Analyseblog: Die erste Halbzeit war nix, die zweite nicht schlecht – aber die Doppelsechs darf gerne wiederkommen

Frühlingssonne überm Betzenberg und endlich mal wieder 24.000 Zuschauer im Stadion – bessere Voraussetzungen gibt es für den 1. FC Kaiserslautern eigentlich nicht, um weiter Imagewerbung in eigener Sache zu betreiben. So richtig begeistert haben wird das 1:1 gegen den FC Heidenheim den zurückgekehrten Anhang wohl nicht. Interessant wird allerdings sein, ob Trainer Norbert Meier aus dieser Partie Erkenntnisse gewonnen hat, die das Team in der nächsten Zukunft weiterbringen.

Langjährige Betzenberg-Besucher waren ohnehin mit eher bescheidenen Erwartungen den Berg hinauf marschiert: Wenn die äußeren Bedingungen zu schön sind, bietet der FCK nicht unbedingt große Fußballkost, das weiß man doch, ihm liegt eher Fritz-Walter-Wetter und so, der Mythos halt.

OHNE EWERTON UND MORITZ, DAFÜR FREY UND ZIEGLER NEBENEINANDER

Der Blick auf die Mannschaftsaufstellung bestätigt das ungute Bauchgefühl: Ewerton ist nun doch nicht dabei, und ganz kurzfristig ist auch noch Christoph Moritz mit einer Fußverletzung ausgefallen. Das kann nicht gut sein fürs Passspiel von hinten raus. Zumal Meier auch noch Patrick Ziegler und Marlon Frey nebeneinander auf der Doppelsechs aufbietet,  zwei, die eher rustikal denn kreativ disponiert sind…

Andererseits: Welche Alternativen hat Meier denn? Wer vergangenes Jahr schon ein Abo am Betze hatte, erinnert sich: Daniel Halfar hat unter Konrad Fünfstück seinerzeit verstärkt aus einer tieferen Mittelfeldposition agiert und das nicht nur spielerisch, sondern auch läuferisch und kämpferisch gut gelöst. Meier jedoch hat in dem Leichtgewicht bislang immer nur einen Zehner gesehen. Und da beginnt Halfar auch gegen Heidenheim wieder.

KEINE AGGRESSIVITÄT, KEIN MUT: ERST MAL GEHT GAR NIX

Das Spiel der Lauterer hakt denn auch prompt. Der FCK bringt in den ersten 45 Minuten kaum was zuwege. Robert Glatzel darf nach einer Freistoßflanke von Sebastian Kerk mal völlig freistehend aufs Tor köpfen, scheint von der sich ihm völlig unvermittelt bietenden Gelegenheit allerdings selbst erschrocken. Ansonsten sind nur zwei halbwegs gelungene Flankenläufe von Osayamen Osawe zu vermerken, der die Position des wegen fünf Gelber Karten gesperrten Marcel Gaus auf der linken Seite übernommen hat. Osawes Zuspiele in die Mitte finden jedoch keine Abnehmer.

Überhaupt die linke Seite. Lautern versucht sich nahezu ausschließlich über diese nach vorne zu knoddeln. „Wir haben wie das Kaninchen vor der Schlange gestanden“, bilanziert Meier die erste Halbzeit später. Er vermisste Aggressivität und Zweikampfverhalten, im ganzen sei die Mannschaft „nicht mutig genug“ gewesen.

In den Minuten vor der Halbzeit überlässt der FCK dem FCH dann fast vollends den Ballbesitz. Was nicht weiter schlimm wär, wenn man das so oft zitierte „schnelle Umschaltspiel“ beherrscht. Daran krankt’s in Lautern aber nicht erst in diesem Spiel, und da sind initiativ nun mal die Sechser gefragt.

ZWEI TYPISCHE SCHWÄCHEN: UMSCHALTEN UND FLANKE WECHSELN

Hier mal ein Beispiel aus der 31. Minute, wie schläfrig die wichtigen ersten Sekunden nach dem Ballgewinn vertändelt werden. Statt nach Heubachs Balleroberung direkt den Vorwärtsgang einzuschalten, spielt Frey lieber zurück auf Koch und erlaubt Heidenheim so, schnell ins Gegenpressing zu gehen und Druck auszuüben, obwohl der Raum nach vorne bereitet gewesen wäre:

Auch schnelle Seitenwechsel, insbesondere durch Diagonalbälle, sieht man im FCK-Spiel zu wenig. Hier ein Beispiel aus der 41. Minute – eine der wenigen Szenen, in denen mal was über die rechte Seite lief. Das Befreien aus einer engen Situation gelingt gut, nur schafft Sebastian Kerk am Ende nicht, den recht einfachen Pass auf die linke Seite zu spielen, der die Torchance geschaffen hätte. Überhaupt war Kerk am Sonntag ein gebrauchter Tag angedreht worden:

Glücklicherweise haben Fußballspiele immer eine zweite Halbzeit, und der FCK hat jetzt einen Trainer, der bereits in den vorangegangen sechs Spielen bewiesen hat, dass er während der laufenden 90 Minuten  richtigen Schlüsse ziehen und Wechsel vornehmen kann, die Wirkung zeigen.

