Extrablog: Keine Ahnung, wer nun Trainer wird – Hauptsache, er kann wieder Feuer entfachen

Eines mal gleich vorneweg: Sinn dieses Blogs soll es nicht sein, weiter die Spekulationen anzuheizen, wer neuer  Trainer beim 1. FC Kaiserslautern wird. Der Blogwart hat keine Ahnung, mit wem Sportdirektor Uwe Stöver gerade redet, unterstellt aber: Fast alle, die sich derzeit mit wüstem Name-Dropping die Klickzahlen ihrer Online-Auftritte in die Höhe treiben, haben das auch nicht. Sich zwischen den Jahren aber mal ein paar Gedanken zu machen, wie der Rücktritt von Tayfun Korkut zu bewerten ist und wie es nun weitergehen soll, kann dennoch nicht falsch sein.

Auch drei Tage nach dem Bekanntwerden des Korkutschen Abgangs schwebt immer noch die Frage im Raum: Warum? Auch die Interviews, die Stöver gestern gegeben hat, liefern nichts Erhellendes. Da soll ein „Prozess“ gewesen sein, der sich über Wochen hingezogen hat, die Entscheidung aber sei für seine engsten Vertrauten in seiner Arbeitsumgebung dennoch „überraschend“ gekommen – wie ist das denn zu verstehen?

HAT KORKUT SEINE ARBEIT NICHT ANGEMESSEN GEWÜRDIGT GESEHEN? MÖGLICH

Dass „private Gründe“ eine Rolle spielten, wie zunächst kolportiert wurde, ist unwahrscheinlich. In diesem Fall hätte sich der im Umgang mit den Medien gewandte Korkut mit einer eigenen, vielleicht auch gemeinsam mit dem Verein verfassten  Erklärung verabschiedet, so geschickt formuliert, dass seine Privatsphäre gewahrt geblieben wäre.

Dass er ging, weil es am  Betzenberg anders lief als vereinbart, vielleicht, weil ihm Verstärkungen in der Winterpause versagt worden waren – ist nicht unmöglich, aber ebenfalls nicht sehr wahrscheinlich. Korkut hat nie denn Eindruck erweckt, als sei er mit unrealistischen Erwartungen in die Pfalz gekommen.

Der Blogwart erlaubt sich daher mal die Vermutung: Korkut ging, weil er seine Arbeit zu negativ wahrgenommen sah. Dafür spricht, dass es am Vorabend seines Rücktritts zu einem Gespräch mit dem Aufsichtsrat gekommen war, in dem die Auftritte seiner Mannschaft, insbesondere vor dem Hintergrund der weiter sinkenden Zuschauerzahlen, dem Vernehmen nach mit deutlichen Worten kritisiert wurden. Und, dass Korkut bei der Vertragsauflösung auf jede Abfindung verzichtet haben soll – das fühlt sich nach verletztem Stolz an.

AUF DER „LANGEN STRECKE“ IST DER ERSTE NUN LIEGENGEBLIEBEN

Und ist auch nachzuvollziehen. Denn auch wenn nach der erfolgreichen Stabilisierung der Defensive das Spiel nach vorne stockte – schlechte Arbeit hat Korkut in seinem halben Jahr am Betze keinesfalls abgeliefert. An Engagement fehlte es ihm ebenso wenig wie an fachlicher Kompetenz. Auch sein Verhältnis zur Mannschaft war, soweit sich das als Beobachter beurteilen lässt, intakt. Bereits hier könnte sich eine nicht zu unterschätzende Hypothek für seinen Nachfolger auftun, der nun angehalten ist, vom ersten Augenblick an zu überzeugen, fachlich wie menschlich.

Die neuen Verantwortlichen am Betzenberg inklusive Sportdirektor haben nie etwas anderes erklärt, als dass es nach der Ära Kuntz nur darum gehen kann, über eine lange Strecke einen Neuaufbau zu schaffen. Jetzt ist, nach grade mal einem halben Jahr,  schon der erste bereits auf dieser Strecke geblieben. Das ist das eigentliche Alarmzeichen, den Korkuts Abschied setzt.

Das Personal hat zwar gewechselt, aber die Abwärtsspirale dreht sich immer noch – siehe Entwicklung der Zuschauerzahlen. Von der „Aufbruchsstimmung“ zu Saisonbeginn redet ohnehin keiner mehr.

