Vorschaublog: Mit dem Mut aus dem Braunschweig-Spiel an den Stellschrauben drehen – und einfach mal draufhalten

Nach der blamablen 0:2-Niederlage in Bielefeld musste die Mannschaft 1. FC Kaiserslautern wegen der Länderspielpause zwei Wochen warten, ehe sie den schlechten Eindruck im Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig korrigieren durfte – weswegen unter anderem der Begriff „Mentalitätsproblem“ länger Kreise zog, als es normaler Weise der Fall gewesen wäre. Nach der neuerlichen, keinesfalls aber blamablen Niederlage gegen Braunschweig sind es jetzt nur drei Tage bis zur nächsten Bewährungsprobe: Am heutigen Mittwoch steht die Partie gegen den VfL Bochum (17.30 Uhr) an.

Fragt man Spieler, begrüßen sie in der Regel eine solche Konstellation. Unter anderem hat auch Marcel Gaus jüngst vor dem Braunschweig-Spiel darauf hingewiesen, wie „unangenehm“ ihm die 14 Tage Wartezeit nach Bielefeld gewesen wären. Heute also haben die Betze-Buben bereits die Chance, sich das Leben wieder angenehmer zu machen. Vor allem die Tabellensituation. Nach dem Sieg des bisherigen Tabellen-17. Bielefeld über Düsseldorf sind es nunmehr nur noch zwei Punkte Abstand auf die Ränge 16 und 17.

BEDROHLICH? DAS KLINGT ZU SEHR NACH ÄNGSTLICH

„Bedrohlich“ mag Trainer Norbert Meier die Situation dennoch nicht nennen, denn das hätte immer auch was von ängstlich, und ängstlich dürfe man beim Fußball spielen niemals sein. Gelte nach wie vor doch der Spruch: „Angst essen Seele auf.“ Ist ursprünglich eigentlich mal der Titel eines Filmdramas von Rainer Werner Fassbinder gewesen, hat sich aber schon seit Jahrzehnten im Sportjargon festgesetzt, doch Klugscheißerei ist gegenwärtig wohl ebenso wenig angesagt wie Ängstlichkeit.

Zu den Fakten: Ziegler fällt definitiv weiter aus, Jacob und Mudzja sowieso, Kacper Przybylko sei auf einem guten Weg, bleibt aber dennoch zuhause. Obwohl man drüber nachgedacht hätte, ihn mitzunehmen, weil seine Freundin derzeit unterwegs sei und er bei der Mannschaft wenigstens etwas Anständiges zu essen bekäme – ja, doch, Norbert Meier hat sich auch in diesen schwierigen Zeiten seinen Humor bewahrt.

BLEIBT ALLES, WIE ES WAR? ODER KOMMT WAS FRISCHES?

Aufeinander treffen die Remiskönige der Liga, Bochum hat schon elf Mal Unentschieden gespielt, Lautern zehn Mal, und die drittschwächste Auswärtsmannschaft spielt bei der nur zehntstärksten Heimmannschaft auf – wenn daraus also irgendjemand Schlüsse auf den möglichen Ausgang ziehen möchte, bitte sehr.

Interessanter wärs natürlich zu wissen, wie Meier spielen lässt, aber da hält er sich wie immer bedeckt, diesmal auch, wie er versichert, es selbst noch nicht so genau zu wissen. „Wenn wir alle drei Tage spielen, kann es auch mal sein, dass wir was Frisches bringen, vielleicht bleiben wir aber auch so stehen.“

AUCH BOCHUM PROBIERTE ES ZULETZT MIT DREIERKETTE

Ob die gegen Braunschweig praktizierte 3-5-2-Formation nochmal zur Anwendung kommt, ist ebenfalls noch nicht entschieden. „Das hängt auch von der Ausrichtung des Gegners ab.“ Und der vermag in dieser Beziehung ebenfalls zu überraschen. Zuletzt, beim erschütternd ereignislosen Nullnull in Sandhausen, formierte Meiers Kollege Gertjan Verbeek ebenfalls eine Dreierkette, mit dem Veteranen Tim Hoogland als zentralem Mann, der diese Position in den nunmehr bald 32 Jahren seines Fußballerlebens noch selten bis gar nicht bekleidet hatte – Respekt. Ansonsten zeichnet den VfL laut Meier ein „schnelles Umschalten und gutes Gegenpressing aus“.

Anbieten würde sich eine Startelf, die hinten sowohl eine Dreier- als auch eine Viererkette abbilden könnte. Das wäre mit der Braunschweiger Besetzung durchaus möglich, indem Tim Heubach bei Bedarf vom linken Innenverteidiger zum linken Verteidiger wird und auf Außenbahnspieler Philipp Mwene wieder auf rechte Außenverteidigerposition einrückt. Robin Koch wird wegen des Ziegler-Ausfalls Robin Koch wohl weiter auf der Sechs gebraucht werden.

UND JETZT BITTE MIT EINEM „GERECHTEN ZORN“ GEGEN BOCHUM

Überhaupt wolle man „das Positive“ aus der jüngsten Heimniederlage mitnehmen, und das sei ja gar nicht so wenig gewesen, so Meier: „Wir haben sehr mutig gespielt.“ Man müsse aber auch weiter „an gewissen Stellschrauben“ drehen, zuallererst natürlich in der Offensive. „Da müssen wir kaltblütiger sein, es auch mal zwingen, wobei ich selbst nicht erklären kann, was genau ich mit zwingen meine“, meint Meier, um es dann doch ein wenig zu konkretisieren: „Einfach mal draufhalten, nicht lange überlegen.“

Schön wärs, wenn sich nach den Fehlentscheidungen, die zur Niederlage gegen Braunschweig führten, eine Art gerechter Zorn im Team breitgemacht hätte, der in den letzten Spielen zu mehr Entschlossenheit führt – dann hätte sich auch die Sache mit dem „Mentalitätsproblem“ schnell erledigt. Den Geist, den es jetzt braucht, haben gestern die Mitarbeiter der Geschäftsstelle am Betzenberg gezeigt, die für die Mannschaft, als sie in den Bus stieg, Spalier stand und applaudierte. Hoffentlich klingt das bis heute Abend nach.

 

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