Analyseblog: Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd? Wer das glaubt, hat den FCK noch nicht gesehen

Schlimmer geht’s nimmer. Bei seiner 0:2-Auswärtspleite in Bielefeld sündigt der 1. FC Kaiserslautern öfter auf der Alm als die Protagonisten eines Filmlustspiels der berühmten Lederhosen-Serie aus den Siebzigern, bietet dabei aber ungleich weniger Schauwerte. Der Abstand zu Relegationsrang 16 ist nunmehr auf fünf Punkte geschrumpft, sollte Aue am heutigen Sonntag in Bochum gewinnen, sind es sogar nur noch vier. Immerhin geben sich Teile der Mannschaft nicht sonderlich überrascht: „Dass  wir im Abstiegskampf stehen, müsste jedem bewusst sein, denn das was vorher auch schon so“, meint etwa Kapitän Daniel Halfar.

Mehr als die nach dieser Niederlage angespanntere Tabellensituation deprimiert jedoch, dass sich in dieser Darbietung so gar nichts erkennen lässt, auf was sich Hoffnung fürs letzte Saisondrittel gründen lässt. Nach dem ebenfalls nicht sehr erbaulichen 1:1 gegen Heidenheim vergangenen Sonntag ließ sich noch orakeln, dass Trainer Norbert Meier mit dem Duo Halfar/Robin Koch nun vielleicht eine Lösung gegen die Kreativprobleme im defensiven Mittelfeld gefunden haben könnte, die den FCK schon seit Saisonbeginn plagen.

KOCH/HALFAR ALS MITTELFELDDUO: NACH ORDENTLICHER PREMIERE GESCHEITERT

In Bielefeld begannen die beiden nun da, wo der Coach sie im jüngsten Heimspiel in Hälfte zwei hinbeordert hatte, worauf das Lautrer Spiel tatsächlich besser wurde. Resultat diesmal aber: null. Oder sagen wir: Kaum was. Halfar macht nach wie vor den Eindruck, dass er eher was inszenieren kann, wenn er aus einer zurückgezogeneren Mittelfeldposition  agiert. Er schoss sogar mal gefährlich aufs Tor.

Mit Zahlen untermauern lässt sich dieser Eindruck allerdings nicht. Was Balleroberungen und Passqualität angeht, präsentierten sich Koch/Halfar unterm Strich nicht viel besser als Ziegler, Frey, Ring oder Moritz in den 24 Partien zuvor.

Auch sonst gibt’s nichts und niemanden zu loben, außer natürlich Julian Pollersbeck, der mit einigen Glanzparaden verhinderte, dass sein Team schon zur Pause zurücklag. Nichts Gutes dürfte den rund 1000 mitgereisten Fans schon nach drei Minuten geschwant, als Fabian Klos – gefährlicher Mann, sicher, aber wahrlich kein Katapultstarter – nach einer simplen Kopfballvorlage Tim Heubach einfach davonrannte und Pollersbeck prüfte.

Von Halfars strammen Torschuss in der 23. Minute an bis zur Pause war der FCK  einigermaßen im Spiel, durfte beispielsweise zeigen, dass die Eckbälle seit Meiers Amtsantritt gefährlicher geworden sind. Linksverteidiger Naser Aliji war gleich an zwei Torszenen beteiligt: Mit einem Schuss aus halblinker Position nach einem Angriff, den Halfar geordnet hatte, und mit einer starken Flanke auf den Kopf von Sebastian Kerk, der sauber auf Robert Glatzel ablegte, worauf dieser die „Hundertprozentige“ vergab, zu der sich nun fabulieren ließe, dass ja alles hätte gut werden können, wenn die drin gewesen wäre.

„Normalerweise macht Glatzel den“, fand auch Trainer Meier hinterher, nur sei Bielefelds Keeper Daniel Davari einfach schon zu dicht dran gewesen. Eben. Und deswegen wars auch keine so richtige „Hundertprozentige“.

FAST MAL GUT UMGESCHALTET – ABER NUR FAST

Statt nun auf dem armen Glatzel rumzuhacken und weil die besagte Torchance eh jeder anständige Fan schon mehrmals in diversen Zusammenfassungen gesehen hat, hier eine Szene, die das FCK-Dilemma im Grunde eindrucksvoller demonstriert. Sie stammt aus der 26. Minute. Da hätte beinahe mal was so etwas wie „schnelles Umschaltspiel“ geklappt.

