Vorschaublog: Mehr Mut zum Risiko – Der Ziegler-Ausfall bietet auch Chancen, nach vorne mehr zu tun

Zuletzt drei Nullnummern hintereinander, das suggeriert Stillstand. Doch sprechen die Zahlen in diesem Fall nur zum Teil für sich. Sicher lassen sie auf stabile Defensiv- und klägliche Offensivleistungen schließen, doch ist in den drei Partien auch eine Abwärtsspirale erkennbar geworden, welche das immer gleiche Ergebnis eben nicht widerspiegelt.

Null-Null gegen Karlsruhe: War angesichts der Ansprüche, die an den FCK 2016/17 realistischer Weise gestellt werden dürfen, eigentlich noch ein ganz ordentlicher Kick. Gegen einen konzentriert arbeitenden und kompakt stehenden Gegner über längere Phasen dominant, dass Zouas Treffer nicht gegeben wurde, war Pech.

Null-Null in St. Pauli: Von Stiebers vergebenem Elfer mal abgesehen, chancenlos gegen einen über 90 Minuten engagierteren, vor allem aggressiveren Gegner. Lässt sich mit einigem Wohlwollen aber grad noch so mit der aufgeladenen Stimmung am Millerntor entschuldigen, wo der Partie quasi Finalcharakter verliehen worden war. Da kann sich ein Profi schon mal beeindrucken lassen.

Null-Null gegen Aue: Vermutlich eines der ereignislosesten Spiele in der Geschichte der Zweiten Liga. Offensiv der  Offenbarungseid gegen die Schießbude des Unterhauses (32 Gegentreffer), der sich nicht einmal wie sonst mit einer wenigstens untadeligen Defensivleistung schönreden lässt, da gegen diesen Gegner ja gar keine solche zu erbringen war. Das schlechteste Heimspiel der Saison, da gibts keine Entschuldigung.

AUE: KEIN AUSRUTSCHER, SONDERN HÖHEPUNKT EINER TRAURIGEN ENTWICKLUNG

Trainer Tayfun Korkut versichert in der PK vorm Jahresabschlussspiel in Nürnberg am Montag (20.15 Uhr), die Aufarbeitung dieser Erbärmlichkeit sei „relativ schnell abgeschlossen worden“. Und: „Ich bin mir auch sehr sicher, dass dieses Spiel, das von unserer Seite nicht so gut war, uns nicht durcheinander bringen wird. Fürs nächste Spiel und für die Zukunft.“

Ob dass freilich der richtige Ansatz ist – das Aue-Spiel als einmaligen Ausrutscher darzustellen? Markierte es nicht eher den Höhepunkt einer traurigen Entwicklung, die seit Wochen anhält? Geht das Stabilisieren der Defensive, das nach dem verbaselten Saisonsstart sicher zurecht Priorität, nicht zunehmend auf Kosten eigener Angriffsbemühungen?

Auch Korkut analysierte nach Aue korrekt, dass in dem Moment, in dem der lange Pass aufs Sturmduo Osawe/Zoua gespielt wurde, noch fünf, sechs Spieler hinterm Ball standen, so dass ein kollektives Draufgehen auf einen zweiten Ball gar nicht möglich war. Einige Spieler scheinen es sich in der – ja auch erfolgreichen – defensiven Ordnung so kommod gemacht zu haben, dass ihnen der Mut zum Risiko abhanden gekommen ist – und den braucht es nun mal, wenn es darum geht, nachzusetzen, Tore nicht nur per Lucky Punch zu erzielen.

In Nürnberg nun muss Ziegler seine Gelbsperre absitzen – ein Spieler, der als alleiniger Sechser in der Mittelfeldraute laut Korkut „eins zu eins nicht zu ersetzen ist“. Drum deutet auch der Coach an, dass es eventuell zu einer Änderung des Systems kommen könnte. Somit könnte der Ziegler-Ausfall auch einen positiven Effekt haben, da er die Chance bietet, was Neues auszuprobieren, das zu mehr Effekten Richtung gegnerisches Tor führt.

Ziegler mag sich im defensiven Mittelfeld als entscheidender Stabilisator des zu Saisonbeginn schwächelnden Defensivverbundes bewährt haben. Sein Aufbauspiel aus dieser Position heraus blieb aber stets, höflich ausgedrückt, verbesserungswürdig. Mittlerweile ist die Innenverteidgung Robin Koch/Ewerton – der Brasilianer ist nach seiner Pause gegen Aue übrigens wieder fit – jedoch so gut zusammengewachsen, das vor ihnen mal statt eines Abräumers zwei spielstarke zentrale Mittelfeldspieler agieren könnten.

MORITZ/RING ODER MORITZ/HALFAR?

Dies könnten Christoph Moritz und Alexander Ring sein, dem die besten Chancen eingeräumt werden, für Ziegler in die Mannschaft zu rücken. Der Finne ist zwar laufstark, aber nicht unbedingt passsicher – warum nicht Daniel Halfar wieder einmal aus einer zurückgezogenen zentralen Position neben Moritz beginnen lassen?  Unter Konrad Fünfstück hat er in der vergangenen Saison öfter da gespielt und dabei eine gute Figur gemacht, auch in punkto Zweikampfverhalten.

Vorne bietet sich an, dem Duo Zoua/Osawe weitere Einsatzzeiten zu ermöglichen. Gerade für Zoua ist es wichtig, jetzt zu einem regelmäßigen Spiele-Rhythmus zu finden, das betonen sowohl der Trainer als auch der Spieler selbst. Somit bietet sich ein flaches 4-4-2 an. Die Flügelpositionen darin könnten Zoltan Stieber und Marcel Gaus besetzen.

WENIGE ZAHLEN OFFENBAREN GROSSES DILEMMA

Irgendwas geändert werden sollte jedenfalls am Offensivkonzept. Der User „Andras“ hat im Taktik(tisch)thread des FCK-Forums bei „transfermarkt.de“ unlängst ein paar Zahlen zusammengetragen, an denen sich das Dilemma mit wenigen Worten veranschaulichen lässt. Demnach liegt der FCK über dem Zweitligadurchschnitt, was Ballkontakte pro Spiel und Ballbesitz angeht. Auch die Fehlpassquote beeindruckt auf den ersten Blick: 23,65 Prozent, das sind immerhin 4,04 Prozentpunkte weniger als der Rest der Liga. Und: Die Korkut-Truppe läuft auch mehr als andere, bislang hat sie 1864 Kilometer abgespult, die anderen Zweitligisten im Schnitt nur 1769.

Der Aufwand steht jedoch nicht im angemessenen Verhältnis zum Nutzen, wie die folgenden Zahlen zeigen. Nur 176-Mal haben FCK-Spieler in 16 Spielen aufs Tor geschossen – der Durchschnitt steht bei 207. Dabei kamen nur 47 Schüsse aufs Tor, der Rest der Liga schafft 65.

Tayfun Korkut dagegen betont immer mal, die Chancen wären ja da, es fehle nur die letzte Konsequenz. Auch wenn die Zahl der abgegebenen Torschüsse nicht unbedingt was über deren Qualität aussagt – auch nicht zahlenaffine Spielebetrachter erscheint diese Darstellung mittlerweile postfaktisch. Und das nicht nur, damit auch das Wort des Jahres in diesem Blog mal gefallen ist.

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