Gegnerblog: Gegen Lautern steht wieder Rump im Rampenlicht – aber wo ist der Flo?

Jetzt ist sie endlich gefallen, die Worthülse, die alljährlich ankündigt, dass eine Fußballsaison auf die Zielgerade geht: Ein „Sechspunkte-Spiel“ soll es sein, das Arminia Bielefeld am Freitagabend gegen 1. FC Kaiserslautern (18.30 Uhr) austrägt, so hieß es jedenfalls am Sonntag in „Flutlicht“ beim SWR und anderswo. Ist nüchtern betrachtet zwar Unsinn, in der Tat aber wären für die Ostwestfalen drei Zähler mal gut fürs Selbstbewusstsein, im Angesicht von Tabellenplatz 18 und vier Punkten Rückstand auf den rettenden 15. Rang. Der FCK hat noch sechs Punkte Vorsprung auf Relegationsplatz 16. Eine Niederlage wär da nicht gut fürs Nervenkostüm, denn das ist nicht das allerbeste in der jungen  Mannschaft – und im Umfeld am Betze erst recht.

Doch Klischees wollen nun mal bedient werden, wer weiß, vielleicht kommen dann ja ein paar Zuschauer mehr ins Stadion, drum sei es halt als „das erste von zehn Abstiegsendspielen“ deklariert, um eine andere beliebte Phrase zu bemühen. Schließlich hat Bielefeld am Dienstag auch schon ein weiteres typisches Verhaltensmuster in Krisenzeiten angewendet: den Trainer entlassen, zum zweiten Mal bereits in dieser Spielzeit. Nach Rüdiger Rehm musste auch Jürgen Kramny gehen. Wie schon nach der ersten Entlassung übernimmt erst mal der bislang zweite Mann das Ruder auf der Trainerbank: Carsten Rump.

SCHON IM HINSPIEL WAREN DIE TRAINER THEMA

Irgendwie müssen Trainer anscheinend immer im Brennpunkt stehen, wenn die Pfalz und Ostwestfalen sich begegnen. Vor dem 0:0 im Hinspiel wackelten die Stühle beider damals amtierender Coaches. Lauterns Tayfun Korkut hielt dann doch noch bis zur Winterpause durch. Heute Abend nun darf er Bayer Leverkusen in der Champions League gegen Atlético Madrid betreuen – ein ebenso wundersamer wie eigenartiger Aufstieg.

Bielefelds Rüdiger Rehm, an dem zu Saisonbeginn auch der FCK stark interessiert gewesen war, war schon zwei Spieltage nach der Nullnummer auf dem Betzenberg fällig. Der ehemalige Großaspacher, als Trainertalent seinerzeit heiß gehandelt, ist nunmehr zum Drittligisten Wehen Wiesbaden abgestiegen.

Wie es nun wohl mit Kramny weitergeht? Als Gewächs der Stuttgarter Trainerschule und einstiger Mainzer Wolfgang Frank-Schüler – siehe Jürgen Klopp, Torsten Lieberknecht, Uwe Stöver und viele andere – mit bester fußballerischer DNA ausgestattet, hatte er schon vor dem aktuellen Rausschmiss bei einem Tabellenletzten der Zweiten Liga quasi zwei Abstiege mit der Ersten und Zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart in der Vita stehen, das macht ihn für künftige Interessenten im Geschäft nicht gerade sexy.

„ICH WEISS AUCH NICHT“: DAS KLINGT NICHT SEHR SOUVERÄN

Und was ihm die Bielefelder Verantwortlichen zum Abschied mit auf den Weg gaben, wird sicher auch noch eine Weile nachhallen: Gerrit Meinke, kaufmännischer Geschäftsführer der Arminia, attestierte dem Schwaben etwa „eine gewisse Hilfslosigkeit.“ Ein hartes Urteil, aber nachvollziehbar angesichts der Figur, die der Gescholtene nach der 0:1-Pleite gegen Nürnberg im Interview mit „sky“ abgab: „Ich weiß auch nicht, wir waren nicht spritzig genug“, lässt nicht gerade darauf schließen, dass da einer seinen Laden im Griff hat.

Zwölf Spiele, zwölf Punkte, lautet Kramnys wenig berauschende Bielefeld-Bilanz. Die  Arminia ist auswärts weiter sieglos, verfügt mit 43 Gegentoren über den schwächsten Defensivverband der Liga und wartet seit fünf Liga-Spielen auf einen Dreier. Da sollte was gehen für den FCK. Allerdings ist es schon immer tödlich gewesen, den Gegner vor einem Spiel schlechtzureden. Daher mal zu den Stärken.