Nicht, dass der Balloberung ein gut durchorganisiertes Pressing vorausgegangen wäre, aber die Art und Weise, wie entschlossen sich gleich vier Rote Teufel den Ball holen und den Gegenangriff einleiten wollen, zeugt immerhin mal von dem oft zitierten „Mut zum Risiko“, den so viele wieder am Betzenberg sehen möchten. Leider scheidet das Unterfangen kläglich bei Kerks Versuch, den Ball an- und mitzunehmen. Die Torchance, die aus diesem  Drei-gegen-Einen hätte resultieren können, wäre noch um einiges hundertprozentiger gewesen als die Glatzels.

Allerdings war auf der anderen Seite auch Pollersbeck immer wieder gefragt, unter anderem bei einem 20-Meter-Rohr von Florian Hartherz und einem Schlenzer von Keanu Staude aus elf Metern, nach dem der Keeper auch noch gegen Christoph Hemlein retten musste. Von daher lässt sich nicht einmal sagen, dass eine Führung der Lauterer zur Halbzeit verdient gewesen wäre.

DER ABSCHUSS NACH DER PAUSE – NUR NOCH MURKS, SONST NICHTS

In Hälfte zwei folgt die Bankrotterklärung. Lukas Görtler kommt in der Pause für Kerk, nach einer Knieverletzung ist es sein erster Einsatz im Jahr 2017. Drei Minuten später rennt ihm Linksverteidiger Florian Hartherz davon, darf in halblinker Postion in den Strafraum starten, nach innen passen, Hemlein ist zur Stelle – 0:1.

Und dann?

In Dresden und nach dem Spiel gegen Heidenheim durfte Meier loben, „dass die Mannschaft nach Rückständen zurückkommen kann.“ Diesmal aber: nichts. 45 Minuten lang nur Murks, ein Ewerton-Kopfball nach einer Halfar-Freistoßflanke ist alles, was Lautern noch aufs Tor bringt. Ein einziger herber Rückschlag für alle, die sich längst damit angefreundet haben, in dieser Saison der allmählichen Entwicklung einer neuen Mannschaft zuzusehen, welche in der kommenden Spielzeit wieder weiter oben angreifen soll.

ZOUA/GLATZEL NEBENEINANDER? HAT AUCH KEINE ZUKUNFT

In der 63. Minute beendet Meier das Experiment mit dem Sturmduo Jaques Zoua/Robert Glatzel. Auch das ist schiefgegangen. Grundsätzlich war die Überlegung ja nachvollziehbar: Für seine bevorzugte 4-2-3-1-Grundformation hätte Meier unter der Prämisse, dass Halfar weiter zurückgezogen agieren soll, Zoltán Stieber als Zehner gebraucht, der aber fiel wegen Erkältung aus. Also zwei Stürmer.

Dass die beiden Strafraumstürmer Zoua/Glatzel nicht unbedingt nebeneinander passen, war zu befürchten, beide brauchen eher einen schnellen, beweglichen Mann neben sich, aber Osayamen Osawe ist derzeit von der Rolle.  Glatzel und Zoua zeigten zuletzt, dass sie beide der Mannschaft guttun, aber eben nicht als Sturmduo vom Anpfiff weg. In Bielefeld sollte wohl Zoua den beweglichen Part spielen. Leider gelang ihm kaum was. Wie dem kompletten Team in der zweiten Hälfte.

Da hilft es auch nicht zu lamentieren, dass Bielefelds zweitem Treffer durch Sebastian Schuppan in der 75. Minute Abseitsstellungen von gleich drei Spielern inklusive des Torschützen vorausgingen. Tat erfreulicher Weise auch niemand, denn der zweite Treffer hatte keinen Einfluss aufs Lautrer Unvermögen, ein eigenes erstes Tor zu schießen.

Soll man der Mannschaft nun allen Ernstes einreden, sie hätte ein „Sechs-Punkte-Spiel“ vergeigt, und zwar mit Pauken und Trompeten? Natürlich nicht. Sechs-Punkte-Spiele gibt es nach wie vor nicht.

MEIERS APPELL FÜR DIE ZIELGERADE DIESER SAISON: BITTE WEITERSAGEN

Fakt ist, dass der Punkt auf die Abstiegsränge geschrumpft ist und im nächsten Heimspiel am 2. April mit Eintracht Braunschweig ein Gegner auf den Betzenberg kommt, der noch voll im Aufstiegskampf steckt. Das wird hart, bietet aber wenigstens Anlass, ein wenig die Werbetrommel zu rühren, um wieder ein paar Zuschauer mehr auf den Betzenberg zu locken. Im Gegensatz zum Rumgurken in der Grauzone des Mittelfelds ist Abstiegskampf wenigstens fesselnd. Die passende Parole hat Norbert Meier bereits ausgegeben:

„Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Spiele jetzt alle sehr, sehr umkämpft sein werden und wir das nur mit rein technischen Möglichkeiten nicht lösen können. Wir müssen schon richtig dagegen halten.“

Allerdings hat auch er bis 2. April noch eine Menge Hausaufgaben zu erledigen. Er muss sein Mannschaftspuzzle neu zusammensetzen. In Biefelefeld haben einige Teile nicht gepasst. Hilfreich wäre vielleicht, als erstes wieder die ineinander zu stecken, die in dieser Saison zusammen bereits gut funktioniert haben. Die Innenverteidigung Koch/Ewerton beispielsweise.

