Gegnerblog: Heidenheim kommt – mit Tim Kleindienst, dem Mann für den großen Kopfball-Service

Wie heißt der beste Spieler der Zweiten Liga? Sané? Mané? Terodde? Nö. So heißen bestenfalls die teuersten. Tatsächlich ist Tim Kleindienst der beste, dessen Marktwert „transfermarkt.de“ mit gerade mal 650.000 Euro beziffert. Zumindest dem britischen Fußballstatistik-Forum „whoscored.com“ zufolge. Wie, Ihr seid überrascht, vielleicht sogar ungläubig? Dann kommt doch einfach gucken. Am Sonntag um 13.30 Uhr tritt Stürmer Kleindienst mit dem FC Heidenheim auf dem Lautrer Betzenberg an.

Rankings sind nun einmal so eine Sache. Der deutsche Fußballfan liebt sie fast so sehr wie der britische, obwohl es gerade in diesem Sport schwierig ist, Leistungen anhand objektiver Kriterien – sprich: anhand von Zahlen, Daten, Fakten – zu vergleichen und zu listen. Abgesehen natürlich von der heiligen Spieltags-Tabelle, die bekanntlich niemals lügt, egal, was wahretabelle.de sagt.

Als Referenz für den teutonischen Ballsportfreund gelten die „kicker“-Noten. In deren Topspieler-Ranking ist Kleindienst allerdings gerade mal 74.

DER 21-JÄHRIGE IST DER HERR DER LÜFTE

Welche der beiden Vergleichstabellen aussagekräftiger ist, soll jeder für sich selbst entscheiden. Whoscored.com arbeitet auf jeden Fall datenbasierter, wobei die Art, wie die Briten aus ihren Einzelbewertungen eine Gesamtnote bilden, nicht unbedingt nachvollziehbar ist. Denn es sind nicht die sechs Tore und die drei Assists, die Kleindienst zum Topspieler der Liga erheben, sondern seine Kopfballstärke. Niemand in der Liga gewinnt so viele Kopfballduelle wie der 21-jährige, den die Heidenheimer von Freiburg geliehen haben.

Auch sonst spielt er mit Köpfchen – wenngleich sich diese Eigenschaft statistisch nicht so gut erfassen lässt. Und: Er hat sich im Fußball nach vorne gearbeitet, buchstäblich. Begonnen hat er einst bei Viktoria Brandenburg als Libero, einer Position, die mittlerweile der Fußball-Evolution zum Opfer gefallen ist.

IMMER EINEN PLAN B IN DER TASCHE

Später in Cottbus, wo er auch die Lausitzer Sportschule besucht, lernt er Stürmer. Trainer  Rudi Bommer zieht ihn noch als U19-Junior zur Ersten Mannschaft von Energie Cottbus hoch, zu Einsätzen kommt er jedoch nicht. Dennoch weckt er das Interesse des damaligen Ingolstadter Trainers Ralph Hüsenhüttl, der in Leipzig mittlerweile, zusammen mit Hoffenheim-Coach Julian Nagelsmann, zum sexiest Guy der Branche aufgestiegen ist. Kleindienst aber widersteht dem Lockruf, weil ihm noch ein Jahr zum Abitur fehlt und er der Überzeugung ist, dass man immer einen „Plan B“ braucht.

Er bleibt in Cottbus, schafft unter Trainer Stefan Krämer den Durchbruch, erzielt in der Saison 2014/2015 in der Dritten Liga 13 Treffer, geht dann nach Freiburg. Das Streich-Orchester stürmt 2015/16 zwar mit Macht in die Erste Liga zurück, an Kleindienst geht der Spaß allerdings vorbei. Er wird durch Verletzungen immer wieder zurückgeworfen, was ihn auch die Teilnahme an der U20-WM in Neuseeland kostet. Zu Beginn dieser Saison wird er für ein Jahr nach Heidenheim ausgeliehen, damit er wieder Spielpraxis bekommt.

Hier läuft es bislang gut, obwohl ihn zwischenzeitlich ein Innenbandanriss zurückwirft, der zweite seiner Karriere bereits. Wenn er auf dem Platz steht, überzeugt Kleindienst durch Präsenz. Trotz seiner 1,94 Meter agiert er nicht ganz vorne im Sturmzentrum, sondern um die Keilspitze herum. Die heißt in der Regel John Verhoek, wird in Kaiserslautern aber gelb-rot gesperrt fehlen. Ersetzen wird den Niederländer vermutlich Denis Thomalla.

HEIDENHEIM – MIT BRAUNSCHWEIG DAS BESTE KOLLEKTIV DER LIGA

Nicht mehr zum FCH-Kader zählt übrigens Bard Finne, der Mann, den Kaiserslautern im Januar 2016 so gerne gehabt hätte, der aber lieber von Köln nach Heidenheim wechselte. Er ist im Winter gen Oslo abgeflogen, nachdem er in der Hinrunde in der Versenkung verschwunden war. Seinen letzten starken Auftritt mit Torerfolg hatte er beim 3:0-Sieg gegen wen wohl? Richtig: den FCK.

Nach zuletzt drei sieglosen Spielen hat Heidenheim den Anschluss an die Spitzengruppe der Liga verloren, ist nunmehr auf Rang 6 abgerutscht. Dennoch dürfte der FCH  gemeinsam mit Eintracht Braunschweig die wohl „gewachsenste“ Mannschaft der Liga stellen. Deren Spielstil sich tatsächlich zum Teil in diversen statistischen Betrachtungen zum Ausdruck bringen lässt.

IMMER EIN GRUND ZUR SORGE: MARC SCHNATTERER

Im Ballbesitz- oder Passgenauigkeitsranking von whoscored.com rangiert das Team von Frank Schmidt im Ligavergleich unter „ferner liefen“, vorne dabei sind sie, wenn es um Kopfbälle und Balleroberungen geht. Die Kollektivbewegungen nach vorne wie nach hinten sind fein abgestimmt, eben, weil die Mannschaft gut und lange eingespielt ist. Ob FCK-Trainer Norbert Meier bei der Spielankündigungs-PK am morgigen Freitag wieder das Wort „eklig“ gebrauchen wird, wenn es die schwer zu bespielenden Heidenheimer zu beschreiben gilt? Wir sind gespannt.

Nicht zu vergessen: Die Stärke des Präzisionsschützen Marc Schnatterer, als Dauerbrenner im Team so etwas wie der Gegenentwurf von Tim Kleindienst. Auch für Lautern wurde der 31-jährige schon öfter zum Alptraum. In seinen fünf Partien gegen den FCK erzielte Schnatterer zwei Treffer und bereitete drei vor. Was seine Klasse angeht, sind sich sogar die Rankings von „kicker“ und „whoscored.com“ beinahe einig. Bei den Deutschen ist Schnatterer der Zweitplatzierte der Liga-Bestenliste, bei den Briten belegt er Rang 3.

 

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