Analyseblog: Ein sauberes 3:0 – dank der Gnade des ersten Tores und ohne Schickimicki-Fußball

Dass man das noch einmal erleben darf: Gleich beide Trainer benutzen in ihrer Nachlese zum Spiel das Wort „Effektivität“ – und zwar in Zusammenhang mit dem 1. FC Kaiserslautern! Überhaupt scheint der FCK unter Coach Norbert Meier alles wiederzufinden, was ihm in der ersten Saisonhälfte verloren gegangen ist. Beim 3:0 gegen den SV Sandhausen erzielen die Pfälzer zum ersten Mal seit dem zehnten Spieltag wieder drei Tore, ihnen gelingt im zweiten Spiel nacheinander ein Treffer nach einer Ecke, und ebenfalls zum zweiten Mal hintereinander trifft ein Joker. Meier scheint den Bogen rauszuhaben…

Skeptischer formulierende Spielbetrachter könnten es aber auch so sehen: Dem FCK ist in diesem Spiel die Gnade des ersten Tores zuteil geworden, nachdem der SVS in den ersten 25 Minuten im Grunde besser reingekommen war. Und der katastrophale Rückpassversuch von Innenverteidiger Tim Knipping, den Jaques Zoua erlaufen und vollstrecken darf, ist nicht gerade aggressiv provoziert worden.

EINIGE DINGE, DIE MEIER NICHT GEFALLEN HABEN

Nach dem Führungstreffer dagegen lief alles formidabel für den FCK, und es wurde ein sehr unterhaltsamer Fußballabend für die 19.856 Zuschauer am Betzenberg. Hat man schließlich oft genug erlebt: So ein Tor beflügelt, stärkt den Geist im gleichen Maße, wie es den des Gegners schwächt, zwingt ihn obendrein aufzumachen und Konterräume zu eröffnen – und vergessen ist der etwas maue Start.

Den Norbert Meier im übrigen genauso gesehen hat. Überhaupt beeindruckt die Klarsichtigkeit und Präzision seiner Nachlese, die eigentlich gar nicht weiter interpretiert werden muss:

„Wir haben gerade zu Beginn des Spiels viele leichte Fehler gemacht, viel zu sehr durch die Mitte gespielt, nicht die Breite des Spielfelds genutzt. Wir bereiten selbst die Möglichkeit von Linsmayer vor, wo wir den Ball hätten klären können, der spielt ihn an den Außenpfosten. Die Mannschaft muss sich daran gewöhnen, mit Schickikmicki-Fußball werden wir nicht erfolgreich sein können. Wir wollen alle Fußball sehen, ich auch, aber du musst auch in entscheidenen Situationen einfach mal den Ball klären, auf zweite Bälle gehen, das hat Sandhausen uns vorgemacht. Wir hätten schneller rausrücken müssen, es waren einige Dinge, die mir nicht gefallen haben.“

Nach dem Führungstreffer kommt Lautern sofort besser ins Spiel, während sich beim nun flatternden SVS die Fehlerquote dramatisch erhöht. Ein Ballverlust im Mittelfeld führt zu einer Kopballchance Sebastian Kerks. Daniel Halfar, gegen den Ball wieder als Pressing-Direktor in vorderster Linie attackierend, scheitert allein vor dem Kasten an Marco Knaller – Einfach abschließen wird in diesem Leben wohl nicht mehr sein Ding.

DA BLÜHT DER FLACHS: DER ZIMMERNACHBAR KLAUT – EIN TOR

Dafür landet der anschließende Eckball im Netz. Kerk hat geflankt, Tim Heubach abgezogen, Marcel Gaus den Oberschenkel drangehalten. Heubach beklagt sich hinterher mit süßsaurem Lächeln, dass ausgerechnet sein Zimmernachbar ihm einen Treffer geklaut hätte, doch der wehrt sich: „Der Ball wäre ohne mein Zutun nicht reingegangen.“ Stimmt wahrscheinlich. Und zeigt: Auch der Flachs ist an den Betzenberg zurückgekehrt.

