Gegnerblog: Auf nach Düsseldorf, Verwandte besuchen – und nicht vergessen, Erich zu gratulieren!

Nach Düsseldorf fahren ist ein bisschen wie Verwandte besuchen. Die Fortuna ist seit sechs Spielen sieglos, seit fünf Partien ohne Treffer. Erinnert ein bisschen an die Serie, die der 1. FC Kaiserslautern hinlegte, ehe Robert Glatzel sie mit einem späten Abstaubertor in einem wenig berauschenden Kick gegen Würzburg beendete, oder? Aber auch sonst gibt es einige Parallelen zwischen Düsseldorf und dem FCK.

Lautern ist 2012 in die Zweite Liga abgestiegen, Fortuna 2013, somit kämpt der eine „Traditionsverein“ nunmehr im sechsten Jahr um seine Rückkehr in die Erstklassigkeit, der andere im fünften. Der FCK hat es nach seinem Sturz immerhin noch drei Jahre lang geschafft, um den Aufstieg mitzuspielen, die Rheinländer befanden sich nur im ersten Zweitligajahr, das sie auf Rang 6 abschlossen, noch einmal einigermaßen auf Tuchfühlung zur Spitze, danach ging’s bergab.

DA HELFEN KEINE TOTEN HOSEN: OHNE SPORTLICHE VERBESSERUNG LÄUFT NICHTS

Mittlerweile führen beide ein mausgraues Zweitligadasein, kämpfen beide gegen sinkende Zuschauerzahlen. Fortuna begrüßte im Bundesligajahr 2012/2013 im Schnitt noch 46.500 Besucher bei Heimspielen, aktuell sind es nur noch 27.000. Dagegen gehalten soll unter anderem mit einem neuen Marketing-Konzept. Vor Weihnachten bescherte beispielsweise eine „Vier Tickets zum Preis von drei“-Aktion nach Angaben des Vereins 4000 Zuschauer mehr. Zur Nachahmung empfohlen? Müssen die FCK-Marketingexperten entscheiden, eine Anregung ist es auf jeden Fall.

Andererseits können die „Toten Hosen“ einheizen, wie sie wollen: Ohne sportliche Verbesserung lässt sich das Publikum auf Dauer nicht halten, da helfen auch keine innovativen Vermarktungsstrategien. Vergangenes Jahr drohte lange der Sturz in der Drittklassigkeit, ehe Trainer-Oldie Friedhelm Funkel kurz vor knapp den Klassenverbleib sicherte.

FORTUNA 16/17: SOLIDE MISCHUNG AUS VETERANEN UND TALENTEN

In dieser Saison bot die Mannschaft bislang solide Zweitligakost, das Mannschaftsgerüst wirkt auf den ersten Blick mit kundiger, ruhiger Hand zusammengestellt: Veteranen wie Bellinghausen, Bodzek, Fink, Madlung und Hennings sorgen für Stabilität, mit Ayhan, Bebou, Akpoguma, Sobottka und Ritter entwickeln sich interessante Talente, die auf Sicht ordentliche Ablösesummen in die Vereinskasse spülen oder das Projekt „Wiederaustieg“ auf sportlichem Weg direkt bescheren könnten. Mit dem Leroy Sane-Double Emmanuel Iyoha machte zuletzt eine weitere vielversprechende Nachwuchshoffnung auf sich aufmerksam.

Gespielt wird meistens in einer 4-1-4-1-Grundformation, die an guten Tagen äußerst kompakt steht. Gelegentlich wird sie von Funkel in ein 4-2-3-1 variiert.

Die jüngste Negativserie allerdings lässt dem Trainer den Wind wieder härter ins Gesicht blasen, das ist wohl ganz normal bei Traditions-, aber auch anderen Vereinen. Der Start ins neue Jahr wurde mit einer empfindlichen 0:3-Heimniederlage gegen Sandhausen tüchtig verzockt, am vergangenen Montag folgte eine eigentlich absehbare 0:2-Schlappe bei Topfavorit Stuttgart, deren Zustandekommen allerdings ebenfalls für heftigen Unmut beim Anhang sorgte.

SYMPATHISCH: DIE SENIOREN-WG WIDER DEN JUGENDWAHN

Interessant: Funkel räumte hinterher freimütig ein, nicht nur sein Team, auch er selbst habe Fehler gemacht, habe zu spät die Formation geändert, um noch was zu retten. Das trauen sich normaler Weise nur Trainer, die das Gefühl haben, absolut fest im Sattel zu sitzen. Oder die nach langen Jahren im Geschäft einfach nichts mehr erschüttern kann. Erklärungsansatz zwei kommt bei Funkel auf jeden Fall hin, Nummer eins wahrscheinlich auch.