FABIAN KLOS – EIN ECHTES VORBILD FÜR GLATZEL

Vor zweieinhalb Wochen noch hat die Arminia dem Aufstiegsfavoriten Hannover ein respektables 2:2-Unentschieden abgetrotzt. Dabei hat Fabian Klos im siebten Zweitliga-Spiel in Serie getroffen – das ist Vereinsrekord. Beim 2:1 der Arminen am 3. Februar gegen 1860 München, ihrem letzten Sieg, traf der Stürmer sogar zwei Mal.

Interessanter Typ, der 29-jährige, der gerüchteweise auch in Lautern immer mal gehandelt wurde. Ein Spätentwickler, vom damaligen Wolfsburg-Scout Lars Mrosko im fünftklassigen Gifhorn entdeckt. In der Einzelbetrachtung wirkt er kaum, als sei er mit besonderen fußballerischen Gaben ausgestattet, wär da nicht sein Torinstinkt. Dafür aber ist er einer, der auch gegen den Ball immer mitarbeitet, ein echter „erster Verteidiger“ also. Ein tolles Vorbild für Lauterns Nachwuchsangreifer Robert Glatzel.

DER UNBEKANNTE LEISTUNGSTRÄGER: TOM SCHÜTZ

Da unser Verweis auf Tim Kleindienst in der Heidenheim-Vorschau so gut ankam, sei auch bei Bielefeld noch ein Leistungsträger erwähnt, auf den abseits der Alm vielleicht kaum einer kommt. Tom Schütz liegt in den Rankings von whoscored.com sogar noch vor Fabian Klos – ein unauffälliger Sechser mit starkem Bumms und der Fähigkeit, Diagonalpässe zu spielen – eine von Lauterns Schwächen. Ist allerdings ebenfalls schon 29.

Interimstrainer Carsten Rump hat die Arminia auch nach dem Rehm-Rauswurf für zwei Spiele als Chef betreut. Bilanz: Heimsieg gegen Sandhausen, Auswärtsniederlage in Stuttgart. Wird zum Freitag das Team wohl eher nicht groß umkrempeln.

DAS WIEDERSEHEN MIT FLO DICK MUSS AUSFALLEN

Was fällt uns noch zu Arminia Bielefeld ein? Natürlich: Florian Dick. 2014 ist der gebürtige Badenser vom FCK nach Ostwestfalen gewechselt. Nach sechs wechselvollen Jahren in der Pfalz, in denen er die Roten Teufel zeitweise als Kapitän auf den Platz führte. „Ich wäre gerne geblieben“, erklärte er ein Jahr nach dem Wechsel im Interview bei tranfsermakt.de . „Während der Verhandlungen hat es aber einen Philosophiewechsel beim FCK gegeben und ich war nicht mehr gefragt. Ich weiß nicht genau, warum. Ob ich zu alt, zu schlecht, zu teuer oder sonst was war – keine Ahnung. So genau wurde das nicht kommuniziert.“

In Bielefelds Aufstiegssaison 2014/15 stand Dick in allen 38 Spielen 90 Minuten auf dem Platz, war für die Dritte Liga offenbar also weder zu alt noch zu schlecht. In Liga zwei anschließend fehlte er nur zwei Mal wegen einer Sprunggelenksverletzung. Sein Trainer in diesen beiden Jahren hieß übrigens Norbert Meier. Nach dessen Weggang bekam er weder unter Rehm noch unter Kramny eine Chance, in der aktuellen Saison steht lediglich ein 61-minütiger Einsatz am 7. Spieltag gegen Nürnberg für ihn zu Buche.

EIN INTERVIEW MIT DICK WAR LEIDER NICHT MÖGLICH

Seit der Winterpause gilt Dick auch offiziell als aussortiert, durfte bereits nicht mehr mit ins Trainingslager nach Spanien, „aus rein sportlichen Gründen“, wie Sportdirektor Samir Arabi zu Protokoll gab. Während der Winter-Transferperiode dampfte es mal in der Gerüchteküche, dass eine Rückkehr nach Kaiserslautern im Gespräch sei. Konkret wurde jedoch nichts.

Gerne hätte der Blogwart den ehemaligen FCK-Kapitän selbst dazu befragt. Einen entsprechenden Interviewwunsch beschied die Arminia-Pressestelle jedoch abschlägig: Man könne leider kein Gespräch vermitteln. Ob’s daran lag, dass man wegen des Kramny-Rauswurfs zu beschäftigt war? Oder daran, dass Florian Dick sich zu seiner unbefriedigenden Situation nicht äußern wollte? Oder  daran, dass man den Interviewwunsch gar nicht erst an ihn herantrug, damit er sich nicht negativ über Bielfeld äußert?  Das bleibt offen.

Auf jeden Fall ist ihm zu wünschen, dass er trotz seiner 32 Jahre noch einmal einen Verein findet, in dem er seine Profikarriere mit Würde beenden kann.

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