Ein Gedanke zu “Analyseblog: Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd? Wer das glaubt, hat den FCK noch nicht gesehen

  1. Danke, Eric!

    So schlimm war es noch nicht einmal 2007/2008. Einfach weil keiner in Sicht ist, der uns Fans und die Mannschaft dauerhaft zusammenbringen kann. Gegen den Tabellenletzten chancenlos. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, mir keine Freitag-Abende, Sams- oder Sonntag-Mittage oder Montägliche Nächte mehr versauen zu lassen. Nach dieser Bankrotterklärung ist das aber leider wieder obsolet.

    Mag ja sein, dass die neue Führung einen schweren Rucksack mit auf den Weg bekommen hat. Hat Kuntz damals aber auch. Und ich bezweifle, dass wir es in der Kombi Riesenkampff, Gries, Stöver und Meier schaffen, das Ruder herum zu reißen. Stefan Kuntz hatte das, was beim FCK absolut nötig ist: Die Leute emotional zu packen. Von der neuen Führung höre ich bisher nur leeres Marketing- bzw. BWL-Geschwätz. Aufbruchstimmung….ich kotze im Strahl. Von mir aus gibt es ein paar kleinere Erfolge auf Sponsorenseite. Hilft uns nur nix, wenn man im Gegenzug Fremdkapital für Kicker wie Zoua oder Stieber verpulvert, die in dieser Saison gefühlt insgesamt 10 gute Aktionen hatten. Wer kann bei diesem Szenario ernsthaft von einer verbesserten Situation sprechen?

    Für mich zeigt sich, dass Kuntz keineswegs so schlecht gearbeitet und es nicht verdient hatte, so angepisst zu werden. Mag sein, dass er sich teilweise die falschen Ratgeber ins Boot geholt hat, aber mit ihm als Galliosfigur würden wir heute nicht dort stehen….

    Manchmal denke selbst ich Fußballromantiker, dass die Fans die Macht weggenommen bekommen sollten. Im Zeitalter des Internets und der fortschreitenden Kommerzialisierung des Fußballs hat so manch einer Einfluss, den er besser nicht hätte. Früher hat man sich auf Stammtischen aufgeregt, heute tobt sich der ein oder andere in Foren aus, bombadiert Verantwortliche mit Mails, lässt sich für zweifelhafte Öffentlichkeitsarbeit von „Oppositionellen“ (wahlweise „neue Führung“) einspannen und sich feiern….für was eigentlich? Dafür, dass wir jetzt dort stehen, wo wir stehen? Es wurde den „Kuntz-Jüngern“ ja gerne einmal vorgeworfen, dass es „so“ nicht weitergehen kann. Ist das jetzt die bessere Alternative? Aber diese Leute hauen natürlich auch dann irgendwann wieder auf die Pauke und wenden sich von den handelnden Personen mit dem Argument ab „ich habe mich halt getäuscht….“. Es ist ja so einfach, irgendetwas ohne Verantwortung zu befeuern…immer unter dem Deckmantel, halt kein „Ja-Sager“ oder unkritischer Fan zu sein. Immer wieder wird die Atze-Ära als Beispiel genannt, wo man hinkommen kann, wenn alles unkritisch gefressen wird. halten wir fest: Besser wurde es seitdem nicht.

    Beim Dosenpsort in Leipzig freuen sie sich ihres Lebens. Warum? Weil die Fans sich außerhalb des Fußballs um nix kümmern müssen, einfach weil sie es nicht dürfen/können. Klappe halten, ins Stadion gehen, Fußball genießen, oder bei Bier und Bratwurst über die Spielweise schimpfen. Alles andere wird von anderen erledigt. Vielleicht gar nicht so schlecht, dieser Ansatz. Klingt für mich auf jeden Fall besser als das was ich zur Zeit mit meinem FCK erlebe…..

    Da ich ja TM.de boykottiere musste ich dich jetzt mal missbrauchen, schönen Sonntag noch 🙂

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