Vorschaublog: Vorhang auf für Meier – Kein Klein-Klein, sonst gibt’s einen Tritt in den Pfirsisch

„Grundsätzlich ist es so, dass mich die Spieler siezen und ich sie duze, das war schon mal die eine Form des Kennenlernens.“ Tja, an diese Art von Humor wird man sich auf dem Betzenberg gewöhnen müssen: Vorgetragen mit todernstem Gesicht, knochentrocken. Und als Antwort auf die Frage, wie sich denn die Zeit des Kennenlernens, als die er die Wochen der Vorbereitung auf die Rückrunde  ja selbst bezeichnet hatte, für ihn denn nun gestaltet habe, könnte der ein oder andere übersensible Kollege sie auch als sanfte Form der Verarschung begreifen.

Aber soo fies ist Norbert Meier nun auch wieder nicht, ein paar Worte zur Erhellung schickt er schon noch hinterher: „Im Grunde brauchst du gar nicht so viel Zeit, um dich zu beschnuppern. Wir sind uns alle schon einmal über den Weg gelaufen.“ Nur das tägliche Zusammenarbeiten mit den meisten sei neu.

AUSGERECHNET HANNOVER: MEIER GUCKT MÜRRISCH, ABER DAS TUT ER IMMER

Das Spiel eins im Jahr eins unter Meier steht an, am Montag abend, 20.15 Uhr, geht’s zum aktuellen Tabellenzweiten und designierten Aufstiegsfavoriten Hannover 96. Man kann sich für eine Premiere einfachere Aufgaben vorstellen, aber einen Grund, an seinem permanent gleichbleibenden Gesichtsausdruck etwas zu ändern, stellt auch diese Herausforderung für Meier nicht dar, zumal dieser, mit Verlaub, ohnehin stets ein wenig mürrisch wirkt.

Vor allem scheint am Betzenberg eine neue Dimension des bildlichen Vergleichs Einzug gehalten zu haben. Kostprobe: „Für den Verein und die Spieler geht es immer weiter, und die Spieler wollen erfolgreich sein. Ob da nun mein Pfirsisch hier sitzt oder ein anderer Pfirsisch, das ist im Grunde egal.“ Wir notieren uns also: Welchen menschlichen Körperteil setzt der neue FCK-Coach mit einem Pfirsich gleich – den Kopf oder den Ihr-wisst-Schon? Möglichkeit zwei zeugt vom sinnlichen Wahrnehmungsgefühl eines wahren Sprach- und Körperlichkeitsästheten… Wir werden das weiter beobachten.

Ebenfalls stark: Talent Max Dittgen, denn Schnelligkeit und Ausdauer gleichermaßen auszeichneten („Das ist selten“) müssten noch ein paar „Krabben im Kopf“ entfernt werden… Wir sind gespannt, hoffen aber, dass der Coach sie ihm nicht eigenhändig rauspuhlen will, das hätte was von Splatter-Movie.

DIE ERSTE PK: MEHR SCHNUPPERKURS ALS ERKENNTNIS-SEMINAR

Der ein oder andere hat es vielleicht schon gemerkt: Die erste Spielankündigungs-Pressekonferenz mit Norbert Meier lebte ebenfalls eher vom Beschnuppern denn vom fußballerischen Erkenntnisgewinn. „Sie können nicht von mir erwarten, dass ich hier detailliert erzähle, wie wir das Spiel angehen wollen“, stellt der 58-jährige denn auch klar. Ist ja auch in Ordnung. Das tun seine Kollegen in vergleichbarer Situation schließlich  ebenfalls nicht.

Immerhin erfahren wir, dass Hannover vermutlich „früh drauf geht. Da können wir nicht mit Klein-Klein-Spielen paroli bieten, sondern müssen Mittel und Wege finden, um für uns Dinge zu inszenieren.“ Könnte also sein, dass künftig wieder ein paar lange Bälle mehr gespielt werden von den Jungs in den FCK-Trikots.

Zum Personal: Ausfallen wird weiterhin Mensur Mujdza, „bei dem es noch eine Weile dauern wird.“ Jacques Zoua weilt noch beim Afrika-Cup und hat aktuell gerade mit Kamerun das Halbfinale erreicht, wird also ebenfalls mindestens noch eine Woche fehlen. Und Zoltan Stieber ist wegen einer Grippe nicht dabei.

RING IST WEG: ES HAT NICHT WIRKLICH GEPASST

Die voraussichtliche Startelf verrät der Trainer natürlich nicht, auch das ist nichts Neues. Es darf also spekuliert werden. Nahe läge die Auswahl, die in das letzte Testspiel gegen den FK Pirmasens am vergangen Dienstag (1:0) startete. Allerdings war da Alexander Ring dabei, und der wird am Montag definitiv nicht mehr spielen: Am Samstagabend wurde sein Wechsel zum New York City FC bekannt.

