, setzt aber zu hoch an.

Unterm Strich sind auch die letzten 20 Minuten nicht gerade Powerplay, hätten aber reichen können.

DER AUFREGER DES SPIEL: PASSIV ODER AKTIV – DAS EWIGE DILEMMA

Dann ist da natürlich noch der Aufreger des Spiels, eine weitere Fußnote in der ewiglich währenden Diskussion ums sogenannte „passive Abseits“.

In Minute 62 schlägt Stieber eine Freistoßflanke von rechts in den Strafraum. Osawe steht im Moment der Ballabgabe nachweislich abseits, den Ball erwischt jedoch der 40 Sekunden vorher eingewechselte Zoua – und der köpft ihn rein. Schiri Günter Perl gibt den Treffer nicht. Schade schon mal insofern, als dass es der erste Saisontreffer des FCK nach einer Standardsituation gewesen wäre, und dass Tayfun Korkut in der PK vor dem Spiel noch darüber sinniert hatte, dass dieses Spiel ja mal nach einem ruhenden Ball entschieden werden könnte.

Fehlentscheidung oder nicht? Da sind sich selbst die professionellen Beobachter der Medien uneins, was weniger an unterschiedlichen Vereinsbrillen liegt, sondern an der unterschiedlich auslegbaren Regel des „passiven Abseits“.

Lesart 1: Osawe greift nicht aktiv ins Geschehen ein, da es ja Zoua ist, der köpft – also Tor.

Lesart 2: Osawe ist schon irgendwie aktiv, da er ja ebenfalls zum Ball geht und so die Aufmerksamkeit Karlsruher Abwehrspieler beansprucht, die sonst vielleicht  Zoua am Köpfen hindern könnten.

Wie gesagt: Auslegungssache. Und auch nicht das erste Mal, dass diese Frage die Gemüter erhitzt. Lösbar wäre das Dilemma, wenn die Regel endlich auf die denkbar einfachste Formel verkürzt würde: Für die Abseitsentscheidung relevant ist allein der Spieler, der den Ball nach der Abgabe als erster annimmt, basta.

Wer mit der Entscheidung partout nicht leben mag, dem sei noch angemerkt, dass in Minute 66 Mwene gegen KSC-Stürmer Dimitris Diamantakos auch nicht so ganz hasenrein zu Werke ging, und das im FCK-Strafraum. Da hat mancher Schiri in vergleichbarer Situation schon gepfiffen. Wenn man so will, also ausgleichende Gerechtigkeit. Andere würden sagen: Konzessionsentscheidung – was aber ein blödes Wort ist.

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