Analyseblog: Lautern beugt sich dem Mann mit der schwarzen Maske – und dem mit der stummen Pfeife

Es kann der Frömmste nicht in Frieden punkten, wenn es dem bösen Schiedsrichter missfällt. Nach einer engagierten und über weite Strecken hochkonzentrierten Leistung muss sich der 1. FC Kaiserslautern Aufstiegskandidat Eintracht Braunschweig mit 0:1 geschlagen geben – nicht zuletzt wegen eines nicht gepfiffenen Handelfmeters, der mit Fug und Recht in die Kategorie „klare Fehlentscheidung“ geschoben werden darf. Mit Aussagen wie „Der Mannschaft ist kein Vorwurf zu machen“ sollte Trainer Norbert Meier jedoch vorsichtig sein. Wenn acht Spieltage vor Rundenende der bislang stabilste Leistungsträger zu patzen beginnt und der Abstand auf Relegationsrang 16 auf drei Punkte geschmolzen ist, ist zumindest „Alarmstufe gelb“ angesagt.

Dennoch soll hier nicht nur schwarz gemalt werden. Bis zum 0:1 durch Mirko Boland lieferten die Lauterer eine wirklich erfreuliche Vorstellung ab, und nach der Pause Kapitän Daniel Halfar unmittelbar vor der West mit einer herzhaften Grätscheinlage glänzte, sprang endlich wieder einmal der so oft herbeigesehnte Funke auf die Ränge über. Trainer Meier war seinem Motto „Wenn ich an meiner Grundformation was ändere, muss das Hand und Fuß haben“ einmal mehr treu geblieben, präsentierte zum ersten Mal in seiner Amtszeit eine Dreierkette in der Defensive.

GUCK AN: EIN 3-5-2 BEEINDRUCKT SELBST TAKTIKFUCHS LIEBERKNECHT

Links und rechts von Ewerton bilden Tim Heubach und Stipe Vucur eine Innenverteidigung, die von den immerfort marschierenden Außenbahnspielern Philipp Mwene und Marcel Gaus flankiert wird. Im zentralen Mittelfeld agiert mit dem zurückgezogenen Robin Koch und den davor positionierten Halfar und Christoph Moritz ein Triangel, vorne gesellt sich der bewegliche Sebastian Kerk zu Jaques Zoua.

Ein 3-5-2 also, das selbst den versierten Taktikfuchs Torsten Lieberknecht auf der Braunschweiger Trainerbank erst einmal vor Rätsel stellt. Die mit drei Mann anlaufende vordere Linie der Eintracht wird immer wieder überspielt, worauf sich für die Lauterer im Mittelfeld problemlos Anspielstationen finden lassen. Die erste halbe Stunde haben die Gastgeber die Partie absolut im Griff. Was sich allerdings auch in dieser Phase erneut zeigt: Es ist einfach zu wenig, was der FCK selbst bei guter Spielanlage im vorderen Drittel abliefert.

NACH DER PAUSE DREHT LAUTERN SOGAR NOCH WEITER AUF

Die Blaugelben dagegen veranstalten sofort Ramba-Zamba, als ihnen die ersten Offensivaktionen glücken, vor allem dank ihres Tempodribblers Onel Hernàndez, für den massige Gegenspieler wie Vucur oder Heubach natürlich dankbare Opfer sind. Gefährlichster Herzinfarktmoment für den FCK-Anhang ist die 31. Minute, als sich Hendrick Zuck, Christoffer Nyman und Nik Omladic leichtfüßig im Lauterer Strafraum bewegen und den Ball zuspielen dürfen, die Lücke zum Tor aber nicht finden.

Nach der Pause hatten sich Meiers Männer jedoch wieder gefangen, und trumpften nun sogar 20 Minuten richtig gut auf. Gaus, einmal von Halfar steil geschickt und einmal mit schöner Direktabnahme, die leider aber geblockt wird, Kerk, einmal mit entschlossenem Drehschuss aus etwas zu spitzem Winkel einmal von Halfar freigespielt, aber verstolpert, und einmal sogar Halfar selbst mit einem für seine Verhältnisse richtig gefährlichen Torschuss haben Chancen, scheitern aber.