DER SCHACHZUG MIT KOCH UND HALFAR: ALLES IN ORDNUNG UNTERM PONY

Meier nimmt in der Pause beide Sechser raus, ersetzt den einen durch Jacques Zoua, um eine 4-4-2-Formation zu schaffen, den anderen durch Innenverteidiger Stipe Vucur. Dadurch rutscht Halfar auf eben die zurückgezogene Position, die er im vergangenen Jahr unter Fünfstück einnahm, und Koch rückt neben ihn. „Manchmal muss ich mich fragen, ob ich noch alle unterm Pony habe, solche Wechsel vorzunehmen“, meint der Trainer hinterher.

Sein Personal sieht die Umstellungen wesentlich cooler. „So ungewohnt war das nicht für mich, ich hab in meiner Zeit in Trier schon öfter auf der Sechs gespielt“, gibt Robin Koch später zu Protokoll. Er verdient sich in zweiten Durchgang Bestnoten, gewinnt die meisten Zweikämpfe und die meisten Kopfbälle für sein Team.

Auch Halfar genießt den Rollenwechsel: „Auf der Sechs kannst du dir die Bälle tiefer abholen, hast das Spiel vor dir, kannst auch mal einen vorne reinschicken und einen Doppelpass spielen, das ist auf der Zehn nicht so möglich.“ Klar spiele er auch auf dieser Position gerne, „aber da musst du erst einmal ins Spiel kommen“. Eben das sei ihm in Hälfte eins nicht gelungen: „Ich hatte kaum Ballkontakte, war fast nur mit defensivem Anlaufen beschäftigt.“

LAUTERN BESSER IM SPIEL, ABER DANN TRIFFT HEIDENHEIM

In der Tat läuft es beim FCK nun wesentlich besser. Nach Kerk-Flanke und Osawe-Kopfball verbucht er sogar eine weitere echte Torchance, kurz darauf hat auch Glatzel eine Gelegenheit. Doch auch Heidenheim ist noch im Spiel. Kommt zu Eckbällen, und da hat Trainer Frank Schmidt ein paar Abläufe einstudiert, die im Fußballgeschäft zwar nicht neu, aber nach wie vor äußerst wirkungsvoll sind, wenn sie gekonnt ausgeführt werden.

Einige „Bärbeißer“ (O-Ton Meier) massieren sich im Fünf-Meterraum und schränken so die Bewegungsfreiheit  des Torwarts ein, andere laufen vom Elfmeterpunkt aus ein, wenn der Ball im Flug ist. Und wenn der Ecken-Server dann auch noch Marc Schnatterer heißt…

In der 66. Minute ist es soweit: Der eigentlich nur 1,79 Meter große Arne Feick läuft ein, während Heidenheims Barbeißer Lauterns beste Kopfballspieler neutralisieren. Julian Pollersbeck kommt in dem Gedränge ebenfalls nicht von der Linie weg, und schon steht es 0:1.

0:1? JETZT BRAUCHT ES EINEN FÜR DIE GROSSEN MOMENTE

Fünf Minuten später zieht der FCH nochmal die gleiche Nummer durch. Diesmal ist es Tim Kleindienst, der köpfen darf, dessen Geschoss aber streicht knapp am langen Eck vorbei.

Immerhin: Der FCK steckt nicht auf und zeigt wie schon vor Wochenfrist nach dem Rückstand in Dresden, dass er versteht, sich wieder in eine Partie zurück zu arbeiten. Außerdem haben sie ja den Trainer mit dem goldenen Händchen, auf das er aber nicht reduziert werden will. Der bringt Zoltan Stieber für Kerk. Der Ungar mag leistungsmäßig kein Dauerbrenner sein, ist aber immer für geniale Momente gut. Einen eben solchen braucht Lautern nun…

… und Stieber hat ihn: Bei seinem Volley-Heber aus der Drehung, mit dem er einen Chip-Ball des nun aus dem Rückraum agierenden Halfar annimmt, würden sich grobmotorischer konstruierte Naturelle wahrscheinlich ein paar Bänder abreißen. Stieber bleibt jedoch unverletzt und sein Ball landet an der Latte. Von da springt er ins Feld zurück, wo ihn Norman Theuerkauf über die eigene Torlinie bugsiert. Nicht ganz, ohne vorher Körperkontakt mit Glatzel gehabt zu haben, doch der Heidenheimer protestiert nur vorübergehend.

KOMMT DIE DOPPELSECHS WIEDER? MEIER DEUTET ES AN

So ganz hasenrein war’s vielleicht nicht, deswegen ersparen wir uns hier die Diskussion, ob der Touch, auf den hin Halfar in der Nachspielzeit zu Boden geht, vielleicht elferwürdig gewesen wäre. Auch, ob die Gelbentscheidungen von Schiri Guido Winkmann gegen Zoua, Halfar und Koch notwendig waren. FCK-Sportdirektor Uwe Stöver jedenfalls fand sie kleinlich.

Viel spannender ist die Frage, ob das Experiment mit der neu gebildeten Doppelsechs, das so vielversprechend begonnen hat, fortgeführt wird. Meier deutet es an, will sich aber nicht festlegen:  „Daniel Halfar ist einer, der fußballerisch Dinge inszenieren kann, vielleicht auch besser aussieht, wenn er das Spiel vor sich hat – aber schreiben Sie jetzt nicht, dass das bereits die Aufstellung fürs nächste Spiel in Bielefeld ist.“

Okay, schreiben wir’s nicht. Schön wär’s aber.

 

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