Kohlis Arschkarte: Have yourself a dirty rotten Christmas…

Liegt’s daran, dass die Vorweihnachtszeit halt doch irgendwie besinnlich ist – trotz nervigem Lichtergeflirre, einfallslos dröhnender Musikbeschallung und permanenter Nötigung zum Geschenkekauf allerorten? Oder an dem eher freudlosen 0:0 des FCK im einstigen Freudenhaus Fußballdeutschlands –  nachdem sich nur hoffen lässt, dass Korkut und Co. sich jetzt nicht länger an ihren niederlagenfreien Serie erwärmen, sondern sich beherzt ihren Offensivproblemen widmen? In diesen Tagen jedenfalls beschleicht Kohli immer öfter die Wehmut angesichts von Geschehnissen, die ihn ansonsten eigentlich – zugegeben meist irre – lachen lassen.

Da hat er gerade nicht ohne warmherziges Wohlwollen die Titelgeschichte in „11Freunde“ über den froschäugigsten Löwen Jogis gelesen. Einem jungen Mann, dem, wenn er das aktuelle Vertragsangebot seines Klubs zur Verlängerung annimmt, künftig ein Stundenlohn von 1200 Euro zuteil wird. Was recht fassungslos stimmt angesichts der Tatsache, dass bereits der neue gesetzliche Mindestlohn von 8,84 Euro vielen Arbeitgebern in diesem unserem Lande zu hoch ist.

Daher freut es Kohli andererseits zu lesen, dass Froschauge vor einigen Jahren ein „Unternehmen“ gegründet hat, in dem es die Ghettokids, mit denen es einst im Käfig gekickt hat, fest angestellt hat, damit diese und ihre Familien erstens ein Auskommen haben und zweitens auch künftig permanent in seiner Nähe sind. Gelernte Tankwarte und Langzeitarbeitslose dürfen sich nun „Berater“ benennen und verrichten mehr Nacht- als Tagwerk, indem sie ihren Ernährer in schnieken Anzügen in die angesagtesten Londoner Nachtklubs begleiten. Das ist Sozialromantik anno 2016.

Doch dann entlarvt der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe diese Entourage-Firma als Hort millionenschweren Steuerbetrugs. Dass des Froschauges Erzeuger seinen Ferrari als Dienstwagen abgeschrieben hat, ist da noch die lässlichste Sünde.

Zudem kündigt das Nachrichtenmagazin an, in den nächsten Wochen noch mehr Skandalöses aus der Dirty Rotten World des Fußballs zu veröffentlichen, das aus den 1,9 Terrabyte an Datensätzen stammt, welches „Football Leaks“ aus dem vollgefressenen Bauch des Molochs gesaugt hat. Schon das Vorwort sorgt für alles andere als weihnachtliche Vorfreude:

„Bislang konnte der Liebhaber denken, einige Funktionäre träfen falsche Entscheidungen, das Spiel sei jedoch gesund. Das war ein Irrtum. Football Leaks beweist: Die vielen langweiligen Begegnungen und die zerstörten Turniere sind bloß die Symptome. Das Spiel ist krank.“

Have yourself a dirty rotten Christmas…

Dabei hat Kohli doch selbst an diesem Wochenende noch herzhaft lachen dürfen. Ein bisschen krank vielleicht, aber okay.

Wegen Timo Werners Schwalbe, mit der er bereits in der ersten Minute des Spiels Bullenbrause gegen Russengas einen Elfmeter für die Seinen heraus simulierte. Komisch war weniger die „Unsportlichkeit“ – was für ein altmodisches Wort das doch ist –, es waren die die Aussagen hinterher.

„Wir müssen bei allen Fairnessgedanken auch mal die Kirche im Dorf lassen“, meinte etwa der geflügelte Mastermind Ralf Rangnick. „Dass ein Spieler in so einer Situation von sich aus zum Schiedsrichter geht und sagt, dass es kein Elfmeter war – weiß ich nicht, ob man das von einem Spieler verlangen kann.“

Was anderes wär’s gewesen, hätte Schiri Bastian Dankert Werner (geiler Name übrigens) den Spieler direkt angesprochen und in der Art von „Bares gegen Wahres“ zu einem Statement genötigt, ob’s denn nun einen Schwalbe gewesen sei oder nicht. Hätte der Kicker gelogen, „dann hätte man zu Recht auch ein bisschen (!) über die“ – jetzt kommt’s, jetzt kommt’s – „moralische Seite (!!) des Ganzen sprechen können.“

Wer jetzt schon „Helau“ schreien will, sollte sich noch einen Moment zurückhalten, denn auch Schalkes Manager Christian „Don“ Heidel hat sich zu Wort gemeldet. Als ehemaliger Mainzer hat er schließlich oft mit Kardinal Karl Lehmann geklönt, wodurch er in Fragen der Moral besonders bewandert ist. „Vielleicht hätte man den Videobeweis gar nicht gebraucht, wenn man zum Elfmeter nicht angetreten wäre, weil es keiner war“, meinte der Don, angeblich, ohne lachen zu müssen.

Genau! Die Rotbullen hätten den Elfer einfach nicht schießen sollen, um so ihren schwalbenden Mitspieler abzustrafen!

Kohli fragt sich nur: Welche schiedsrichterliche Verhaltensweise sieht das Regelwerk in einem solchen Fall vor? Wie lange muss er auf die Ausführung des Elfers warten? Gibt’s da eine Art Verfallsdatum? Und wie geht’s danach weiter? Schiedsrichterball, oder?

Um mal ganz kurz ernst zu werden: Hier braucht es weder Moraldiskussion noch Videobeweis, auch Annullierung und Spielwiederholung können keine Themen sein, weil da ist die FIFA vor. Hier kann es nur eine ordentliche Sperre für den Spieler geben, damit Schwalbenkönige künftig wissen, auch wenn ihre Nummer für den Augenblick Erfolg hat, hinterher fällt der Hammer.

So komisch, dass es fast schon wieder tragisch ist, ist das Detail, das jetzt aus dem Arbeitspapier zwischen dem FC Liverpool und unserem Lieblingsrüpel Mario Balotelli publik geworden ist. Der Ungut kassiert tatsächlich eine Sonderprämie von 1,2 Millionen Euro (!), wenn er es schafft, eine Saison lang

  • nicht mehr als drei Mal vom Platz gestellt zu werden,
  • niemanden „körperlich, verbal oder mit Gesten“ zu attackieren,
  • niemanden anzuspucken.

Kohli meint: Dieser Geist sollte sofort und unwiderruflich im deutschen Arbeitsrecht Einzug halten.

Vor den anstehenden betrieblichen Weihnachtsfeiern etwa sollten notgeile Angestellte die Möglichkeit haben, sich Prämien dafür im Arbeitsvertrag festschreiben zu lassen,  dass sie es schaffen, während des besinnlich-geselligen Zusammenseins NICHT sexuell übergriffig zu werden.

In diesem Sinne sei es noch einmal angestimmt:

Have yourself a dirty rotten Christmas…

2 Gedanken zu “Kohlis Arschkarte: Have yourself a dirty rotten Christmas…

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