SCHÖNE SCH… – EIN HANDSPIEL, DAS MEIER DURCHFALL MACHT

Höhepunkt ist jedoch Gustav Valsviks Handspiel in der 67. Minute nach Flanke von  Mwene. Der Arm des Norwegers steht soweit vom Körper weg, dass die Diskussion „Geht die Hand zum Ball oder umgekehrt?“ da einfach nur noch blödsinnig ist. Weshalb weder Schiri Dr. Matthias Jöllenbeck noch sein Assistent das mitbekommen, bleibt ein Rätsel. Auch Norbert Meier macht seinem Ärger hinterher mit ungewohnter Deutlichkeit Luft, muss das tun, weil er sonst nach eigener Aussage „Durchfall“ bekäme. Es ist ihm nachzufühlen.

Aber da jeder Leser dieses Blogs die Szene übers Wochenende schon mindestens fünf Mal im Fernsehen gesehen hat, soll sie hier jetzt auch nicht weiter verhandelt werden. Das macht nur noch wütender.

ALLES MASKE ODER WAS? BOLAND WILL DEN TREFFER UNBEDINGT

Lautern macht den Treffer jedenfalls nicht, und dann kommt’s, wie es nach Meinung von Freunden sich selbst erfüllender Prophezeiungen kommen muss: Der Gegner macht ihn. Boland drückt eine von Zuck an den zweiten Pfosten verlängerte Ecke über die Torlinie, und das, obwohl er gehandicapt ist, einen ledernen Gesichtsschutz trägt: „Er wollte das Tor unbedingt“, ist auch Coach Lieberknecht hinterher beeindruckt.

Das Schlimme aus Lauterer Sicht ist aber: Julian Pollersbeck hat gepatzt! Ausgerechnet der bislang so überzeugende Schlussmann, gemeinsam mit Robin Koch die Entdeckung der Saison. Schon zuvor war er mit einer Unsicherheit aufgefallen, hatte sich am Fünfer  von Joseph Baffo überspringen lassen, Moritz hatte das Leder von der Linie gekratzt.

Die eingewechselten Julius Biada und Domi Kumbela haben kurz darauf sogar noch die Riesenchance, den zweiten Treffer zu machen.

NOCH ZWEI CHANCEN ZUM AUSGLEICH – WIEDER NICHTS

Lautern dagegen hat noch zwei gute Möglichkeiten zum Ausgleich. Der ebenfalls eingewechselte Lukas Görtler vergibt nach Mwene-Flanke am Fünfer völlig freistehend mit dem Kopf. Mehr nach Torjäger aus sieht in der Nachspielszeit der zusätzlich die Schlacht geworfene Robert Glatzel, der sich nach einem Flugball nicht ungeschickt an Saulo Decarli vorbeiwurschtelt, den Ball aber nicht an Keeper Jasmin Fejzic vorbei über die Linie drücken kann.

Die erste Heimpleite 2017 also – alles nur Pech und ein unfähiger Schiedsrichter? Nicht ganz. Wo’s hapert, sollen ausnahmsweise mal wieder ein paar statistische Vergleiche belegen. Der FCK weist gegen eine der anerkannt spielstärksten Mannschaften der Liga mehr Ballbesitz (51:49 Prozent) und eine bessere Passgenauigkeit (64:62 Prozent) auf, hat darüberhinaus mehr Kopfballduelle (51:49 Prozent) und mehr Tacklings gewonnen (27:10). Aaaber: Deutlich weniger Torschussversuche gewagt (11:19), von denen entsprechend weniger aufs Tor kamen (4:9). Sogar im Eckballverhältnis (3:10) liegt Braunschweig klar vorne. Noch Fragen? Wie schon gesagt: Die Probleme liegen im letzten Drittel, aber das ist eigentlich nichts Neues.

NOCH DREI PUNKTE AUF RANG 16 – UND NUR NOCH ACHT SPIELE

„Die Mannschaft muss jetzt da weitermachen, wo sie begonnen hat und wo sie aufgehört hat“, gibt Trainer Meier ihr am Ende der Pressekonferenz mit auf den Weg – und schließt mit den Worten: „Wo ist der Unterschied zum 9. Spieltag der Hinrunde? Dankeschön.“

Die Frage war zwar rhetorisch gemeint, wir erlauben uns dennoch eine Antwort: Damals waren es noch es noch 25 Spiele, jetzt sind es noch acht. Bitteschön.

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