Extrablog: WM-Aufstockung? Bitte nicht ohne Thailand – und seine kickenden Elefanten

Erstaunlich, was so ein Elefant für einen Schuss hat. Der Torwart streckt sich vergeblich, als der Ball neben dem rechten Pfosten einschlägt. Und klatscht, da der Kasten netzlos ist, kräftig an die dahinterliegende Bande der sandigen Arena. Dabei nimmt der Dickhäuter kaum Anlauf, er holt praktisch nur aus dem Kniegelenk Schwung… und dann so ein Bumms, Respekt. Der selige Hans-Günter Neues hätte da seine Freude dran.

Moment mal, wird sich der ein oder andere Leser jetzt fragen.

Der Blogwart langweilt sich in der Winterpause so sehr, dass er Elefanten beim Fußballspielen zuschaut? Unschuldigen Tieren, denen gewissenlose Halter widernatürliche Kunststückchen angedrillt haben, zum Pläsier eines grölenden, grenzdebilen Mobs?

Immer langsam, liebe Tierfreunde.

Diese Elefanten leisteten früher Arbeitsdienst im Straßenbau, das war ungleich härter. Davon sind sie nun erlöst. Doch sie einfach so wieder in die Wildnis zu integrieren, ist halt nicht so einfach. Drum leben sie jetzt in sogenannten Elefantencamps. Reißen am Tag zwei dieser halbstündigen Shows für Touris ab, mit denen sie sich sozusagen ihr eigenes Futter verdienen. Und davon haben sie hier, im Gegensatz zu vielen ihrer Artgenossen, genug. Und um 17 Uhr haben sie Feierabend. Fußballspielen oder Malen lernen – kein Witz: Die Viecher malen mit dem Rüssel Bilder, die es nebenan im Fanshop zu kaufen gibt – ist für so ein kluges Tier außerdem gar nicht mal so eine Tortur, mit irgendwas will so ein wacher Geist ja auch beschäftigt sein den lieben langen Tag.

Ist also gar kein schlechtes Leben als kickender Elefant in Nordthailand, wo der Blogwart gerade Urlaub macht.

„WE’LL GO TO THE TOP“ – WARUM LÖWEN ARME SCHWEINE SIND

Warum auch nicht? Der 1. FC Kaiserslautern rauscht heute Morgen nach Spanien ab, die Bayern residierten wieder mal ebenso großkotzig wie politisch unkorrekt in Katar. Die Münchner Löwen werden zurzeit von einer knarrenden Lautsprecherstimme über einen Trainingsplatz bei Troia gescheucht. Nein, eben nicht das in Griechenland, sondern in Portugal. Von wo auch ihr neuer Trainer herkommt, den ihnen ihr jordanischer Sponsor verordnet hat. Der, so stand’s in der Süddeutschen, noch nicht viel gesagt außer „We’ll go on the top“.

Ansonsten wissen die Sechziger derzeit nicht, mit wem sie reden sollen, heißt es weiter. Einen Sportdirektor, mit dem eventuell über Vertragsverlängerungen et cetera bequakt werden könnten, haben sie nicht mehr, Geschäftsführer Anthony Powers ist meistens abwesend oder unterhält sich mit engen Vertrauten in seiner Landessprache, die noch unverständlicher ist als niederbayrisch. Die Löwen sind halt arme Schweine. Und viel schlimmer dran als beispielsweise Elefanten in Nordthailand.

Andererseits aber auch nicht so schlimm wie Icke Hässler, der ab heute im Dschungelcamp Hirschpenis und dergleichen schlucken muss. Prinz Poldi dagegen wird – oder auch nicht , sind halt Gerüchte – in Peking erwartet. Unterkunft und Verpflegung dürften da jedoch vom Feinsten sein.

Will sagen: Alle Welt treibt sich derzeit irgendwo rum. Warum also nicht der Blogwart in Thailand?

