Gegnerblog: In Nürnberg erlebt Schwartz keine rosaroten Zeiten – Sieg zum Hinrundenfinale wäre Stimmungsaufheller

Rehm, Kauczinski und jetzt Schuster: Einige Übungsleiter, die im Sommer nach Jahren solider Arbeit in bescheiden dimensionierten Klubs den „nächsten Schritt“ wagen wollten, sind mittlerweile schon wieder ohne Job. Der ehemalige Sandhausener Alois Schwartz hat sich beim 1. FC Nürnberg dagegen gehalten. Fest im Sattel sitzt der 49-jährige allerdings nicht.

Im September wär’s beinahe soweit gewesen, nach der 1:2-Niederlage im Derby gegen Fürth, die den schlechtesten Saisonstart der Nürnberger Vereinsgeschichte perfekt machte. Es war die vierte Niederlage hintereinander, zuvor waren gerade mal zwei Remis geglückt.

GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN: NÜRNBERG ERLEBTE BISLANG BEIDES

Doch auch in Nürnberg hat sich mittlerweile die Erkenntnis durchgesetzt, dass Trainerwechsel kein Allheilmittel sind. Und es zahlte sich aus, dem öffentlichen Druck standzuhalten: Es folgten vier Siege in Folge, darunter einer über Topfavorit Hannover. Auch die drei anschließenden Partien blieb der Club ungeschlagen, ehe eine erneute Niederlage gegen den VfB Stuttgart die nächste Delle verursachte. Ihr schloss sich eine derbe Heimpleite ausgerechnet gegen den SV Sandhausen an, Schwartz‘ ehemaligen Verein.

Die Woche darauf wurde Knick jedoch wieder korrigiert, mit einem 0:2-Auswärtssieg bei den bislang recht heimstarken Düsseldorfern – herausgespielt übrigens mit nur 33 Prozent Ballbesitz. Nach diesem Auf und Ab bislang könnte der Jahresabschluss am Montagabend gegen den 1. FC Kaiserslautern (20.15 Uhr) zum Zünglein an der Waage werden, das entscheidet, ob sich der Club-Anhang mit einem eher guten oder eher schlechten Gefühl unter den Weihnachtsbaum setzt.

SCHWARTZ: DER TREUE SOLIDE, DER AUS WENIG VIEL MACHT

Irgendwie hätte es aber auch gar nicht in die Vita des Alois Schwartz gepasst, wäre sein Engagement in Nürnberg nach nur zwei Monaten zu Ende gewesen. Der Mann aus Nürtingen ist gewohnt, in breiten Zeitfenstern zu arbeiten, was ihn fast schon zum wandelnden Anachronismus macht. Als Spieler war er zehn Jahre lang den Stuttgarter Kickers treu, als U23-Coach des 1. FC Kaiserslautern wirkte er fünf Jahre, in denen er zwischenzeitlich auch mal als Interimscoach der Ersten Mannschaft fungierte.

In Sandhausen war er drei Jahre. In diesen hielt er den Verein mit einem der geringsten Zweitligatetats durchweg deutlich von Abstiegsplätzen fern. Was seinen Ruf als solider Arbeiter, der aus wenig viel macht, zementierte. Wodurch er auch für Vereine, die auf dem Trainermarkt mit einem eben solchen Anspruchsprofil unterwegs sind, attraktiv wurde.

SCHWARTZ UND DER KLUB: GROSSE LIEBE WAR NICHT SEHR WAHRSCHEINLICH

Wie dicht der FCK im Sommer an seiner Verpflichtung wirklich dran war, lässt sich natürlich nicht verlässlich in Erfahrung bringen, Kontakte scheint es jedenfalls gegeben zu haben. Ob’s die bessere Bezahlung war oder die bessere sportliche Perspektive, die ihn dann nach Nürnberg wechseln ließ, als der Club recht kurzfristig einen Nachfolger für den nach Anderlecht abgewanderten René Weiler suchte, ist ebenfalls müßig zu erörtern. Eine Rolle gespielt haben dürften auf jeden Fall die 400.000 Euro Ablöse, die Nürnberg bereit war, an Sandhausen zu zahlen. Die hätte Lautern wohl kaum investieren können.

Hinterher zu kommen und darüber zu schwadronieren, es wäre doch von vorneherein klar gewesen, dass es keine große Leidenschaft werden könne zwischen Schwartz und dem Klub, ist natürlich irgendwo billig. Andererseits gab es da schon ein paar Fakten, die offensichtlich waren. Seine Achtungserfolge in Sandhausen schaffte Schwartz, Sohn eines Maurers übrigens, mit kompromissloser Betonung der Defensive. In seiner ersten Saison beim SV spielte die Mannschaft 17-Mal zu null. Vorne dagegen stellte Sandhausen in zwei von drei Jahren die schwächste Offensive der Liga.

