Gegnerblog: FCK Favorit? Das sagt der Franke doch nur zum Scherz

Heimspiel gegen einen Aufsteiger, da war die berüchtigte „Erwartungshaltung“ am Betzenberg immer schnell definiert: Drei Punkte, was sonst. Die wären auch in der Partie gegen die Würzburger Kickers am Freitag, 18.30 Uhr, bitter nötig. Nur: Ganz so selbstverständlich, wie es sich vom Klang der Vereinsnamen vielleicht herleiten lässt, sind die drei Zähler kaum.

Da kommt kein Aufsteiger mehr, sondern der aktuelle Tabellensiebte der Zweiten Liga, der fette neun Punkte mehr auf dem Konto hat als der FCK. Seit sieben Spielen sind die Franken ungeschlagen, zum Rückrundenauftakt hatten sie Tabellenführer Eintracht Braunschweig am Rand einer Niederlage: Erst ein Treffer Christoffer Nymans in der Nachspielzeit sicherte den Niedersachsen einen Punkt.

Wenn Kickers-Coach Bernd Hollerbach die Lauterer im „kicker“ dennoch als Favorit  bezeichnet, ist das reines Understatement. Dass die Kickers nach zwei Aufstiegen in zwei Jahren in der Liga bleiben, ist für jeden einigermaßen interessierten Beobachter eigentlich kein Thema mehr, auch wenn die Verantwortlichen unermüdlich darauf hinweisen, dass die Rückrunde noch „knüppelhart“ werden kann.

DAS KICKERS-REZEPT: ANDERSWO ABGESCHRIEBENE WIEDER STARK MACHEN

Das Erfolgsgeheimnis? Zunächst einmal das, was einst einen gewissen Traditionsklub in der Pfalz einmal auszeichnete: Spieler einsammeln, deren Fähigkeiten anderswo nicht recht zur Geltung kamen und diese mit Bedacht zu neuer Stärke führen. Typen wie etwa Elia Soriano. Im Januar 2016 vom Damals-Noch-Drittligisten Kickers Stuttgart geholt, hat sich der immerhin schon 27-jährige als starker Zweitligastürmer profiliert. Dass er nur fünf Treffer erzielt hat, sollte da angesichts seiner Beweglichkeit und seiner Cleverness, mit der er seine Mitspieler einsetzt, nicht täuschen.

Zuletzt spielte sich Tobias Schröck, zu Saisonbeginn von Drittligist Sonnenhof-Großaspach geholt, in den Vordergrund. Obwohl Schröck mit 24 nicht mehr ganz im Talent-Alter ist, hat Hollerbach nochmal einiges an Potenzial aus ihm herausgekitzelt, ihn zuletzt vom Sechser zum Zehner umfunktioniert. Mit dem 21-jährigen Magdeburger Sebastian Ernst schnappten sich die Würzburger in der Winterpause ein weiteres vielversprechendes Drittliga-Talent, mit Lukas Fröde holten sie aus Bremen einen 22-jährigen Defensivspieler, dem nachgesagt wird, dass er seine Fähigkeiten noch längst nicht ausgeschöpft hat.

THORSTEN FISCHER: DER ETWAS ANDERE INVESTOR

So sehr es die Franken einerseits genießen, in der Beschaulichkeit der Provinz arbeiten zu können, so rührig sind sie andererseits, wenn es darum geht, über den Tellerrand hinaus zu blicken – und zu handeln. Klar geht’s auch da nicht ohne Geld, und mit Thorsten Fischer, Chef der Online-Druckerei „Flyeralarm“, steht ihnen einen Investor zur Seite, wie der 1. FC Kaiserslautern ihn gerne hätte. Zumal der Unternehmer, der auch als Aufsichtsratsvorsitzender der Würzburger Kickers AG firmiert, sich nicht gebärdet wie ein Ismaik oder Kühne. Fischer gilt als umgänglicher Typ mit Gespür für Land und Leute und steht vor allem mit Coach Hollerbach in bestem menschlichem Einvernehmen.

Jüngst widmeten sich mehrere Medien der neuen Kooperation zwischen den Kickers mit dem österreichischen Erstligisten Admira Wacker Mödling, der sich ebenfalls unter den Fittichen von „Flyeralarm“ befindet. Die „Süddeutsche“ fragte sich sogar, ob da eine Art „Mini-Red Bull“ entstehe. Dem widersprach der Würzburger Geschäftsführer Daniel Sauer, ein ehemaliger Handball-Profi, vehement: „Wir wollen hier zwei Vereine weiterentwickeln, keine Marke.“ Profitieren sollen beide Seiten, mit Amir Shapourzadeh fungiert jetzt ein ehemaliger Kickers-Spieler als Manager bei Mödling.

GANZ ANDERS ALS 96: DIE KICKERS PRESSEN HINTEN

Für die Würzburger sind vor allem Gewächse der Admira-Jugendakademie interessant, die unter anderem den aktuellen Leipziger Marcel Sabitzer und die Ösi-Legende Andreas Herzog ausgebildet hat. Und seine höher ambitionierteren Talente nach Deutschland abzugeben, macht für Mödling mehr Sinn, als sie an finanzstärkere Klubs in der eigenen Liga zu verlieren, wo die Kluft zwischen arm und reich ebenfalls zusehends größer wird.

Bislang hat mit Jörg Siebenhandl allerdings erst ein Spieler die neue starke Connection genutzt, und der ist bislang nur Ersatztorwart. Wird am Freitag also eher weniger eine Rolle spielen.

Zu erwarten hat das Team von FCK-Coach hat Norbert Meier eine diszipliniert und in der Defensive konzentriert aufspielende Truppe, die ihr Pressingspiel erst in der eigenen Hälfte aufzieht. Und die, auch wenn Dribbler Nejmeddin Daghfous erneut ausfallen sollte, bisweilen geniale Angriffszüge in petto hat, diese aber nicht permanent zustande bringt – mehr dazu gibt es in der Zweitliganalyse von Blogger Marius Kunte bei niemalsallein.de zu lesen. Heißt nichts anderes als: Dieses Spiel wird ein vollkommen anderes als der Rückrundenauftakt gegen Hannover 96, den der FCK stark, aber erfolglos gestaltete.

2 Gedanken zu “Gegnerblog: FCK Favorit? Das sagt der Franke doch nur zum Scherz

  1. „Zuletzt spielte sich Tobias Schröck, zu Saisonbeginn von Drittligist Sonnenhof-Großaspach geholt, in den Vordergrund. Obwohl mit 24 nicht mehr ganz im Talent-Alter, hat Hollerbach nochmal einiges an Potenzial aus ihm herausgekitzelt, ihn zuletzt vom Sechser zum Zehner umfunktioniert.“ – demnach ist Hollerbach 24? Das hatte ich anders in Erinnerung 😉 😉
    Aber sonst vielen Dank für den wie immer interessanten und informativen (beides mehr als man von der Presse gewohnt ist) Blog. Das muss dann auch mal gesagt sein.

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