NICHTS GEWESEN AUSSER SPESEN: WINNIE KAM, SAH – UND GING WIEDER

Fußball gespielt wird hier auch. Sogar in einer „Premier League“. Das ist sogar eine richtige Profiliga, wie Wi, des Blogwarts Führer durch Northailand, erzählt. Mit Dennis Buschening, ehemals Hamm, und Björn Lindemann, ehemals Hannover, kicken da auch zwei Deutsche. Verdienen da vielleicht nicht gerade auf dem Niveau, auf dem sich Poldi demnächst vielleicht seine Frühlingsrollen verdient, aber es gibt weiß Gott viele Orte auf der Welt, an denen es sich weniger gut aushalten lässt.

2013 hat auch Winnie Schäfer mal in Thailand vorgeschaut, hat vorübergehend sogar die Nationalmannschaft gecoacht. Bei Wi anscheinend jedoch keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wohingegen seine Augen zu glänzen beginnen, wenn er auf den aktuellen Teamchef der Thais zu sprechen kommt: Kiatisuk Senamuang war zu seinen aktiven Zeiten der populärste Kicker seines Landes, versuchte sich um die Jahrtausendwende sogar mal in England bei Huddersfield in England, allerdings ohne Erfolg. Zuhause aber war er Spieler-, jetzt ist er Trainergott. Der Kaiser von Thailand gewissermaßen. Hoffentlich erspart er sich bei dieser Parallele das Finale als korrupter Funktionär.

„Das ist wichtig für Thailand, dass der Nationaltrainer ein Landsmann ist“, sagt Wi. Und Senamuangs Buben kicken gar nicht so schlecht, gerade haben sie zum zweiten Mal hintereinander die Südostasienmeisterschaft gewonnen.

In der WM-Quali für 2018 hakt’s allerdings. Nachdem die Thais die zweite Quali-Runde souverän als Gruppenerster abschlossen, liegen sie in der dritten nun mit erst einem Punkt auf dem letzten Platz. Noch aber stehen zwei Partien aus, es sind also noch sechs Punkte zu vergeben, und das Vertrauen der Senamuang-Kicker in die eigene Stärke ist immens. Außerdem glauben sie an Geister. Einige jedenfalls.

Daher finden es die Thailänder auch gut, dass die FIFA nun die Aufstockung der WM auf 48 Mannschaften ab 2026 beschlossen hat. „Da haben wir eine gute Chance, endlich auch mal dabei zu sein“, meint Wi. Sein Land, in dem auch gut und gerne mal 80.000 ins Stadion strömen, wenn das Nationalteam kickt, hat sich nämlich noch nie für eine Fußball-WM qualifiziert.

WM–AUFSTOCKUNG: CHANCE FÜR KLEINE? DA SCHWEIGT DES GASTES HÖFLICHKEIT

Was soll man als höflicher Gast dazu sagen? Dass das Aufblähen dieses Turniers ein großer Nepp ist und nur dazu dient, der FIFA und ihren fetten Funktionären fünf- bis sechshundert Millionen mehr Einnahmen aus TV-Geldern und Sponsoren zu bescheren? Dass es den Spielern dadurch endgültig unmöglich wird, am Ende einer langen Vereeinssaison nochmal Vorzeigbares zu leisten?

Dass für die 16 „Kleinen“, die nun zusätzlich zum Turnier fahren dürfen, nicht mehr bleiben wird als ein paar Wochen Vorfreude, die dann umso bitterer enttäuscht wird? Weil die Dreiergruppen, in denen das Turnier beginnt, so gesetzt sein werden, dass die „Kleinen“ nur Kanonenfutter für zwei andere Teams darstellen? Dass dies zu allem führen wird, nur nicht dazu, dass noch mehr Fußballbegeisterung in die kleinsten Winkel der Welt getragen wird, wie Infantino und Konsorten es sich wahrscheinlich sogar selbst in die Tasche lügen?

Macht der höfliche Gast natürlich nicht. Sondern nickt und lächelt, als freue er sich mit.

Wer weiß, vielleicht kommt ja auch alles anders. Weil die Südostasiaten noch an Geister glauben, und damit vielleicht sogar richtig liegen.  Das Tor etwa, für das der Malaye Mohd Faiz gerade den Puskas Award gewonnen hat – sieht das etwa so aus, als gehorche der Ball den Gesetzen weltlicher Physik? Noch besser wär’s freilich, die Thailänder dürften bis dahin ihre Elefanten mitspielen lassen…

Elephant Blogwart 2.jpg

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