Vorschaublog: Auch ohne Koch braucht Meier gegen Fortuna ein Rezept – „Wir dürfen uns nicht locken lassen“

Die beste Abwehrreihe der Zweiten Liga ist gesprengt. Der 1. FC Kaiserslautern wird ohne seinen Innenverteidiger Robin Koch am morgigen Freitag, 18.30 Uhr, bei Fortuna Düsseldorf antreten. Den 20-jährigen setzt eine „Muskelverletzung“ außer Gefecht. Wie lange der Youngster, der diese Saison so eindrucksvoll durchgestartet ist, ausfällt, ist unklar. „Wir machen solche Zeitangaben nicht mehr, das hat sich nicht bewährt“, erklärt FCK-Coach Norbert Meier. Sie sorgten nur für Irritationen bei den Spielern, weil sie dann glaubten, sie müssten unter allen Umständen zu dem genannten Zeitpunkt wieder fit sein.

„Von Zerrung wird ja heute nicht mehr gesprochen, nur noch von Mikro-, Makro- oder Nano-Muskelfasserissen“, beschreibt Meier das Krankheitsbild Kochs näher – oder auch nicht. Es ist das erste Mal seit dem achten Spieltag, dass der Filius von FCK-Legende Harry Koch ausfällt. Gegen Arminia Bielefeld (0:0) debütierte der Shootingstar an der Seite von Tim Heubach. Ab des darauffolgenden Auswärtsspiels in Braunschweig bildete er die Innenverteidigung gemeinsam mit dem Brasilianer Ewerton. Mit Koch kassierte der FCK in zwölf Spielen nur fünf Gegentreffer. Zwei davon in Nürnberg – und da war Ewerton nicht dabei.

KEHRT VUCUR ZURÜCK? KANN GUT SEIN

Nutznießer könnte der Mann sein, den Koch damals verdrängte: Stipe Vucur. Zumindest eine Äußerung Meiers deutet vage darauf hin: „Gut, dass wir die ein oder andere Leihe, über die in der Winterpause spekuliert worden war, nicht gemacht haben.“ Vucur war um Weihnachten bei seinem Ex-Klub Aue im Gespräch. Seit dem Bielefeld-Spiel ist er lediglich noch zwei Mal kurz eingewechselt worden, meist saß er nicht einmal mehr auf der Bank.

Erster Nachrücker auf der Innenverteidiger-Position war zuletzt eigentlich Tim Heubach. Als Linksfuß scheint er jedoch nicht der ideale Nebenmann für Ewerton zu sein, der ebenfalls ein „Linker“ ist. Allerdings spielen in Abwehrzentren so oft Rechtsfüße nebeneinander, dass die spiegelverkehrte Variante kein Ding der Unmöglichkeit sein sollte. Die Möglichkeit, den Sechser Patrick Ziegler zurück zu ziehen, relativiert Meier selbst: „Da müsste ich ja mit einem Wechsel auf zwei Positionen was ändern, da bin ich kein Freund von.“

EINE NEBENMANN WIE EWERTON KÖNNTE DEM ÖSI GUT TUN

Also Vucur? Der Ösi mit kroatischen Wurzeln verlor seinen Stammplatz in erster Linie wegen seiner Unsicherheiten am Boden. Es wäre allerdings das erste Mal, dass er neben Ewerton randarf. Und der Brasilianer ist durchaus einer, an dem schwächelnde Nebenleute sich aufrichten können. Zuletzt gegen Würzburg (1:0) etwa kürte ihn der „Kicker“ zum Spieler des Spiels: „Beruhigte seine Mitspieler, spielte kaum Foul und meist klug nach vorne“, heißt es in der treffenden Urteilsbegründung. Bereits im Sommer erklärte Sportdirektor Uwe Stöver, der gestern seinen 50. Geburtstag feierte, er sei überzeugt, dass Heubach und Vucur mit einem starken Nebenmann gute Zweitligaspieler abgeben könnten.