Fortuna nämlich wird von einer Art Senioren-WG regiert, die sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lässt, und die angenehm sympatisch wirkt angesichts des allenthalben regierenden Jugendwahns. Dem 63-jährigen Funkel assistiert der 64-jährige Peter Herrmann, ebenfalls ein echtes Kind der Bundesliga, zuletzt lange Jahre als Trainer und Co-Trainer bei Bayer Leverkusen.

Und den Vorsitz in der Rentnergang führt der ehrenamtliche Sportvorstand Erich Rutemöller. Der wird justament heute, am 8. Februar, 72 Jahre alt. Weswegen ihm abschließend unbedingt ein paar Zeilen gewidmet werden müssen. Auch wenn die Rheinländer unter den Lesern jetzt aufstöhnen.

NICHT SCHON WIEDER: „MACHET, OTZE!“ – DOCH, MUSS SEIN

Schon wieder die „Machet, Otze“-Geschichte, das muss doch nicht sein. Der Mann ist seit Jahrzehnten in Sachen Fußball in rührigster Weise rund um die Welt unterwegs, ihn auf diese dumme Nummer zu reduzieren, ist genauso blöd, wie FCK-Trainer Norbert Meier – übrigens auch fünf Jahre lang Trainer in Düsseldorf – ewiglich diese Kopfnuss–Affäre vorzuhalten.

Aber sie ist nun mal zu schön.

Und für den Blogwart mit einer netten persönlichen Erinnerung verbunden. In seiner Thekenmannschaft ersetzte, Rutemöller sei Dank, der Ausruf „Machet“ in den 1990ern jahrelang das „Prost“, wenn die dritte Halbzeit lief. Legendäre Zeiten. Der Blogwart möchte sie nicht missen.

AM ANFANG WAR EIN BLÖDER FEHLER IM DFB-REGELWERK

Für die jüngeren Leser sei die Anekdote also nochmal nacherzählt. Den Hintergrund bildet ein damaliger, ziemlich blödsinniger Fehler im Regelwerk des DFB, für den der Debile Funktionärs-Bund wie immer eine Ewigkeit brauchte, um ihn zu elimieren.

Damals wurden Spieler, die im laufenden Pokalwettbewerb die zweite Gelbe Karte sahen, für das darauffolgende Pokalspiel gesperrt. Wer aber mit Rot vom Platz flog, saß seine Sperre in Ligaspielen ab. Bescheuert, aber wahr.

An 7. Mai 1991 kickte der von Rutemöller gecoachte 1. FC Köln im Halbfinale des DFB-Pokals gegen den MSV Duisburg. Führte kurz vor Schluss 3:0, das Finale war also sicher. Nur: Der Kölner Spieler Frank „Otze“ Ordenewitz hatte zuvor seine zweite Gelbe Karte gesehen, wäre in Berlin also gesperrt gewesen.

Da rief ihm Rutemöller die berühmt gewordenen Worte zu: „Machet, Otze!“

Und Otze drosch den Ball nach einer Spielunterbrechung scheinbar völlig unmotiviert in die Ränge, bekam dafür folgerichtig Rot – und rechnete nun damit, für die Liga gesperrt zu werden, im Finale aber spielen zu können.

Dumm nur: Der stets aufrichtige Rutemöller gab nach dem Spiel vor laufenden Kameras unumwunden zu, „Otze“ eben diese Anweisung höchstpersönlich erteilt zu haben, um ihm die Finalteilnahme zu sichern. Worauf der spaßbefreite DFB Otze dennoch sperrte und dem Coach 5000 Mark Geldstrafe aufbrummte.

UND DIE MORAL VON DER GESCHICHT? WER EHRLICH IST, IST AM ENDE DER ARSCH

Warum der Blogwart findet, dass sich Erich Rutemöller wegen dieser Geschichte eigentlich gar nicht mal schämen muss? Weil sie beispielhaft demonstriert, dass eine „ehrliche Haut“ in diesem Geschäft schlussendlich immer der Arsch ist. So war es damals schon und so ist es heute erst recht.

Insofern: Danke für diese wichtige Lebenslektion, Erich. Und feier schön. Prost,  beziehungsweise: „Machet!“

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