Gegnerblog: „An 32 Spieltagen einer Saison drücke ich dem FCK die Daumen“ – Jean Zimmer im Gespräch mit dem Blogwart

Der 1. FC Kaiserslautern trifft am Sonntag, 26. Februar (13.30 Uhr), auf den Tabellenführer. Und der heißt VfB Stuttgart. Wie denn sonst, werden diejenigen jetzt fragen, die wie immer schon vor einer Saison alles wissen, die aber merkwürdiger Weise immer noch nicht mit Sportwetten Millionäre geworden sind. Dabei sind auch beim hochfavorisierten Direkt-Wiederaufsteiger die Bäume nicht einfach so in den Himmel gewachsen, obwohl der Etat, über den die Schwaben in dieser Zweitligasaison verfügen können, um einiges höher ausfällt als der gewisser Traditionsvereine. Nach einem frühen Trainerwechsel und vielen späten Transfers brauchte das Team um den neuen Coach Hannes Wolf eine Weile, bis es in Tritt kam. Jean Zimmer, der vergangenen Sommer vom FCK nach Stuttgart wechselte, musste im Zuge dieser Entwicklung öfter auf der Bank Platz nehmen, als ihm lieb war. Entmutigt worden ist das 23-Jährige Kraftpaket dadurch nicht, wie sich im Gespräch mit Blogwart zeigt.

Jean, Ihr habt 2017 vier Mal gespielt, vier Mal gewonnen und die Tabellenführung übernommen. Seid Ihr jetzt voll auf dem Kurs Richtung Erster Liga?

Von den Ergebnissen ja, auch wenn wir das ein oder andere Mal auch ein Quentchen Glück hatten. Nichtsdestotrotz sind es noch 13 Spiele, da kann noch sehr viel passieren. Daher müssen wir unbedingt so weitermachen wie bisher.

Wie habt Ihr die Winterpause genutzt, um Euch noch weiter zu verbessern?

Wir haben viele Testspiele absolviert, um uns weiter einzuspielen. Das hat Früchte getragen. Einige unserer Spieler sind ja erst relativ spät im Sommer dazu gekommen, die brauchten eine gewisse Eingewöhnungszeit. Wir stecken immer noch am Anfang unserer Entwicklung, das ist nun mal ein langer Prozess.

In Stuttgart scheinen derzeit alle rundum zufrieden sein. Nur einer nicht: VfB-Legende Buffy Ettmayer hat unlängst in „Sport im Dritten“ ziemlich vom Leder gezogen. Ihm fehlten die technisch guten Spieler in der aktuellen VfB-Mannschaft und in der Ersten Liga hätte sie gegenwärtig keine Chance… Wie nehmt Ihr das im Mannschaftskreis auf?

Ich habe das bislang nicht mitbekommen. Schon seit meiner Zeit in Kaiserslautern versuche ich, solche Dinge für mich persönlich auszublenden. Jeder hat seine eigene Meinung, und selten haben alle die gleiche. Wir haben jetzt vier Spiele hintereinander gewonnen, und gerade wer unser letztes Spiel in Heidenheim gesehen hat, müsste eigentlich gesehen haben, dass da eine Mannschaft auf dem Feld stand. Und eine Mannschaft kann immer mehr bewegen als ein einzelner, technisch überragender Spieler. Abgesehen davon, finde ich auch, dass wir in dieser Beziehung durchaus einige gute Leute in unseren Reihen haben.

Robin Dutt, der Sportvorstand, der dich geholt hat, ist nicht mehr im Amt und durch Jan Schindelmeiser ersetzt worden. Dann hat der VfB bereits nach den ersten Spielen den Trainer gewechselt. Seitdem sind deine Einsatzzeiten deutlich weniger geworden. Liegt das an der Konkurrenz durch die Nachkäufe, die Jan Schindelmeiser kurz vor Transferschluss noch getätigt hat? Oder hat Trainer Hannes Wolf eine andere Spielidee, auf die du dich noch einstellen musst?

Als der Trainer die Mannschaft übernahm, ist es direkt gut gelaufen, gerade auch auf den Außenpositionen. Da gab es für ihn halt keinen Grund, was zu wechseln. In den ersten vier Spielen der Rückrunde stand ich ein Mal in der Startelf und bin ein Mal eingewechselt worden. Gefühlt stand ich länger auf dem Platz als in der gesamten Vorrunde. Ich glaube, ich bin jetzt näher dran an der Startelf.

Du bist beim VfB bislang nur auf den offensiven Flügelpositionen eingesetzt worden. Sieht man dich hier nicht mehr als Verteidiger?