Und mit Vucur gewänne der FCK auf jeden Fall Lufthoheit zurück, vor allem bei Offensivkopfbällen nach ruhenden Bällen, die nach wie vor ein großes Manko darstellen. Der Letzte, der es schaffte, einen Eckball ins Tor zu köpfen, wird am Freitag bestenfalls auf der Bank Platz nehmen: der frischgebackende Afrika-Cupsieger Jacques Zoua. „Er kehrt erst am Donnerstag wieder zur Mannschaft zurück, da wissen wir noch nicht, in welchem Zustand“, so Meier.

AUCH STIEBER UND GÖRTLER FALLEN AUS, MUJDZA IST IM KOMMEN

Ebenfalls weiter ausfallen werden Zoltán Sieber und Lukas Görtler. Weiterhin Fortschritte macht dagegen Mensur Mujdza, ein Thema in Düsseldorf sei er aber noch nicht, so der Coach. Benötigt wird der Ex-Freiburger mit Sicherheit schon bald: Mit  Philipp Mwene und Marcel Gaus sind beide Außenverteidiger mit vier Gelben Karten belastet, nach der nächsten ist Pause, und Mujdza kann auf beiden Seiten eingesetzt werden.

Die unvermeidliche Frage, ob das Spiel in Düsseldorf „für ihn etwas Besonderes“ sei – Meier war fünf Jahre Coach bei der Fortuna, führte sie von der Dritten Liga in die Erste – , meistert der aktuelle FCK-Trainer mit der ganzen Routine seiner 58 Lebensjahre: „Für mich ist jedes Spiel etwas Besonderes.“ Er habe die Frage, seit er nicht mehr in Düsseldorf arbeitet, nun schon vier Mal gehört, „da kann das für mich nichts mehr Besonderes sein.“

„DIE ESPRIT-ARENA NICHT IN GRUND UND BODEN SPIELEN“

Der Gegner ist seit sechs Spielen ohne Sieg, seit fünfen ohne Tor – „da wird er alles daran setzen, um zu punkten“. Die Stärke der Fortuna sei ihr Umschaltspiel, „da dürfen wir uns nicht locken lassen, nicht meinen, wir müssten die Esprit-Arena in Grund und Boden spielen.“

Ansonsten betont der Coach noch einmal, dass der wenig überzeugende Auftritt gegen die Würzburger Kickers dennoch wichtig gewesen sei für die Entwicklung der Mannschaft, da er gezeigt habe, „dass sie auch solche Spiele gewinnen kann.“ Ruhe herrsche in einem Traditionsverein ohnehin nie, „Ruhe hast du nur, wenn du in dir selbst ruhst“, philosophiert der Trainer zum Abschluss und gibt noch einen rührenden Einblick in sein Selbstverständnis: „Ich bin nicht nur Trainer, ich bin auch Sozialarbeiter, Vaterfigur, Mädchen für alles, und da bin ich mir auch nicht schade für.“

Ein Beispiel, wer zuletzt seiner besonderen Fähigkeiten bedurfte, hat er auch parat. „Kasper Przybylko und Sebastian Kerk waren lange zuletzt, zuletzt mussten sie zwei Mal innerhalb von vier Tagen ran, da tat ihnen hinterher alles weh, da musst du sie auch mal in den Arm nehmen und sagen, komm, das geht schon – denn wir brauchen sie.“

Noch ein Hinweis in eigener Sache: Der Blogwart ist angefragt worden, weshalb er den 85. Geburtstag von Horst Eckel am gestrigen Mittwoch nicht weiter würdigte. Nun, der Blogwart schätzt den 54er-Weltmeister und frischgebackenen FCK-Ehrenspielführer nicht weniger als jeder andere FCK-Fan, könnte zu ihm aber auch nichts anderes schreiben als die zahlreichen anderen Medien, die sich dieses feierlichen Anlasses angenommen haben – generationsbedingt fehlt es ihm an einer eigenen, persönlichen Perspektive auf das Geburtstagskind, wie sie beispielsweise auf den 98er Meisterspieler Michael Schjönberg gegeben ist. Stellvertretend sei daher auf dieses schöne Horst Eckel-Porträt des Autors Thomas von Der-Betze-Brennt verwiesen.

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