Gegnerblog: Vorsicht im Luftraum – Die Sachsen spielen mit Köpfchen

Schon im Heimspiel gegen die Würzburger Kickers vor knapp vier Wochen durfte der Lauterer Anhang feststellen, dass die Aufsteiger in dieser Saison die Zweite Liga in fußballerischer Hinsicht besonders bereichern. Beim 1:0 gegen die Franken hatte der FCK das glücklichere Ende für sich. Gegen Neuling Dynamo Dresden am Freitag (18.30 Uhr) dürfte es jedoch noch schwerer werden. Die Sachsen stehen – wer hätte das vor ein paar Jahren noch gedacht? – wie kaum ein anderes Team dieser Spielklasse für Spielkultur. Das klare 3:0, mit dem die Pfälzer in der Hinrunde ihren ersten Saisonsieg feierten, sollte kein FCK-Spieler mehr im Kopf haben, wenn die Partie im DDV-Stadion angepfiffen wird.

Wer ist der Zweitligist, der laut Statistik den meisten Ballbesitz in der Liga hat – 54,9 Prozent im Schnitt? Stuttgart? Hannover? Braunschweig? Nö – Dynamo Dresden. Und wer spielt die exaktesten Pässe? Ebenfalls Dynamo Dresden, gemeinsam mit dem VfB – 77,1 Prozent der Zuspiele landen beim Mitspieler.

Trainer Uwe Neuhaus, der in seinen sieben Jahren bei Union Berlin schon immer wieder mit seinen dominanten 4-3-3-Systemen auffiel, hat seinen Stil in Sachsen, wo er seit 2015 coacht, noch weiter verfeinert – gegen den Ball ist es allerdings eher ein 4-1-4-1, was Dynamo praktiziert.

„POSSESSION PLAY“ PUR: SOGAR DER TORWART SPIELT MIT

An der Ballzirkulation wirkt sogar der Torhüter mit. Der technisch veranlagte Marvin Schwäbe rückt bisweilen sogar fast bis zwischen die auseinander schiebenden Innenverteidiger, um zur Befreiung aus gegnerischem Pressing eine Anspielstation zu bilden – Analytiker sprechen im Zusammenhang mit Dynamo öfter mal von einer „Torwartkette“.

Zum Ballbesitzspiel tragen vor allem die starken Flügel bei. Der in der Vorrunde starke Akaki Gogia wird, weil verletzt, nunmehr meist durch Aias Aosmann ersetzt, dem gerade auf wundersame Weise zwei Lebensjahre geschenkt wurden. Die Geburtsurkunde des Sohnes syrischer Flüchtlinge tauchte wieder auf – und dokumentierte, dass Aosmann nicht, wie bislang angenommen, 24, sondern erst 22 Jahre alt ist. Auf dem gegenüberliegenden Flügel ist Marvin Stefaniak gesetzt, der am Ende dieser Saison zum VfL Wolfsburg wechselt.

KUTSCHKE: GOALGETTER-OUTING MIT 28

Der Mann vorne Mitte steht weniger für Fußballkultur, sondern eher für Wucht, hat aber auch eine interessante Geschichte hinter sich: Stefan Kutschke. Auf seinen Profistationen in Nürnberg, Paderborn und Wolfsburg ist er nie als Torjäger in Erscheinung getreten. Im fortgeschrittenen Alter von 28 Jahren heuerte er 2016 in Dresden an – und hat nunmehr neun Saisontore auf dem Konto. Was einmal mehr eine alte Blogwart-These bestätigt: In finanziell bescheiden budgetierten Klubs sollte niemand denken, er könnte einen fertigen Goalgetter einfach so zu sich transferieren, er muss ihn sich selbst formen.

Beim jüngsten 4:1 Auswärtssieg in Aue erzielte Kutschke zwei Treffer mit dem Kopf, das 1:0 durch Innenverteidiger Jannik Müller – mit seinen 22 Jahren ebenfalls ein Talent mit Erstligapotenzial – legte er diesem ebenfalls mit dem Haupt auf. Was eine weitere Stärke der Sachsen demonstriert: Sie sind in punkto Kopfballduellen die drittbeste Mannschaft der Liga. Lautern dagegen ist die drittschwächste – und muss jetzt bis auf weiteres auf den bulligen Jaques Zoua verzichten, der bei gegnerischen Standards auch hinten aushelfen kann.

DER MATHEMATIK-STUDENT MAG’S EHER RUSTIKAL

Sechser Marco Hartmann wiederum gehört eher zur rustikalen Fraktion. Überhaupt sind es in erster Linie individuelle Stockfehler in den hinteren Reihen, die bislang verhindert haben, dass die Dresdener trotz ihrer dominanten Spielweise nicht in die Spitzengruppe der Liga vorgedrungen sind.  Der ehemalige Mathematik-Student Hartmann präsentiert sich eher außerhalb des Rasens als kluger Kopf. Cornelius Pollmer, Sachsen-Korrespondent der „Süddeutschen Zeitung“, hat vor einigen Wochen ein lesenswertes Porträt über ihn  geschrieben.

Mit dem klaren Sieg in Aue am vergangenen Wochenende hat sich der aktuelle Tabellenfünfte nach einer kleinen Serie von drei sieglosen Spielen mit zwei Niederlagen wieder eindrucksvoll zurückgemeldet. Eine Formkrise war bei genauerem Hinsehen ohnehin kaum auszumachen. Gerade die vorausgegangene 1:2-Heimniederlage gegen Hannover 96 war extrem unglücklich zustande gekommen. Gegen Lautern werden die Sachsen ihr Publikum wieder versöhnen wollen. Und der FCK wäre schlecht beraten, sich auf sein Glück zu verlassen.

 

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