Vorschaublog: Süßer könnte Torjubel nie klingen, als zu der Weihnachtszeit…

Dank „Football Leaks“ werden in diesen Vorweihnachtstagen täglich neue Mediensäue durchs Dorf getrieben, die belegen, in welchen Dimensionen des Irrsinns die Kommerzialisierung des Fußballs bereits vorangeschritten ist. Da ist es wichtig, auch mal Zeichen in eine andere Richtung zu setzen. Denn trotz allem kann und soll Sport von sozialen Gedanken getragen werden, immer noch.

Zum Heimspiel gegen den FC Erzgebirge Aue am kommenden Samstag (13 Uhr) trägt der  FCK den Schriftzug der Heinrich Kimmle-Stiftung auf der Brust. Die Einrichtung unterstützt in breitem Umfang Menschen mit Behinderung. Möglich wird die Charity-Aktion mit dem Segen des Hauptsponsors „Top12.de“, dessen Logo die Teufelsleibchen normalerweise ziert. Gleichzeitig stiftet das Hauensteiner Unternehmen 1212 Freikarten für Menschen mit Beeinträchtigung.

„TOP12.DE“ MACHT DIE BRUST FREI – HOFFENTLICH IST SIE BREIT GENUG

Man sieht, wie wichtig dem Online-Shop der Verweis auf die „12“ in seinem Namen ist. Weswegen Marco Dobrani, Stiftungsvorstand der Heinrich Kimmle-Stiftung, bei der Vorstellung im Rahmen der Spiele-PK mit einem ironischen Augenzwinkern bedauerte, dass das Unternehmen nicht „Top24“ heißt…

Die Stiftung ist eine selbstständige kirchliche Einrichtung, die sich zum Ziel gesetzt hat, Menschen mit Beeinträchtigungen auf ihrem Lebensweg zu begleiten und zu fördern. Seit ihrer Gründung 1965 hat sie in der Westpfalz ein umfangreiches Leistungsangebot geschaffen, das integrative Schulen, Kindertagesstätten, Wohnanlagen und Werkstätten ebenso umfasst wie ambulantes und betreutes Wohnen. Die Trikots, die die FCK-Profis am Samstag überstreifen, sind beispielsweise in der Kimmle-Einrichtung in Münchweiler beflockt worden.

Stiftungsgründer Heinrich Kimmle (1914 – 2000) war Pfarrer der St. Elisabeth-Gemeinde in Pirmasens. Aus der Taufe hob der gebürtige Birkenhördter die Einrichtung als „Caritas Kinderhilfe“, bis 1994 führte er sie mit beispiellosem Einsatz als Vorsitzender und baute sie sukzessive aus. Seinen Namen erhielt sie erst 2007, sieben Jahre nach seinem Tod.

Obwohl der engagierte Geistliche mit dem Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz geehrt wurde und etliche regionale Auszeichnungen erhielt, ist sein Schaffen über die Pfalz hinaus kaum bekannt geworden. „Wikipedia“ listet ihn zwar in der Liste der bekanntesten Persönlichkeiten der Stadt Pirmasens, ein eigener Eintrag ist ihm bislang jedoch nicht zuteil geworden. Insofern wäre es ihm und seinen Erben zu wünschen, dass sein Lebenswerk durch die FCK-Aktion am Samstag mehr Aufmerksamkeit erhält.

DIE FANS WARTEN AUFS CHRISTKIND – UND AUF TORE

Fußball gespielt wird natürlich auch. Die Neuigkeiten, mit denen Trainer Tayfun Korkut vor dem Spiel aufzuwarten hat, sind freilich nicht sonderlich elektrisierend. Ewerton war unter der Woche erkältet, Lukas Görtler hatte eine Prellung erlitten, beide stehen am Samstag jedoch zur Verfügung. Ob er zum siebten Mal mit der gleichen Startelf beginnen oder er seiner Erstbesetzung eventuell mehr Angriffswucht verleiht, lässt der Coach erwartungsgemäß offen: „Lasst mir noch ein wenig Zeit.“

Eine Überlegung wert wär’s bekanntlich: Nach zwei Nullnummern zuletzt will das Betzepublikum, ob nun zahlend oder mit Freikarte ausgestattet, es endlich wieder „schnackeln“ sehen. Und nur 19.000 abgesetzte Karten (Stand: Donnerstag) bislang machen deutlich, dass der FCK dringend angehalten ist, im eigenen Haus wieder mehr Bohai zu veranstalten.

Liebstes Spekulationsobjekt der sportlichen Medienvertreter ist Stürmer Jaques Zoua, von dem mehr Torgefahr zu erwarten wäre als etwa von Görtler. Doch auch der in der U23 erfolgreiche Robert Glatzel könnte für vorweihnachtliche Stimmung auf den Rängen sorgen.

Mit dabei sein wird mit ziemlicher Sicherheit Marcel Gaus, nicht zuletzt dank seiner Vielseitigkeit. Für Korkut ist der 27-Jährige auf der linken Außenbahn defensiv, offensiv sowie als linker Achter in der Raute denkbar. „Wir haben in den vergangenen drei Spielen  zu wenig Punkte geholt, aber auch wenig zugelassen“, wägt Gaus ab. Im übrigen läuft sein Vertrag zum Saisonende aus. Wie es mit ihm weitergeht, will er allerdings erst im neuen Jahr entscheiden.

GAUS WILL NOCH NICHT VERLÄNGERN – UND KORKUT ERNTEN, WAS ER GESÄT HAT

„Wir haben zuletzt Punkte liegen gelassen, das muss korrigiert werden“, weiß auch Korkut, dass die positive Entwicklung der vergangenen Wochen ins Stocken geraten ist – eben aufgrund der mauen Torausbeute. Passend zur Weihnachtszeit variiert er ein wenig das Bibelzität vom Nicht-Säen und Nicht-Ernten:

„Es bringt nix, wenn du was säst und was wächst, aber am Ende klaut dir einer die Punkte.“

Okay, um perfekt im Bild zu bleiben, hätte er statt „Ernte“ statt „Punkte“ sagen müssen. Ansonsten aber ein schönes Schlusswort.

Das heißt: Abgeschlossen werden soll diese besinnliche Vorschau mit einem Weihnachtslied.

Aus aktuellem Anlass kann die Wahl hier nur auf „I Believe in Father Christmas“ von Greg Lake fallen, dem legendären Sänger der noch legendäreren Progrock-Formation Emerson, Lake & Palmer, der in dieser Woche im Alter von nur 69 Jahren verstarb. Lake wollte mit dem Song ein Zeichen gegen das kommerzialisierte Weihnachten setzen:

Der Blogwart entschied sich bewusst für einen Link zu diesem im nordafrikanischen Wüstensand gedrehten Video, um eventuell einen Sponsor aus einem Erdöl exportierenden Land anzulocken.

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