Nach der Pause gibt’s erst einmal 20 Minuten Druck von Sandhausen. Und der FCK darf sich wieder einmal in Tugenden üben, die dem von Meier angesprochenen „Schickimickifußball“ fremd sind. Beim guten, alten In-Schussbälle-Werfen profiliert sich unter anderem Heubach, der abermals für den verletzten Robin Koch in die Startelf gerückt ist und als „spielender“ Innenverteidiger normaler Weise weniger eine gute Figur macht, im Gegensatz zu seinem erneut souverän agierenden Nebenmann Ewerton.

In der Schlussviertelstunde bekommt Lautern das Spiel aber wieder in den Griff. Verteidigt wieder höher, kommt entsprechend früher zu Ballgewinnen und hat Torchancen. Kerk versemmelt eine so genannte „hundertprozentige“, weil der frei aufs Tor zulaufende Kacper Przybylko nochmal rüberlegt, doch den Schieber kratzt Thomas Pledl von der Linie.

Kerks Laune ist daraufhin noch lange nach dem Abpfiff verhagelt. Schade, denn die Nürnberger Leihgabe hat in ihrem vierten Spiel nach ihrer langen Verletzungspause deutliche Fortschritte gemacht, ist nach eigenen Angaben nun wieder bei „90 Prozent“ ihres Leistungsvermögens. Nach dem Eckball zum 2:0 leitet der 22-jährige mit einem Vertikalpass auf Zoua das 3:0 ein: Der Afrika-Cupsieger passt auf den eingewechselten Osayamen Osawe, der mit einer Direktabnahme ins kurze Eck vollstreckt. Dazu verzeichnet Kerk die meisten Torschussversuche (4) auf Seiten des FCK. Seine linke Klebe kann vor allem bei Freistößen noch vonnutzen sein.

ZOUA MANN DES TAGES? EIGENTLICH IST ES GAUS

Als Mann des Tages wird hinterher Zoua gefeiert, nicht nur wegen seines Treffers und seines zusätzlichen Assists. Seine insgesamt vier gewonnenen Kopfballduelle zeigen, dass der FCK mit ihm wieder an Lufthoheit gewinnt – auch die war in der Vorrunde verloren gegangen. Die Statistiken sehen allerdings einen anderen Lauterer noch vor Zoua: Marcel Gaus. Der Linksverteidiger hat ein enormes Laufpensum abgespult, war hinten wie vorne in Zweikämpfen erfolgreich, hat ein Tor gemacht und weist mit 81,8 Prozent für seine Verhältnisse auch mal eine ordentliche Passquote aus.

Zu meckern gibt es, von den mauen Anfangsminuten abgesehen, nach dem Spiel eigentlich kaum etwas. Außer, dass Przybylko weiter seine Form sucht: Ein Stürmer mit 100 Prozent Fitness und Selbstvertrauen hätte den armen Kerk gar nicht erst in die Verlegenheit gebracht, eine solche „Hundertprozentige“ zu versemmeln.

Dringend steigerungsbedürftig präsentiert sich weiterhin das zentrale Mittelfeld. 63,8 Prozent Passquote bei Christoph Moritz, 72,2 Prozent bei Marlon Frey, das ist für diese Positionen einfach zu wenig.

BITTE KEINE FASTNACHTSPOSSE: LASST STÖVER IN RUHE ARBEITEN!

Nur mal so zum Vergleich: Sandhausens Sechser Denis Linsmayer weist eine Passquote von 87,3 Prozent aus – und er hatte noch mit einem Alu-Treffer Pech. Und das sei hier nicht angeführt, weil Linsmayer Herzblut-Lauterer ist, sein Vertrag ausläuft und er im Gespräch mit dem Blogwart gerade erklärt hat, er würde sich ein Angebot vom FCK auf jeden Fall anhören.

Denn wie käme der Blogwart dazu, FCK-Sportdirektor Uwe Stöver persönliche Wunschkandidaten anzudienen? Der Mann braucht keine Tipps von Bloggern, und auch keinen Sportvorstand, der ihm auf die Finger guckt. Aber die Fastnachtsposse um dessen angeblich geplante Installation, die nach dem Spiel Schlagzeilen machte, muss hier nicht analysiert werden. Realsatiren sind nämlich Kohlis Ressort.

 

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