Im Sommer wäre sein Vertrag ohnehin ausgelaufen, durch den Wechsel im Winter kassiert der FCK wohl noch ein kleine Ablöse, und eine Verlängerung des Arbeitspapiers stand ernsthaft wohl für keine Partei zur Disposition. Der Finne, als Box-to-Box-Spieler eigentlich mit guten Fähigkeiten ausgestattet, erlebte in seinen dreieinhalb Jahren am Betzenberg eine starke Phase unter Trainer Franco Foda, spielte dann in der Hinrunde 2014/15 unter Kosta Runjaic eine Halbserie lang richtig stark auf, um dann nach einer Verletzung nie mehr zu konstanter Form zu finden. Jetzt will der 25-jährige bei Trump auftrumpfen, die Einreise scheint für ihn schon mal nicht zum Problem zu werden… Alles Gute, Alex, hoffentlich musst du das nicht bereuen.

Rings Platz in der Startelf könnte Patrick Ziegler einnehmen. Angesichts der Offensivstärke des Auswärtsgegners ist ein defensivstarker Sechser die naheliegende Lösung. Ansonsten ist kaum zu erwarten, dass Meier am zuletzt starken Defensivverbund was ändert. Das heißt: Pollersbeck im Tor, davor Mwene, Koch, Ewerton, Gaus.

ENDLICH DABEI: „PRITSCHE“ UND KERK

Im defensiven Mittelfeld wird neben – vermutlich – Ziegler wohl Christoph Moritz beginnen. Auf der Zehnerposition wird Daniel Halfar zurückkehren, und diese, das lassen diverse zaghafte Hinweise vermuten, wohl auch nach der Genesung Stiebers behalten. Die komplette Vorbereitung gut durchgestanden haben die zuletzt verletzten Sebastian Kerk und Kacper Przybylko, „Pritsche“ hat in allen drei Testspielen sogar jeweils genetzt. Beide werden ebenfalls in der Startelf erwartet. Elfter im Bund dürfte Osayamen Osawe sein, entweder als Sturmpartner Przybylkos im 4-4-2 oder als linker Außenbahnspieler im 4-2-3-1. Diverse Beobachtungen aus den Testspielen deuten darauf hin, dass Meier eventuell eine Art Hybridversion aus diesen beiden Grundformationen anstrebt.

Und was kann vom FCK in der Rückrunde erwartet werden? Der einstellige Tabellenplatz, der zu Rundenbeginn als Saisonziel ausgegeben wurde, ist nach wie vor drin. Sollte frühzeitig Distanz zum Tabellenende geschaffen werden können, wäre diese Halbserie ideal, um das Mannschaftsgerüst zu stabilisieren und eventuell noch ein paar Talente an die Startelf heranzuführen, so dass in die nächste Saison möglichst mit einer eingespielten Truppe gestartet werden kann.

KOMMT NOCH EINER? WENN, DANN LIEBER WAS JÜNGERES ALS DICK

Vor diesem Hintergrund macht es absolut Sinn, dass es sich bei dem neuen  Außenverteidiger, der bis zum Transferschluss Ende Januar eventuell noch verpflichtet wird, nicht um den vorübergehend gehandelten 32-jährigen Florian Dick von Arminia Bielefeld handeln soll. Sportdirektor Uwe Stöver ist gut beraten, künftig ausnahmslos jüngere Spieler mit einer Perspektive für die nächsten zwei, drei Jahre anzuheuern.

Distanz zu den Abstiegsrängen zu schaffen, ist andererseits leichter gesagt als getan. Auch wenn es eine Phrase ist: Die Konkurrenz schläft nicht. Der Tabellenletzte FC St. Pauli etwa hat sich in der Winterpause mit Johannes Flum, Lennart Thy und Mats Möller Daehli wirkungsvoll verstärkt. Erzgebirge Aue, das auf dem anderen Abstiegsplatz überwinterte, hat am Freitag die Überraschungsmannschaft Heidenheim geschlagen und sich dabei einmal mehr durch starke Kollektivarbeit und den Einfallsreichtum seines Trainers Pavel Dotchev ausgezeichnet, den vielleicht unterschätztesten Coach der Liga.

WUNDERTÜTE 1860 SETZT JETZT AUF NACKTE TATSACHEN

Und dann ist da noch ein anderes Kellerkind, 1860 München, die wohl größte Wundertüte dieser Spielklasse, erst recht nach der Verpflichtung des Portugiesen Vitor Pereira als Trainer und einigen winterlichen Neuzugängen, auf die sich noch niemand einen Reim machen kann. Allerdings: Manchmal bereiten Wundertüten durchaus positive Überraschungen… Am Freitag schlugen die Löwen schon mal Greuth und haben sich in der Tabelle vor den FCK geschoben. Obacht, also.

Eine Bereicherung für die Liga stellt auf jeden Fall der Münchner Neuzugang Christian Gytkjaer dar. Ob als Fußballer, sei noch dahingestellt, doch erhöht er ohne Frage den Glamourfaktor und das Interesse weiblicher Fans für Unterhaus-Sport. In sozialen Netzwerken zeigt sich muskulöse Norweger gerne weitgehend textilfrei, was auch der Sport Bild bereits aufgefallen ist. Und da sich der Blogwart ebenfalls über viele weibliche Leser freut, sei der Beitrag hier verlinkt, die Anmerkung aber gestattet: Das Wesentliche mit einem derart monströsen Pokal zu verdecken, ist reichlich großspurig. Dahinter steckt mit Sicherheit mehr Schein als Sein.

 

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