Gegnerblog: „Ein Angebot vom FCK würde ich mir auf jeden Fall anhören“ – Denis Linsmayer im Gespräch mit dem Blogwart

Am Sonntag hat der SV Sandhausen beim Liga-Topfavoriten Stuttgart erst spät den entscheidenden Gegentreffer zum 1:2-Endstand hinnehmen müssen. Zuvor war die Mannschaft mit zwei glatten Zu-Null-Erfolgen ins neue Jahr gestartet. Das macht eine breite Brust – und die soll auch der 1. FC Kaiserslautern am kommenden Freitag, 18.30 Uhr, zu spüren bekommen. Über die große FCK-Enklave, die sich in Sandhausen mittlerweile gebildet hat, haben wir zum ersten Treffen in der Hinrunde bereits berichtet. Einer aus dem Tross sticht besonders heraus: Denis Linsmayer. Stolze neun von seinen 25 Lebensjahren hat er das FCK-Trikot getragen, davor das der TSG Kaiserslautern, und wenn er nicht selbst spielte, stand er auf dem „Betze“ in der West und feuerte die Profis an. Mehr Lauterer geht nicht. Seit 2013 trägt er jedoch das SVS-Trikot. Uns stellte er sich gerne zur Verfügung, um uns zu erklären, weshalb es in Sandhausen derzeit so gut läuft und was er mit dem FCK bis heute verbindet.

Denis, seit 2013 haltet Ihr Euch trotz kleinstem Etat in der Liga. Als Euch Euer Trainer Alois Schwartz im vergangenen Sommer recht kurzfristig verließ, sagte eigentlich jeder außerhalb Sandhausens, jetzt ist es mit der Herrlichkeit vorbei, jetzt geht’s bergab. Statt dessen seid ihr  sogar stärker geworden. Aktuell seid ihr Tabellensiebter, sieben Punkte vor dem FCK. Seid Ihr nicht selbst von Euch überrascht?

In gewisser Weise schon. Andererseits: Von nichts kommt nichts. Wir haben zur neuen Saison im Trainingslager zusammengesessen, vieles aus den vergangenen Jahren analysiert und besprochen, was wir verbessern wollen. Sicher: Dass das alles so schnell gegangen ist, überrascht uns schon ein bisschen auch selbst. Wir haben es sehr gut hinbekommen, uns die defensive Stabilität zu bewahren, die wir uns unter Alois Schwartz angeeignet haben. Gerade zuletzt haben wir kaum Gegentore bekommen. Wir spielen gut gegen den Ball, aber darüber hinaus haben wir uns aber auch spielerisch weiterentwickelt. Früher wurde uns immer nachgesagt, wir könnten nur über Standards oder aus dem Zufall heraus Tore schießen. Das ist nun vorbei, wir können jetzt auch Offensivfußball – und haben insgesamt eine gute Mischung gefunden.

Für Schwartz kam Kenan Kocak, erst 35 Jahre alt, vom Regionalligisten Waldhof Mannheim. So ein junger Coach, der von zwei Klassen tiefer kommt, muss sich gerade bei erfahrenen Spieler wie dir Autorität und Anerkennung ja erst einmal erarbeiten. Wie lange hat es denn gedauert, bis ihr gemerkt habt, der  passt zu uns?

Och, das ging sehr schnell, das haben wir schon nach wenigen Tagen erkannt. Kenan Kocak hat sehr klare Vorstellungen von dem Fußball, den er spielen lassen will, davon, wie er uns spielen lassen möchte und und davon, wie er uns weiterentwickeln möchte. Über all das wurde schon im Trainingslager intensiv gesprochen. Da hat man deutlich gespürt, da ist einer, der will nicht alles über den Haufen schmeißen, was hier in den vergangenen Jahren aufgebaut wurde, sondern auf dem bereits bestehenden Grundgerüst aufbauen und noch ein paar zusätzliche Prozentpunkte aus der Mannschaft holen.

Du hast es schon angesprochen: Ihr habt unter Kocak auch Euren Stil verändert, agiert jetzt offensiver, steht höher, attackiert früher. Und es läuft besser denn je. Ist das der Mut zum Risiko, der hier belohnt wird?

Definitiv. Obwohl: Es hat schon seine Zeit gebraucht. Wir sind ja nicht gerade gut in die Saison gestartet. Doch selbst da hat der Trainer immer die Ruhe bewahrt, und wir sind auch jetzt noch nicht am Ende unserer Entwicklung angelangt. Sicher gibt es auch heute noch Phasen, wo wir mal hinten gedrängt werden, insgesamt aber kommt unsere mutige Art vor allem unseren Offensivspielern zugute, gerade durch unser Angriffspressing. Wenn wir nicht erst an der Mittellinie oder in der eigenen Hälfte zur Balleroberung zu kommen, sondern schon im gegnerischen Drittel, sind die Wege zum Tor nunmal kürzer.

Interessant ist, dass die offensive Spielweise bei Euch gar nicht mal zu so vielen Tore mehr führt, sondern eher welche verhindert. Ihr habt aktuell 30 Punkte und ein Torverhältnis von 29:19. Vergangenes Jahr nach 20 Spieltagen: 29 Punkte, 28:23 Tore. Das heißt: Nur ein Treffer mehr, aber vier weniger kassiert. Ist das nicht eher ein Beleg für: Angriff ist die beste Verteidigung?

Kann man so sagen. Unser Coach hat nun einmal einen ganz klaren Plan. Wir trainieren sehr viel im mannschaftstaktischen Bereich, das Verschieben, das Anlaufen, damit wir ein Gefühl dafür entwickeln, wie groß die Abstände zu sein haben, vor allem zwischen den einzelnen Reihen. Dadurch, dass unsere Stürmer schon früh attackieren, muss das Mittelfeld ordentlich nachpressen. Und unsere Viererkette muss wissen,  dass sie nicht hinten lauern kann, sondern ebenfalls nachschieben. So halten wir das Spielfeld so klein wie möglich.