In den Testspielen im Winter war ich häufig als rechter Verteidiger eingesetzt, nur eingewechselt worden bin ich in der offensiven Rolle. Das war in Lautern auch schon so. Ich bin flexibel, spiele beides gerne, offensiv und defensiv, links wie rechts. Ich hoffe jetzt auf weitere Chancen und hau alles rein, was ich hab.

Irgendwie ist das bislang eine tragische Geschichte mit dir und der Bundesliga: 2015 standest du mit dem FCK nach 30 Spieltagen schon mit einem Bein in der Ersten Liga, als ihr noch abgestürzt seid. 2016 hast du deinen Wechsel zum VfB Stuttgart schon bekanntgegeben, als noch niemand mit dem Abstieg rechnete, der dann kam. Dieses Jahr sieht’s ja nun wirklich gut aus: Wie ist das für dich, nach diesen Enttäuschungen endlich anzuklopfen?

Na ja, ich hoffe halt, dass es jetzt endlich soweit ist. Das, was ich mit Kaiserslautern 2015 erlebt habe, ist vielleicht die wichtigste Erfahrung, die ich als noch junger Profi mit schon über 70 Zweitligaspielen mitgenommen habe – und eine Warnung: Es kann noch viel passieren auf den letzten Metern.

Bei dem damaligen Trainer Kosta Runjaic hast du auch den Sprung in den Profifußball geschafft. Ihr habt damals einen für die Liga ungewöhnlichen Fußball gespielt: Technisch höchst anspruchsvoll, auf Ball- und Spielkontrolle ausgerichtet. Ist da eine besondere Verbindung zu diesem Trainer geblieben?

Zunächst mal bin ich ihm sehr dankbar, dass er mich als jungen Spieler ins kalte Wasser geworfen hat, das ist nicht selbstverständlich. Überhaupt war das ja auch eine sehr junge Mannschaft, die er damals geformt hat. Wir haben auch alle seine Auffassung vom Spiel mitgetragen. Kein Hauruck-Fußball, sondern Fußball mit einer Idee, ähnlich wie wir ihn jetzt beim VfB spielen. Menschlich bewegt sich Kosta Runjaic ebenfalls auf einem hohen Niveau. Daher finde ich es sehr schade, wie es zuletzt bei 1860 München für ihn gelaufen ist.

Wenn du Erste Liga schaust, wen siehst du da am liebsten?

Auch wenn das manche jetzt nicht gerne hören: Bayern und Dortmund. Weil Lukasz Piszczek und Philipp Lahm für mich die besten rechten Verteidiger sind, von denen man viel lernen kann. Ich gucke Fußball halt ein wenig anders als der „normale“ Fan.

Ich hätte jetzt getippt, dass so einen Spielertypen wie dich das Powerpressing von Leverkusen und Leipzig begeistert…

Ich schaue mir Fußball nicht wegen der bestimmten Spielart einer Mannschaft an. Ich sehe am liebsten Leuten zu, die ich kenne, dem Heinzi (Anm. der Red.: Ex-FCK’ler Dominique Heintz) in Köln zum Beispiel. Oder einem meiner ehemaligen Kollegen von der U21. Eigentlich schaue ich meistens die Bundesliga-Konferenz, kein einzelnes Spiel.

Und wie verfolgst du den Weg deines Heimatvereins?

Wenn man in der Region aufgewachsen ist und zwölf Jahre das Trikot getragen hat, kann man das nicht einfach abstellen. Daher sitze ich bei FCK-Spielen vor dem Fernseher, wann immer ich die Möglichkeit hab, und an 32 Spielen einer Saison drücke ich dem FCK die Daumen. Mal wieder ein Spiel auf dem Betze zu sehen, hab ich diese Saison leider noch nicht geschafft. Ich komm auch nur noch so alle drei bis Wochen in mein Landstuhler Zuhause zurück, da bleibe ich dann meistens bei meinen Eltern.

Auch in Lautern diskutierten sie zuletzt über die Abschaffung der U23, aus Kostengründen. Wie stehst du als ehemaliger Spieler dazu – welche Bedeutung hatte die U23 für dich?

Für mich war sie eine absolut wichtige Station. Die U23 und die Regionalliga können einem jungen Spieler helfen, sich an den Profifußball zu gewöhnen. Da sind viele gestandene Spieler unterwegs, die wissen, wie Fußball funktioniert. Gegen die sollte man sich erst einmal bewähren, bevor man höhere Ziele ins Visier nimmt.

Gibt es FCK-Spieler, die du am Sonntag besonders begrüßen wirst?

Ich denke, das Besondere ergibt sich, wenn wir uns wiedersehen. Ich muss zugeben, ich hätte auch gedacht, dass es ein bisschen einfacher ist, Kontakte zu halten, aber es wird wohl sein wie früher mit den alten Kameraden in der Schule. So ein, zwei Kontakte werden bleiben, der Rest wird weniger werden.

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