Vorschaublog: Auf der Suche nach dem letzten Punch fürs erste Tor – und die Utopie vom „Knipser“

„Trainer sagt, Ball muss ins Tor, alles andere ist Kokolores.“ Es würde jeden echten FCK-Fan beleidigen, hier jetzt hinzuschreiben, wer diesen legendären Satz gesagt hat, und zwar vor ungefähr 20 Jahren. Für den FCK 2016/17 ist er vor dem Auswärtsspiel beim FC St. Pauli am Freitagabend (18.30 Uhr) brennend aktuell.

Wobei „alles andere“ natürlich jetzt nicht unbedingt Kokolores ist. Dass die Lauterer zunächst ihre Defensive stabilisiert haben, um in die alles andere als gut gestartete Saison zu finden, war mindestens ebenso wichtig, ist nun aber hinreichend erörtert. Nur drei Gegentreffer in den vergangenen sieben Spielen haben die FCK-Defensive zur zweitstärksten nach Heidenheim gemacht. Es bleibt aber auch Fakt: Nur zehn erzielte Treffer in 14 Spielen weisen die Offensive als die zweitschwächste des Unterhauses aus.

WER DAS ERSTE TOR ERZIELT, IST SCHWER ZU SCHLAGEN – SOWIESO

Torchancen werden nach Ansicht von Trainer Tayfun Korkut genügend herausgespielt – „und wenn wir erst einmal das erste Tor erzielt haben, ist es schwer, uns zu schlagen.“ Stimmt ja auch. Außer in Würzburg hat der FCK  immer, wenn er in dieser Saison in Führung ging, gewonnen, und bei den Kickers reichte es immerhin noch für ein Unentschieden. Lediglich beim DFB-Pokalspiel in Halle setzte es nach dem 1:0 durch Osayamen Osawe noch eine 3:4-Niederlage.

Im übrigen ist die oft geäußerte Behauptung, dass im modernen Fußball der erste Treffer immer wichtiger wird, eine der wenigen dieser Art, deren Richtigkeit sogar Statistik-Nerd  Roland Loy bestätigt. Mittlerweile gewinnen 70 Prozent aller Mannschaften, die 1:0 in Führung gehen, am Ende auch das Spiel.

ST. PAULI IST „AM TIEFPUNKT UND DAHER BESONDERS GEFÄHRLICH“

Am Millerntor wird es nicht anders sein. Dass das erste Tor bereits entscheidet, ist ziemlich wahrscheinlich. Und das gegen den Tabellenletzten, der mit nur sechs Punkten bislang gerade dabei ist, den Anschluss ans rettende Ufer zu verlieren. Ein Gegner, der, so Korkut, „nun am Tiefpunkt angelangt ist und daher besonders gefährlich ist.“ Dennoch wolle seine Mannschaft „unser Spiel durchziehen, aktiv gestalten.“

Die Frage ist: Mit der gleichen Besetzung wie in den fünf Spielen zuvor? Möglich wär’s, nach dem Karlsruhe-Spiel haben sich keine weiteren Ausfälle ergeben, die Personallage ist weiterhin entspannt. Sie bietet aber auch Optionen: Jacques Zoua etwa agiert  wesentlich torhungriger als Lukas Görtler, man erinnere sich nur an seinen effektvollen Jubel-Krabbler in Richtung West, mit dem er seinen Treffer gegen den KSC feiern wollte, der dann doch nicht gegeben wurde.

Und Zoua könnte auch etwas die chronische Kopfballschwäche in der FCK-Offensive tun. Auf die Flügel ausweichen, gegebenenfalls auch helfen, im Spiel gegen den Ball die rechte Seite zu schließen, wie Görtler es zu tun pflegt, sollte er auch hinbekommen, schließlich ist er in seinen früheren Stationen als Profi auch schon auf dem Flügel eingesetzt worden.

WENN ES WEITER NACH OBEN GEHEN SOLL, MUSS SICH EIN „KNIPSER“ FINDEN

Jedenfalls ist es Zeit, dass irgendeiner im Kader langsam Vollstreckerqualitäten entwickelt, wenn es in der Tabelle weiter nach oben gehen soll. „Es fehlt der letzte Punch“, stellt auch Korkut fest. Osawe hat zwar bereits fünf Treffer auf dem Konto, allein drei davon aber bei seiner Gala gegen Bochum erzielt. Und so stark er auch aus dem Sprint heraus ist, so fehlt es ihm vor dem Tor oft an Kaltschnäuzigkeit und Cleverness. Die Art, wie er den Siegtreffer in Fürth erzielte, macht allerdings Hoffnung, dass da noch mehr kommen könnte.

Robert Glatzel, der mit zwölf Treffern in 14 Spielen des U23-Teams eine imposante Quote aufweist, scheint als „Kante“ in Korkuts System vornehmlich nur als Einwechselspieler bei Rückstand in Frage zu kommen. Die derzeit verletzten Kacper Przybylko und Sebastian Kerk werden dagegen wohl erst in der Rückrunde wieder voll angreifen können.

HAT IRGENDJEMAND NOCH EIN MIRO-KLOSE-VIDEO?

Auf sie zu bauen, dürfte in jedem Fall realistischer sein als die Hoffnung auf die Verpflichtung eines „Knipsers“ in der Winterpause. Mit den finanziellen Mitteln, die dem FCK zur Verfügung stehen, einen Stürmer zu verpflichten, der vom Fleck weg in der Zweiten Liga zum Torjäger mutiert, würde einen Geniestreich des Sportdirektors voraussetzen. Allerdings ist Uwe Stöver in dieser Saison bereits ein Coup geglückt, den man durchaus als solchen bezeichnen könnte – mit der Leihe des Brasilianers Ewerton.

Erfolg versprechender ist allerdings, den kommenden Torjäger in den eigenen Reihen zu formen. Wie Zlatan Ibrihamovic in seiner von David Lagercrantz verfassten Autobiographie berichtet, hat ihn sein Trainer Fabio Capello damals bei Juventus Turin zum Torjäger erzogen, in dem er ihn mit Videos von Marco von Basten folterte. In diesen schoss der holländische Stürmerstar, dessen Nachfolge „Ibra“ antreten sollte, ein Tor nach dem anderen. Vielleicht findet sich ja irgendwo am Betze ja noch eine DVD mit Aufnahmen von Miro Klose…

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