Analyseblog: So schmeckt Bundesliga – und so viel fehlt noch auf dem Weg dorthin

52100 Zuschauer in der Mercedes-Benz-Arena lassen den 1. FC Kaiserslautern wieder einmal spüren, wie sich die Erste Bundesliga anfühlt. Allerdings vermittelt der Auftritt von Gastgeber VfB Stuttgart den Lauterern auch einen Eindruck, wie weit der Weg für sie zum Team mit wirklichen Aufstiegsansprüchen noch ist. Eine über weite Strecken hoch konzentrierte Defensivleistung und zwei kurze Phasen mit ansehnlichen Offensivaktionen genügen nicht, um gegen den abschnittsweise erstklassig aufspielenden Tabellenführer zu punkten. Der „Genickbrecher“ bei dieser 2:0-Niederlage bescherte dem Anhang zudem ein Déjà-Vu-Erlebnis, auf das er gerne verzichtet hätte.

Emiliano Insua flankt auf Simon Terodde – da war doch mal was? Richtig: So hatten die Stuttgarter bereits im Hinspiel auf dem Betzenberg den entscheidenden Treffer zu ihrem 1:0-Auswärtssieg erzielt. 52 Minuten hatte es damals gedauert, bis die Partie durch diese Aktion zugunsten des VfB gekippt wurde, nachdem sich der FCK bis dahin ansprechend gegen den Favoriten behauptet hatte. Diesmal war es nach 58 Minuten soweit.

DAMALS MACHTE FREY DEN FEHLER, DIESMAL MORITZ

Damals hatte Marlon Frey den einleitenden Fehler gemacht, als er sich nach einem Ballverlust in der gegnerischen Hälfte nicht direkt an Insuas Fersen heftete, so dass dieser einen Flankenlauf übers halbe Feld ansetzen konnte. Diesmal war es Christoph Moritz, der neben dem umtriebigen Linksverteidiger herlief – und, als dieser seine Flanke schlug, eben nicht den Schlappen dagegen hielt, wie er es in der PK vorm Spiel angekündigt hatte.

Damals wie diesmal war es Tim Heubach, der am nächsten zu Terodde positioniert war. Und  in beiden Fällen muss dem Innenverteidiger, der abermals Robin Koch ersetzte und seine Sache ansonsten gut machte, den kleineren Anteil am Gegentreffer zugestanden werden. Seinerzeit war seine Chance, den aktuellen Torschützenkönig der Zweiten Liga am Kopfball zu hindern, allenfalls theoretisch, weil Insua einfach zu perfekt geflankt hatte. Diesmal bewegte sich der Stürmer geschickt aufs kurze Eck, um den Fuß an den Ball zu halten. Da wäre vielleicht was zu machen gewesen, hätte allerdings enorme Reaktionsschnelligkeit vom Innenverteidiger verlangt.

„AUS DEM BALLBESITZ HERAUS DAS SPIEL BESCHLEUNIGEN“ – SO SIEHT DAS AUS

Andererseits ist es müßig, sich auf einzelne Spieler einzuschießen. Das 0:1 aus Lautrer Sicht fiel in einer Phase, in der der FCK begonnen hatte, um den Gegentreffer förmlich zu betteln. Nach der Pause hatte der VfB den Druck aufs Lauterer Gehäuse empfindlich erhöht, aber nicht mit Hauruck-Fußball, sondern mit gepflegtem, absolut erstligareifen Kombinationsspiel. „Wir wollten aus dem Ballbesitz heraus das Spiel beschleunigen“, beschrieb Trainer Hannes Wolf hinterher die Vorgabe, die er seinem Team in der Pause gemacht hatte. Genauso so sah das dann auch aus.

Wenngleich die Pfälzer in Hälfte zwei zunächst durch zwei Freistoßflanken in Bedrängnis gebracht wurden. Anto Grgic visierte zwei Mal Timo Baumgartl an, dem allerdings keine vollendeten Kopfbälle glückten. Da zeigte sich, dass der Jaques Zoua, der zur Pause wegen muskulärer Probleme ausgewechselt worden war, nicht nur vorne, zum „Bälle festklemmen“ (FCK-Trainer Norbert Meier), sondern auch bei Defensivkopfbällen fehlte.

Überhaupt Grgic. Der Schweizer demonstrierte seinen Pedants auf der anderen Seite eindrucksvoll, was ein Sechser als Umschaltspieler zu leisten vermag. Moritz präsentierte sich gegenüber dem Sandhausen-Spiel zwar verbessert, doch was Passquote und Präsenz angehen, reichte er längst nicht an Grgic heran. Und Frey? In 90 Minuten 42 Ballkontakte in einer zentralen Mittelfeldposition – das ist verdammt wenig. Zum Vergleich: Grgic war 102 Mal am Ball.

„PRITSCHE“ LÄUFT WEITER SEINER FORM HINTERHER

„Ich weiß nicht, warum wir uns soweit nach hinten drängen ließen“, kommentierte Norbert Meier hinterher. In Hälfte eins hatte der FCK mit einem wenig orignellen, aber hoch konzentriert ausgeführten und exakt strukturierten 4-4-2-Mittelfeldpressing gegen den Ball wahrlich nicht viel anbrennen lassen. Offensiv fand er dafür zehn Minuten lang erst einmal gar nicht statt, danach setzte er zumindest ein paar hübsche Konter. Einfach Zucker die Aktion in der 18. Minute über Danial Halfar und Sebastian Kerk, nach der Freys Schussversuch aus elf Metern leider abgeblockt wird.

Unmittelbar nach dem Gegentreffer fällt auf, wie schnell Meier Robert Glatzel zur Hand hat, um ihn gegen Kacper Przybylko auszutauschen. Hatte er sich vielleicht schon vorher zum Wechsel entschlossen? Möglich wär’s. „Pritsche“ hatte kurz zuvor mit einem haarsträubenden Fehlpass vom eigenen Strafraum in die Spielfeldmitte mit dafür gesorgt, dass Lautern den Ball nicht mehr aus der eigenen Hälfte bekam. Und auch in Hälfte eins hatte er schon den lautstarken Unmut seines Trainers provoziert, als er nach einem verlorenen Zweikampf liegen blieb. Es lässt sich nicht leugnen: Przybylko läuft weiterhin seiner Form hinterher.

DIE ENTSCHEIDUNG: OSAWE LÄSST ÖZCAN ALLE FREIHEIT

Glatzel war dann auch an den beiden Offensivaktionen beteiligt, in denen Lautern nochmal in Stuttgarter Tornähe kam. Mehr war nicht mehr drin.

Allerdings rückte Osayamen Osawe, der seit der Pause Zoua im Sturmzentrum vertreten hatte, durch Glatzels Einwechslung auf den rechten Flügel. Und in dieser Position gehört es nun einmal auch zu seinem Job, seinem Verteidigerkollegen zu helfen. Seit der sich öfter mal vogelwild präsentierende Engländer von Meier als rechter Außenbahnspieler eingesetzt wird, wird ihm prophezeit, dass er diese Aufgabe nicht hundertprozenzig erfüllen kann.

Bislang jedoch war er in dieser Beziehung nicht negativ aufgefallen. In Stuttgart aber war es nach 88 Minuten soweit: Philipp Mwene rückt bei einem Angriff des VfB über die rechte Seite korrekt ein – und der eingewechselte Berkay Özcan steht beim Flankenwechsel durch Daniel Ginzek vollkommen frei. Weil Osawe etwa zehn Meter vom ihm entfernt steht. Das 2:0 ist dann nur noch Formsache.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s