ALS VORJAHRESDRITTER WOLLTE DER KLUB MEHR – ZURECHT?

Dass der Club, der gerade knapp am Aufstieg in die Erste Liga gescheitert war, andere Vorstellungen von seiner fußballerischen Weiterentwicklung hatte, lag also auf der Hand. Streiten lässt sich freilich darüber, ob höhere Ambitionen gerechtfertigt waren. Manche meinen, Nürnberg habe in der Vorsaison über seine Verhältnisse gespielt. Und große finanzielle Mittel, die Mannschaft weiter zu verstärken oder auch nur zu stabilisieren, standen und stehen nun mal nicht zur Verfügung.

Wie viele Zweitligisten muss auch der Club mittlerweile Transfergewinne erwirtschaften, um seinen Etat auszugleichen. Drum wurden auch die 2,2 Millionen, die er im Sommer aus Hannover für Offensivmann Niclas Füllkrug erhielt, nicht reinvestiert. Auch im Winter wird es keine Neueinkäufe geben, das hat Finanzvorstand Michael Meeske bereits bekannt gegeben. Sie seien allenfalls denkbar, wenn aufs Budget der kommenden Saison vorgegriffen wird.

EIN GEFÜHLTER BUNDESLIGIST? „ABER ES TRAINIERT EINFACH NUR SCHWARTZ“

Insofern ist es nicht so überraschend, dass Nürnberg seinen Status als Aufstiegskandidat in dieser Spielzeit noch nicht bestätigen konnte. Dennoch keimt Unzufriedenheit im Umfeld, und Schwartz sieht sich darum öfter dem Vorwurf ausgesetzt, ein „Provinztrainer“ zu sein. Er selbst kontert da auch schon mal mit Ironie und Sarkasmus: „Vielleicht ist es ja so, dass der 1. FC Nürnberg ein gefühlter Bundesligist ist, und den muss ein Guardiola, Magath oder Klopp trainieren. Aber es trainiert einfach nur ein Schwartz.“

Fakt ist: Er verfügt über keine so positive Ausstrahlung wie sein Vorgänger Weiler, steht auch für keinen bestimmten Stil, schon gar keinen offensiven. Doch was andere vielleicht fehlendes Profil nennen, ist für ihn Programm: „Bei Schleifer denkt man an Magath, bei Motivator an Daum, bei Taktikfuchs an Rangnick. Ich glaube, ein Trainer muss von allem ein bisschen haben, um erfolgreich zu sein. Zu viel Kumpel verwischt den Respekt. Einen gewissen Schliff braucht man. Man muss sein Spiel durchziehen, aber auch den Gegner beachten.“

DAS PROBLEM: KEINE STABILITÄT IN DER DEFENSIVE

Sein Problem bislang: Er hat keine Stabilität in die Defensive bekommen, die das Fundament seines Spiels bildet. Stammtorhüter Raphael Schäfer, auch schon 37, wird seit dem vierten Spieltag von Thorsten Kirschbaum ersetzt. Innenverteidiger Dave Bulthuis musste ebenso bereits eine verletzungsbedingte Auszeit nehmen wie Hanno Behrens, der Defensivstabilasator im Mittelfeld. Immerhin: Gegen Düsseldorf ist nach monatelanger Pause Innenverteidiger Georg Margreitter zurückgekehrt, was Hoffnung auf eine bessere Zukunft schürt.

Vorne lebt der Club, dessen 4-2-3-1-System Schwartz selten variiert, von Guido Burgstaller, der mit nunmehr 13 Treffern auch das Torjägerranking der Liga anführt. Seit der Ösi im Winter 2015 von Cardiff City, wo er nicht zum Zuge kam, ablösefrei nach Nürnberg wechselte, trifft er, von kleineren Formpausen mal abgesehen, stetig. Ein Transfercoup, von dem derzeit alle Zweitligisten träumen, der FCK wohl am intensivsten. Allerdings läuft der Kontrakt des 27-jährigen im Sommer aus, und es dürfte schwierig bis unmöglich werden, ihn am Weiterziehen an einen fetteren Fleischtopf zu hindern.

ZU WEIHNACHTEN MEHREN SICH DIE RUFE NACH SYLVESTR

Nach wie vor keine Rolle beim Club spielt Jakub Sylvestr, der einst in Aue erfolgreiche Torjäger, den Nürnberg 2014 für stolze 1,7 Millionen Euro holte. In der Vorsaison mal für ein halbes Jahr nach Paderborn verliehen, bringt er es in der laufenden Spielzeit grade mal auf sechs Einsätze. Das macht einen gewissen Wechselwillen wahrscheinlich, und darum wird er jetzt wohl auf diversen Weihnachtswunschlisten in den Fanforen von Vereinen auftauchen, die händeringend Angriffsverstärkungen suchen. Wer uns da wohl als erster einfällt?

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s