DIE LOSUNG FÜR 2017: WENIGER GUARDIOLA, MEHR KLOPP

Stöver ist nun angehalten, einen Trainer zu finden, der die Emotionen an den Betzenberg zurückbringt. Vielleicht war Korkuts Ansatz, Fußball spielen zu lassen, ein wenig zu smart fürs auf Spektakel konditionierte Betze-Umfeld. Deswegen hätte man ihn zwar nicht nach einem halben Jahr vergraulen müssen, aber jetzt, wo er weg ist, sollte es legitim sein, über eine Kurskorrektur in dieser Richtung nachzudenken.

Weg von „Spielkontrolle durch Ballbesitz“, hin zu Angriffspressing mit konsequentem Gegenpressing. Weniger Guardiola, mehr Klopp. Das wird zwar kaum vom Start weg bessere Ergebnisse hervorbringen als zuletzt, denn gerade das scheinbar ungestüme Attackieren im vorderen Drittel verlangt eine saubere Staffelung des Kollektivs, die  sorgfältig eingespielt werden muss. Aber es heißt doch, dass das Publikum am Betzenberg einer Mannschaft, die mit „fliegenden Fahnen“ untergeht, immer verzeiht. Den Leitsatz gilt es mal, auf die Probe zu stellen. Und wenn es Zeit war, die Flucht nach vorne anzutreten, dann jetzt.

KAUCZINSKI UND SCHUSTER HABEN ABGESAGT – NA UND?

Insofern sollte sich auch kein FCK-Fan über Meldungen grämen, dass Markus Kauczinski und Dirk Schuster bereits „abgesagt“ hätten. Beide haben sich ihre Meriten nicht gerade mit dieser Art Fußball erworben. Und dass sie so kurz nach ihrer Entlassung keine Lust hatten, sich gleich wieder in ein neues Umfeld einzuarbeiten, nachdem sie dies erst im Sommer getan hatten, sondern dass sie sich lieber erst mal von ihrer Abfindung ein paar schöne Monate machen – das ist naheliegend und keinesfalls ein weiteres Anzeichen dafür, wie unattraktiv der FCK als Arbeitgeber mittlerweile angeblich geworden ist.

Dass es bei anderen, so genannten „namhaften“ Kandidaten an deren  Gehaltsvorstellungen scheitern dürfte, ist ebenfalls eine Banalität für sich. Was eine mindestens ebenso so große Rolle spielen dürfte: Kaliber wie Luhukay, Labbadia oder  Breitenreiter sind an Punkten ihrer Karriere, wo sie wohl nur einen Zweitligisten übernehmen würden, mit dem sich schnelle Erfolge erzielen ließen – für „lange Strecken“, wie sie beim FCK gegangen werden müssen, dürfte ihnen derzeit die Luft fehlen, von der Lust mal abgesehen.

WARUM KEINEN AUS DEN UNTEREN KLASSEN?

Von daher muss es kein Fehler sein, sich einen Kandidaten aus unteren Klassen auszugucken, der noch jung genug ist, seine Vorstellungen von Fußball den geforderten Gegebenheiten anzupassen. Sven Demandt etwa hat gerade seine A-Lizenz erworben, ist fußballtheoretisch also auf dem neuesten Stand, und steht mit steht Rot-Weiß Essen auch in der Praxis recht gut da. Als Spieler in Mainz ist er in den 1990er Jahren nachhaltig von Trainer Wolfgang Frank inspiriert worden – wie auch Jürgen Klopp, Torsten Lieberknecht, Jürgen Kramny, Christian Hock und… Uwe Stöver. Vielleicht passt das ja  besser, als man denkt.

Die Krux ist aber: Das Umfeld präsentiert sich derzeit so angefressen, dass es von gar niemanden etwas Gutes denkt. Bestes Beispiel ist der ebenfalls als „Kandidat“ gehandelte Norbert Meier. Okay, der mag nicht gerade sympathisch rüberkommen, aber seit wann hat das von den populären Sportmedien vermittelte Bild eines Menschen irgendetwas mit Realität zu tun?

DER WUNSCH ZUM NEUEN JAHR: EINE POSITIVERE EINSTELLUNG

Und: Meier mag in Darmstadt gerade „gescheitert“ sein, aber wie viele Jahre hintereinander dachte der Klub eigentlich, sich über seine Verhältnisse behaupten zu können? Mit Duisburg, Düsseldorf und Bielefeld ist Meier in den Jahren zuvor stets aufgestiegen, mit den Düsseldorfern sogar zwei Mal – sollte das nicht viel eher in den Fokus rücken, wenn über ihn diskutiert wird?

Auch wenn keiner mehr die Kuntz-Phrase von der „überzogenen Erwartungshaltung“ hören mag: Eine etwas positivere Einstellung wäre im neuen Jahr auch im FCK-Umfeld wünschenswert. Damit sich die Abwärtsspirale nicht munter weiterdreht.

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