Deine persönliche Statistik bestätigt den neuen Offensivgeist nicht unbedingt. Vergangene Saison hast du als defensiver Mittelfeldspieler fünf Treffer erzielt und drei direkte Torvorlagen geliefert. Diese Saison bist du torstatistisch noch gar nicht in Erscheinung getreten. Woran liegt’s – hast du in dem neuen, offensiveren System eine defensivere Rolle?

Eigentlich nicht direkt. Dadurch, dass wir mit Doppelsechs spielen, ist es meine Hauptaufgabe, der Mannschaft Stabilität zu verleihen, Kompaktheit herzustellen, Bindeglied zu sein zwischen den zwei Ketten. Dennoch hätte ich schon gern das ein oder andere Tor gemacht, und ich war in der Hinrunde auch ein paar Mal kurz davor, hatte aber Pech. Ich hoffe, dass sich das noch ändern wird.

Was ist diese Saison für Euch drin?

Nun ja, wir haben jetzt ein paar sehr schwere Aufgaben vor der Brust. Das werden sehr enge Spiele, da wird auch die individuelle Qualität entscheiden. Wir haben uns das Ziel gesteckt, auf unserem Weg weiterzumachen. Auch vergangene Saison haben wir eine sehr gute Hinrunde gespielt, danach aber kam herzlich wenig, das soll sich nicht wiederholen. Wir wollen diesmal am Ende besser dastehen. Ein einstelliger Tabellenplatz sollte auf jeden Fall drin sein. Und wir wollen in der Liga weiter für Furore sorgen.

Früher warst du, wenn du an Spieltagen nicht selbst gekickt hast, auf dem Betze Stammgast in der West. Wie siehst du FCK-Spiele heute? Schaffst du’s ab und zu noch ins Stadion?

Vor hab ich’s, aber diese Saison hat’s noch nicht geklappt, weil wir entweder zeitgleich spielten oder was anderes dazwischen kam. Ich verfolge den FCK aber intensiv im Fernsehen, und wenn ich nicht selbst auf dem Platz stehe, schaue ich mir die Live-Spiele komplett an.

In der Saison 2012/2013 warst du beim FCK auf dem Sprung in die Erste Mannschaft. In der Hinrunde bist du acht Mal eingesetzt worden, fünf Mal hast du in der Startelf begonnen. In der Rückrunde hat der damalige Trainer Franco Foda durchgängig auf dich verzichtet, am Ende der Saison hast du dann in Sandhausen unterschrieben. Wie schlimm war das für dich – den Traum, es bei deinem Heimatverein zu packen, aufgeben zu müssen?

Das war im ersten Moment natürlich sehr schlimm. Ich kannte ja bis zu diesem Zeitpunkt nur Kaiserslautern, da lebten meine Familie und meine Freunde. Aber leider waren Vorstand und Trainer der Meinung gewesen, sie müssten in Winterpause noch weitere Spieler verpflichten, so dass ich in der Rückrunde nicht einmal mehr im Kader stand, auch nicht nach Sperren oder Verletzungen anderer Profis. Und das, obwohl der Trainer mit gute Trainingsleistungen bescheinigte. Man machte mir dann das Angebot, Führungsspieler bei den Amateuren zu werden, nebenher hätte ich studieren könnten. Aber ich hatte gerade nach dieser Vorrunde das Gefühl, es im Profibereich packen zu können. Da ergab sich die Gelegenheit, nach Sandhausen zu wechseln, das gerade in die Zweite Liga aufgestiegen war. Das war perfekt für mich. Zumal es auch nicht so weit weg ist von zuhause.

Mittlerweile bist du ein profilierter Zweitligaspieler. Bist in Sandhausen der Spieler mit den meisten Einsätzen im SVS-Trikot, tauchst in Rankings der besten defensiven Mittelfeldspieler in der Liga immer weit vorne auf. Ist das für dich eine Genugtuung gegenüber den Leuten, die dich vom Betzenberg ziehen ließen?

So ein bisschen schon, ja. Wie schon gesagt: Ich hätte auch einen einfacheren Weg gehen können, aber so bin ich nicht gestrickt. Ich habe an mich geglaubt, und, ja, ich wollte es auch den Leuten zeigen, die mir die Profiqualität abgesprochen haben.

Das ist dir mittlerweile eindrucksvoll gelungen. Im Sommer läuft dein Vertrag aus. Gibt es schon einen Tendenz?

Nein, überhaupt nicht. Es hat mal im Trainingslager ein erstes Gespräch mit dem Verein gegeben, ansonsten ist noch nichts gelaufen. Ich mach mir da auch keine großen Gedanken, ich will nur schauen, dass ich gesund bleibe, meine Leistung weiter abrufe und mit dem Team weiterhin eine gute Saison spiele. Im Sommer werden wir dann sehen. Ich bin jetzt Familienvater, da gilt es, die Dinge anders abzuwägen als noch vor einem Jahr, als meine Tochter noch nicht geboren war.

Da dies ein FCK-Blog ist, muss die Frage zum Abschluss jetzt einfach kommen: Wie würdest du reagieren, wenn dir ein Angebot vom FCK auf den Tisch flattert?

Anhören würde ich es mir auf jeden Fall. Das wird immer mein Verein bleiben, egal, ob ich da spiele oder nicht. Dafür habe ich einfach zu viele schöne Erinnerungen an den FCK – ob als Spieler oder als Fan.

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