Vorschaublog: Meier will Braunschweig „mit dem E-Bike auf Eco im 7. Gang“ überrollen – und niemanden verdammen

Nein, Robert Glatzel ist nicht „verdammt“, Norbert Meier erwartet allerdings von ihm, dass er signalisiert, sich bis zu seinem Vertragsende am 30.6.2017 den Allerwertesten aufreißen zu wollen. Das stellte der Coach des 1. FC Kaiserslautern anlässlich der Pressekonferenz zum Spiel gegen Eintracht Braunschweig am kommenden Sonntag (13.30 Uhr) klar. Ob der 23-jährige diesen Eindruck bislang hinterlässt, ließ Meier allerdings offen. Schön wärs. Gerade im kommenden Heimspiel, für das bereits über 20.000 Eintrittskarten verkauft sind. Denn Jaques Zoua, die Alternative fürs Sturmzentrum, ist am Mittwochabend laut Trainer ziemlich müde von seinen Länderspieleinsätzen für Kamerun zurückgekommen. Der 25-jährige hat in den vergangenen Tagen sowohl gegen Tunesien (1:0) als auch gegen Guinea (1:2) jeweils 90 Minuten durchgespielt.

In den Fanforen war bereits über eine „Strafversetzung“ Glatzels spekuliert worden, nachdem dieser am vergangenen Mittwoch wieder bei der U23 eingesetzt worden war, die am Betzenberg ein 0:0 gegen Kickers Offenbach erstritt. Kurz zuvor hatte der Spieler, der in der Rückrunde seinen Durchbruch bei den Profis schaffte und bereits vier Treffer erzielte, dem Verein mitgeteilt, dass er über diese Saison hinaus nicht am Betzenberg bleiben werde. Mittlerweile hat der FC Heidenheim bekanntgegeben, Glatzel verpflichtet zu haben.

ZU GLATZEL: „WIR SOLLTEN NICHT DEN FEHLER MACHEN ZU WERTEN“

Was beim Anhang seither für entsprechenden Diskussionsstoff sorgt: Hat Glatzel dem FCK die kalte Schulter gezeigt, weil er ihn solange schmoren ließ, bis er ihm eine Chance in der Ersten Mannschaft gab? Konnte der Verein ihm nicht überzeugend vermitteln, dass er in Lautern bessere Entwicklungsmöglichkeiten hat als anderswo? Oder hat Heidenheim einfach mehr Geld geboten?

„Wir sollten nicht den Fehler machen zu werten“, betrachtet Trainer Meier die Angelegenheit mit der gebotenen Nüchternheit. „Glatzel war auf dem Markt, auch Heidenheim bewegt sich auf diesem Markt, und er hat sich für Heidenheim entschieden.“ Lautern müsse daran arbeiten, „wieder so konkurrenzfähig zu sein, dass Spieler sich für uns entscheiden.“ Glatzel habe der Mannschaft in dieser Saison schon sehr geholfen, „daher werden wir ihn jetzt nicht verdammen. Aber er muss Leistung bringen.“

Dass Glatzel erneut mit Zoua gemeinsam beginnt, ist nicht unmöglich, aber nicht gerade wahrscheinlich. Vor zwei Wochen beim 0:2 in Bielefeld, dem bislang schwächsten FCK-Spiel unter Meier, lief mit den beiden vorne nichts zusammen, und dass sie als Stürmertypen nicht unbedingt zusammenpassen, war auch keine allzu große Überraschung. Auch sonst darf man gespannt sein, für welche Startelf sich der Trainer entscheidet. Naser Aliji kehrte vom Länderspiel Albanien gegen Bosnien-Herzegowina (1:2) mit einem Pferdekuss zurück, sein Einsatz ist ebenso fraglich wie der Patrick Zieglers, den muskuläre Probleme plagen.

NOCHMAL MIT KOCH-HALFAR AUF DER SECHS? EHER NICHT – ABER MIT WEM SONST?

Das Experiment mit Robin Koch und Daniel Halfar auf den Sechser-Positionen zu wiederholen, bietet sich nach der Darbietung in Bielefeld ebenfalls nicht an. Eine Möglichkeit wäre, Koch wieder in der Innenverteidigung neben Ewerton beginnen zu lassen und den zuletzt einigermaßen stabilen Tim Heubach für Aliji auf die linke Verteidigerseite zu ziehen.

Die Frage wäre dann, wer die Position neben Halfar im defensiven Mittelfeld übernimmt. Christoph Moritz? Das ergäbe eine spielstarke Doppelsechs, der es allerdings an der nötigen Defensivqualität fehlen könnte – mit Braunschweig kommt immerhin der aktuelle Tabellendritte. Bliebe noch Marlon Frey, dem bei seinen Einsätzen jüngst allerdings nicht viel gelang. Auf der Zehnerposition indes könnte die Stunde für den ersten Startelfauftritt Zoltán Stiebers unter Meier schlagen.

Auf die Frage nach der „Gangart“ seines Teams zum Spiel am Sonntag unternahm der Trainer einmal mehr einen Ausflug in seine skurrile Metaphernwelt: „Mit dem E-Bike auf Eco im 7. Gang“. Um die verdutzten Journalistengesichter wenigstens ein bisschen zu glätten, ergänzte er, man wolle „nicht nur reagieren“ und auch nicht „mit schlotternden Knien“ spielen. Vor allem erwarte er, dass seine Jungs „mit Bock auf Fußball“ agierten. „Alle haben ihr Hobby zum Beruf gemacht, das können nicht viele sagen.“ Darum dürften sie nicht als „Hobby-Gärtner“ auftreten: „Normaler Weise musste du vor so einer Partie morgens um vier aufstehen und drei Mal ums Hotel rennen, weil du so geil bist aufs Spiel.“

DER TRAINER HAT VOR GAUS RESPEKT – DOCH OB ER BLEIBT, STEHT FIFTY-FIFTY

Einer, der immer mit Leidenschaft bei der Sache ist, ist Marcel Gaus. Auch sein Vertrag läuft im Sommer aus. Sportdirektor Uwe Stöver bezeichnet die Chancen, dass er bleibt, nach ersten Gesprächen als „Fifty-fifty“, der Spieler selbst will keine Wasserstandsmeldungen abgeben, wie er in der PK betonte. Sein Trainer wäre sicher froh, wenn er bliebe: „Gausi“ sei zwar nicht so „mit Talent gesegnet“ wie andere, habe sich daher immer viel erarbeiten müssen – „vor solchen Menschen habe ich Respekt“. Es sei ihm „unangenehm“ gewesen, mit so einem Spiel wie gegen Bielefeld in die Länderspiele zu gehen, gegen Braunschweig müsse es unbedingt besser werden, erklärte Gaus, gab sich aber zuversichtlich, dass es am Sonntag besser werde:  „Zuhause haben wir ja bislang eine gute Runde gespielt.“ 

In der Tat: Seit dem 0:1 gegen Stuttgart am 17. September 2016 ist Lautern in neun Heimspielen ungeschlagen, hat dabei 19 Punkte geholt und 13:1 Treffer erzielt. Das sollte Mut machen. Der ist auch notwendig. Nach dem Sieg der Auer am Freitag über St. Pauli könnte der Abstand auf Relegationsplatz 16 im Falle einer Heimniederlage auf drei Punkte schmelzen.

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